Bd. VI. No 3.
Thiermedicinische
189192.
Herausgeber Expedition Dr. B. Schneidenühl erer Berie Wilh. IIadp's Verlag in Kiel. 5 Halle a. S.
der
vergleichenden Pathologie und des gesammten Veterinär-Medicinalwesens.
Gleichteitig Organ zur Nertretung üer Interessen des mierärztlichen Stänäes. Neue Folge der im Jahre 1885 begründeten„Bundschau auf dem Gebiete der Thiermediein“
„Nachdruck ohne Genehmigung des Herausgebers verboten.“ (Reichsgesetz v. 11. Juni 1870.)
64. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Halle a.§. Abtheilung für Veterinärmedicin.
An den Verhandlungen betheiligten sich die
Herren Prof. Pütz-Halle, Prof. Esser-Göttingen, Hofthierarzt Lies-Braunschweig, Departements- thierarzt Oemler-Merseburg, die Kreisthierärzte
Frick-Rawitsch, Friek-Hettstedt, Saacke-Wolfen- büttel, Lauche-Bitterfeld, Martens-Sangerhausen, Amtsthierarzt Dr. Edelmann-Dresden, Amtsthier- arzt Redlich-Dresden, Repetitor Dr. Lothes- Berlin, Bezirksthierarzt Imminger aus Donau- wörth, Rossarzt Foth aus Leobschütz, Thier-
ärzte Fischer, Hofherr und PTrips aus Halle, Dr. Sticker aus Köln und Andere.
Nach Fröffnung der Sitzung und Begrüssung der Anwesenden durch den Vorsitzenden Prof.
Pütz-Halle, wurden die Herren Stricker und
Hofherr zu Schrififührern gewählt. Für den Vorsitz in der nächsten Sitzung wurde Herr Lies ernannt.
In der zweiten Sitzung begannen die wissen- schaftlichen Verhandlungen mit dem Vortrage des Herrn Foth„über die Wirkung des Lysols“.
Der Vortragende führte etwa folgendes aus:
Zunächst haben Untersuchungen verschiedener Forscher(u. A. von Henle und Fränkel) ge- lehrt. dass den Cresolen ein besonders hoher Werth als Pesinfectionsmittel zukomme. Da nach den Untersuchungen von Fränkel die freien Kresole in den Theerölen den specifischen wirksamen Desinfectionsstoff enthalten, so war nach dieser Theorie einleuchtend, dass nach ge- lungener Isolirung der freien Kresole auch Flüssig- keiten von hoher desinficirender Kraft herzustellen sein müssten. Solche Lösungen hat man nach einem Patent von Dammann hergestellt und dieselben nach ihrer Eigenschaft Lysol genannt.
Das Präparat ist eine braune, ölige Flüssig- keit, die sich mit destillirtem Wasser in jedem Verhältniss zu einer klaren Flüssigkeit mischt und ein specifisches Gewicht von 1,042 bei 15 Grad C. besitzt. Ferner ist Lysol löslich in Alkohol, Schwefelwasserstoff. Benzol, Chloroform, Petroleum und Glycerin. Mit stark kalkhaltigem Wasser giebt es leicht milchig getrübte Lösungen unter Bildung von Kalkseifen.
Günstige Eigenschaften des Lysol sind nach den Angaben des Vortragenden ferner: 1. die chemische Constanz, 2. die leichte und klare Löslichkeit in Wasser, 3. die Eigenschaft in starker Verbindung noch erhebliche bakterien- feindliche Eigenschaften zu besitzen. 4. relative Unschädlichkeit, 5. die Figenschaft des Präpa- rats keinen allzu lange haftenden Geruch zurück- zulassen.
Was die Löslichkeit betrifft, so treten bei Mischung mit hartem Wasser unter Bildung von Kalkseife sehr leicht getrübte Lösungen ein, die jedoch die sonstigen antibakteriellen Eigenschaften nicht beeinflussen. Bezüglich der verhältniss- mässigen Ungiftigkeit des Präparats sei zu er-
wähnen, dass Ausspülungen der menschlichen
Bauchhöhle mit 3 procentigen Lösungen ohne jede Reaction gut vertragen werden. Innerlich werden viel höhere Gaben ohne giftige Eigen- schaften vertragen, als bei Carbolsäure, Creolin ete.
Bezüglich der Billigkeit ist zu erwähnen, dass Creolin 1,80 Mk., Carbolsäure 2,50 Mk. und Lysol 1,60 Mk. das Kilo kostet.
Ebenso haben eingehende Untersuchungen auch die chemische Constanz des Präparates fest- gestellt.
5


