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22 Thiermedicinische Rundscha« ete. e
ein solches in besonderen Fällen einmal unterstützend wirken, wie z. B. die meisten Mittel bei acuten Catarrhen. Was die ärzliche Kunst therapeutisch vermag, ist ihr uraltes Besitzthum, durch Jahrhunderte in das Masslose über- trieben, dann wieder zum Theil schroff aufgegeben und in der Gegenwart unsicher hin und her schwankend. Ruhe, Kälte, örtliche Blutentziehung bilden den Grundstock eier unter bestimmten Bedingungen wohl hilfreichen Behand- lung bei acuten Entzündungen. Aber oft ist dieselbe er⸗ folglos, oft unanwendbar. Man denke an alle Entzündungen in der Tiefe, an alle Schleimhautentzündungen, an alle die Fälle, wo der Process mit grosser Heftigkeit einsetzte, ganz abgesehen von den specifischen Formen wie die tuber- culöse; und dann ist man noch weit ab von dem Beweise, dass das genannte therapeutische Verfahren, seibst wo unter seiner Einwirkung die Symptome zurückgingen, auf die pathologischen Vorgänge der Entzündung direct eingewirkt habe Zwar scheint es so, aber klargelegt ist dies noch keineswegs. Wie bei den acuten, so ist es auch bei den chronisch-entzündlichen Processen. Die Rückbildung bei einzelnen günstig localisirten Formen kann vielleicht durch gewisse Massnahmen beeinflusst werden durch Massage, Gymnastik, Elektricität, verschiedene Bäder ete. Von ihnen allen lässt sich nur sagen, dass sie„die Resorption an- regen“; eine unmittelbare Beeinflussung der organischen. die Heilung herbeiführenden Vorgänge vindiecirt ihnen Redner nicht. Für den Kranken mag es gleichbedeutend sein, ob die Massage die Rückbildungsvorgänge nur indirect anregt oder direct beherrscht, wenn sie ihn nur gesund macht. Aber in vielen anderen Fällen kann die Anwendung der gleichen Methoden im günstigsten Falle einzelne Symptome bekämpfen, ein Krankheitsproduet fortschaffen, das Wesen jedoch des krankhaften Processes selbst beeinflussen sie nicht. Die mannigfachen Erkrankungen des Blutes, die Stoftwechselerkrankungen, das unübersehbare Heer der ver- schiedenartigen Störungen im Bereiche des Nervensystems, bieten in Bezug auf wirkliche Heilung bis jetzt so viele Chancen, wie etwa der Boden von Kamtschatka für das Gedeihen der Dattelpalme.
Nur bei den Infectionskrankheiten giebt Nothnagel zu, dass ein Typhus, Scharlach, Masern, Ruhr, Cholera, und wie die lange unheilvolle Schaar dieser Erkrankungen heissen möge, heilen kann, dass die ärztliche Kunst viel peitragen kann zu dem günstigen Ausgange durch die Be- kämpfung gefährlicher Symptome sowohl wie durch all- gemeine hygienische Massnahmen und die einsichtige Lei- tung der Ernährung. Aber durch directe Beeinffussung des Krankheitsprocesses selbst die Heilung herbeizuführen, vermag die Mediein nur erst bei zwei, vielleicht drei dieser Krankheiten; bei der Malaria, der Lues und dem acuten Gelepkrheumatismus. Bezüglich des Letzteren weiss man nur, dass die Salicylbehandlung wohl das Fieber und die Gelenkaffectionen zum Schwinden bringt, aber die gefähr- liche Endocarditis mit ihrem furchtbaren Gefolge von Herzklappenerkrankungen lasse sie unbeeinflusst. Und alle anderen Infectionen, wenn sie einmal ausgebrochen und entwickelte Krankheiten sind, können in dem Sinne, wie es der wissenschaftliche Begriff verlangt, bis heute nicht geheilt werden. Wohin man sich wende, überall stosse man auf Schranken. Gchluss folgt.)
— Auszug aus dem Bericht über die XVII. Ver- sammlung braunschweigischer Thierärzte.
Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegen- heiten, hält Thierarzt Ohlms-Calvörde einen Vortrag über Torsio uteri.
Der Vortragende erwähnt, dass die Ursachen der Torsio uteri, welche als Viertel-, Halb-, Dreiviertel- und ganze Drehungen vorkommen, meist in zu lebhaften Bewegungen der jungen Thiere gesucht werden, daneben Springen, Fallen u. s. w. seitens der tragenden Thiere. Die Ex- ploration des inneren Genitalapparates giebt sehr bald
Aufschluss über den Sachverhalt. Als Behandlung em- pfichlt O bei Viertel- und halben Verdrehungen des Uterus das Thier in die Rückenlage zu bringen und dann die Eutwickelung des jungen Thieres zu versuchen. In einigen Fällen hat Vortragender auch die Wälzung des Mutterthieres behufs Herbeiführung der Geburt vorgenommen. Hierbei ist dann auch in einigen Fällen Ruptur der Uterusgefässe mit exitus letalis der Mutterthiere eingetreten. Kunsthilfe ist bei allen Fällen von Torsio uteri dringend erforderlich.
Bei der Besprechung des Vortrages führte Saake aus Wolfenbüttel an, dass neben der Bewegung der Frucht auch eine gleichzeitige Contraction des uterus erforderlich ist, um das Zustandekommen einer Torsio uteri zu ermög- lichen. Bezüglich der Erscheinungen fand S. noch, dass die jungen Thiere mit ihren Hinterfüssen erheblich gegen die rechte Bauchwandung drücken und diese straff an- spannen. Bei der Untersuchung der Mutterthiere findet man zwei derbe gespannte Stränge der Scheidenwandung, welche kreuzweise vor dem Eingang in den Uterus liegen. Bei der Untersuchung des Thieres gelangt man in der Regel ungehindert bis zum Scheidengrunde. Die Scheiden- stränge haben ihre Wurzeln in der Vagina Die Diagnose der Drehungsrichtung des uterus ergiebt sich mit Leichtig- keit aus dem Verlaufe des oberen Scheidestranges. Ver- läuft derselbe von links(und hinten) nach rechts(und vorne), so liegt eine Uterusverdrehung nach rechts vor, ist das Umgekehrte der Fall, so ist eine Verdrehung nach links vorhanden. Die Richtung im Verlaufe des oberen Stranges giebt also auch zugleich die Richtung für die Drehung des Uterus an. Die meisten Fälle stellen eine Verdrehung des Uterus nach rechts dar. Für die Behand- lung ist die Rückenlage des Mutterthieres zunächst un- bedingt erforderlich. Oft bleibt dabei noch eine Viertel- drehung des Uterus bestehen, die in einzelnen Fällen bei der Fxtraction des jungen Thieres ausgeglichen wird, in anderen Fällen noch besonders behandelt werden muss, ehe zur Extraction des jungen Thieres geschritten wird. Nimmt man die Extraction vor, ehe eine vollständige Aus- gleichung der Verdrehungen statigefunden hat, so kann während Ausführung der Geburt leicht eine Gebärmutter- ruptur mit Verblutung erfolgen. Oft erfolgt die Geburt ohne besondere Kunsthilfe, nachdem die Retorsio uteri vollständig gelungen ist.
Kleine Mittheilungen.
Auszug aus dem Viehseuchenbericht von Elsass-Lothringen.
August 1891.
Viechseuchen in Elsass-Lothringen.
Milzbrand 12 Fälle; Rauschbrand 1 Fall; Rotz 1 Fall; Maul- und Klauenseuche 41 Gehöfte; Pferde- räude 1 Gehöft.
Der Gesundheitszustand der Hausthiere war im Allgemeinen sehr befriedigend. Die Fleisch- und Viechpreise sind immer sehr hoch.
Viehseuchen in anderen Ländern des Deutschen Reiches.
Baden. Juli 1891. Milzbrand 3, Rausch- brand 18, Bläschenausschlag 11 und Räude 19 Fälle; Maul- und Klauenseuche: in 78 Gemeinden eind 361 Be- stände mit 1704 Rindern, 6 Schweinen 11 Ziegen und 300 Schafen von der Seuche betroffen.
Pfalz. Juli 1891. Milzbrand 2, Bläschenaus- schlag 17 und Rothlauf der Schweine 6 Fälle; an Maul- und Klauenseuche sind 31 Gehöfte in 17 Gemeinden verseucht.
Württemberg. Juli 1891. Milz brand 24, Rausch- brand 3, Rotz 6, Bläschenausschlag 50 und Schaf-


