26 Thiermedicinische Rundschau ete.

1891. No. 3.

Was die bakterienfeindlichen Eigenschaften des Lysols betrifft, so zeigten die Untersuchungen von Schottelius in Freiburg, dass es hierin die Carbolsäure und das Oreolin bei Weitem über⸗ trifft. 1 proeentige Lysol-Lösungen sind sehr wirksame desinficirende Lösungen.

Das Gesammtergebniss der Versuche ist dahin zusammenzufassen, dass wir in dem Lsol ein sehr wichtiges Pesinficiens besitzen, welches eine wichtige Rolle in der thierärztlichen Praxis zu spielen berufen ist.

Bei der Besprechung des Vortrages warnt zunächst Herr Frick vor allzu schnellen Nutz- anwendungen der Versuchsergebnisse in der Praxis; pesonders auch bezüglich der Ungiftigkeit des Mittels. Oft wären ähnliche Mittel, wie z. B. das Oreolin als vollkommen ungiftig bezeichnet, und die Erfahrungen in der Praxis hätten dann gezeigt, dass dies durchaus nicht der Fall ist. Aehnlich liege es mit den antibakteriologischen Eigenschaften. So hätte er die Erfahrung ge- macht, dass bei räudigen Pferden infolge von Creolinbehandlung hochgradige Nephritis ein- getreten sei, auch verursache das Creolin manch- mal sehr unangenehme Zuckung auf der äusseren Haut. Schliesslich sei das Lysol als flüssiges Desinfectionsmittel für den praktischen Thierarzt viel umständlicher als das Sublimat, das in den sog. Pastillen leichter zu transportiren sei.

Duss das Iysol günstige Eigenschaften besitze, wolle er nicht leugnen.

Der Vortragende bemerkt hierauf, dass er keineswegs behauptet hätte, dass das Lysol un- schädlich sei, er habe nur gesagt, es seirelativ unschädlich. Gegenüber Creolin, wo verschiedene chemische Untersnchungen eine andere Reaction ergeben, sei Lysol von constanter chemischer Zu- Ssammensetzung.

Der anwesende Director der Hamburger Lysol- Fabrik, Dr. Bottler, erwähnt noch, dass das Lysol in etwa 5000 Fällen der gynäkologischen Praxis niemals von giftiger Wirkung gewesen wäre. Nur in drei Fällen sei Blutserum auf- getreten.

Herr Frick macht demgegenüber darauf auf- merksam, dass die Versuchsergebnisse beim Men- schen nicht ohne Weiteres auf Thiere zu über- tragen seien und umgekehrt.

Der Gegenstand wird alsdann verlassen und

Herr Frick macht einige Mittheilungenüber die Stellung der Zähne beim Pferde. Nach den Angaben des Vortragenden könne man be- züglich der Stellung der Backenzähne beim Pferde keine Regel aufstellen. Die Angaben, welche Günther in dieser Beziechung gemacht habe, könne er nicht bestätigen. In den später an den Vortrag sich anschliessenden Demonstrationen

wurde von dem Vortragenden noch darauf auf- merksam gemacht, welche Bedeutung diese ver- schiedenen Zahnstellungen auf die richtige Aus- führung der Zahnextraction haben. In einer von ihm construirten Zahnzange sei verschiedenen Möglichkeiten in der Stellung der Zähne Rechnung getragen.(Schluss folgt.)

Infectionskrankheiten.

Untersuchungen über die Mikroorganismen der

Hundestaupe. von J. Schautyr.(Deutsche Zeitschrift für Thiermedicein, Bd. XVIII, Heft 1.)

Verf. will zunächst den Hundetyphus von der Hundestaupe getrennt wissen. Der Hunde- typhus ist charakterisirt durch folgende Erschei- nungen: Die Temperatur steigt auf 39,5 40,9, am Bauche und den inneren Schenkelflächen tritt ein pustulöser Ausschlag auf, der sich zuweilen über den ganzen Körper verbreitet. Die anfangs vorhandene Verstopfung geht pald in starken. oft blutigen Durchfall über. Nase und Augen zeigen einen anfangs serös-schleimigen, später eiterigen Ausfluss. Die Patienten magern ab, behalten aber oft ihren Appetit bis zum Tode, zuweilen verlieren sie aber den Appetit von vornherein. Bei tödtlichem Ausgange sinkt die Temperatur vor dem Tode auf 34 32 Grad O. Die Augen sinken in ihre Höhlen zurück; die Thiere schwanken beim Gehen und werden zuletzt auf dem Hinter- theil gelähmt. Die Krankheitsdauer beträgt 1 bis 3 Wochen.

Bei der Section fanden sich Darm und Ge- kröse injieirt. Magen leer oder Fremdkörper ent- haltend. Magenschleimhaut anämisch, graugelb bis grauröthlich, Darmschleimhaut graugelblich mit rothen Fleeken und Ekchymosen bedeckt, im Mastdarm graue Streiſen; Peyer'schen und soli- tären Follikel geschwellt oder bereits zerfallen, Substanzverluste hinterlassend. Die Mesenterial- drüsen geschwellt, hyperämisch, von weicher. hirnähnlicher Consistenz, Milz meist geschwellt, verdickt. hyperämisch, dunkelbraun, roth. Die Farbe der Leber ins Gelbliche spielend, die Nieren gelblich-braun; Lungen zuweilen normal. zuweilen hyperämisch, öᷣdematös oder dunkelroth, splenisirt. In den Luftwegen oft weisser oder röthlicher Schaum. Unter der Dera und in den Hirnventrikeln farblose wässerige Flüssigkeit. Die rothen Blutkörperchen gezackt, oft in Zerſall be- griffen; die Zahl der farblosen vermehrt, die- selben gross, geschwellt. Im Blute, in den Transsudaten, in der Milz, den Mesente- rialdrüsen und in der Leber lassen sich durch Anwendung von Anilinfarbstoffen kleine, einzeln oder in Gruppen liegende Bacillen nach- weisen. Die farblosen Blutkörperchen enthalten