18 Thiermedieinische Rundschau ete. 1891. No. 2.
leben, Spielmanns, Tortara je einen, von Sztamke 2 Fälle, so dass ich im Ganzen über 16 Krankengeschichten verfüge. In allen findet sich ein deutliches, fieberhaftes Prodromalstadium ½— 2, selten bis 4 Tage während. Mit Schüttel- frost und oft mit Erbrechen beginnend. stellt sich unter schnell ansteigender Temperatur grosses Schwächegefühl, Kopfschmerz, Benommenheit bis zu Krampfanfüllen, hier und da Augenthränen, Schnupfen und Husten ein. Gewöhnlich schon am 2. Krankbeitstage, doch auch schon am ersten, tritt dann unter noch weiterer Temperatursteige- rung(oft über 40 Grad) das Exanthem in Ge- stalt vieler blassrother, roseolaartiger Fleckchen auf, zuerst auf Hals und Brust, dann in 24 Stunden über den ganzen Körper sich verbreitend. Die auf den Flecken aufschiessenden Blasen haben meist denselben Charakter und verlaufen in gleicher Weise, wie ich es Ihnen bei dem Pemphigus vulgaris genau beschrieben habe, nur stürmischer in ihrer Entwickelung.
Demme bat ein sehr schönes Bild eines P. acutus gebracht, das Ziegler in seiner patho- logischen Anatomie wiedergiebt. Der 13jährige Knabe, den die Abbildung darstellt, hat eine grosse Anzahl von Exanthemnachschuben gehabt, deren ein jeder mit Frost eingeleitet war. Ge- wöhnlich kommt es bei Pemphigus acutus zu keinen deutlichen Nachschuben, offenbar weil der Tod oft so früh eintritt, dass es nicht dazu kommen kann. Das Alter der Befallenen schwankte zwischen 7 Monaten und 53 Jahren. 10 Fälle endeten mit Tod, die meisten in der 1. oder 2. Woche. Von den Genesenden zeigten 2 am 7. resp. 14. Tage Abfieberung, die 3 anderen verliefen ohne Krisis.
Von Begleiterscheinungen während des Ex- anthems treten Gehirnerscheinungen in den Vorder- grund von leichter Benommenheit bis zu Delirien und Krämpfen, 2 wal ist Nephritis, 2 mal Pneu- monie im Verlaufe, 2 mal den Tod einleitend beobachtet worden. Der Tod ist meist an Er- schöpfung erfolgt, die Genesung ist in den gün- stigsten Fällen 2 mal in der 4. Woche beendet
gewesen, in den anderen Fällen hat sie viel länger
gedauert.
Was nun die pathologisch-anatomische Seite angeht, so haben die berichteten, schr zu- verlässigen Sectionen keine Veränderung in den Hautnerven und im Gehirn und Rückenmark er- geben(Adamkiewicz), dagegen die Magen- schleimhaut hyperämisch, die Leber anämisch, verfettet, die Milz vergrössert, die Nieren weich, gelblich gefärbt, die Blutkörperchen in grosser Menge zerfallen, die anderen deformirt(Spiel- manns), also Veränderungen, wie wir sie nach acuten Exanthemen zu finden gewohnt sind und
die wir auf die Blut zersetzende und die Gewebe zeretörende Finwirkung eines Infectionserregers schieben. Doch wir verlangen jetzt zum Beweise des parasitären Charakters einer Krankheit auch den Nachweis von specifischen Spaltpilzen, wenn wir auch davon absehen müssen, für jede In- fectionskrankheit einen eigenen specifischen Spalt- pilz zu finden. Auch hierin ist Genüge ge- schehen: Spillmanns und Adamkiewie?z haben im Blaseninhalt von Pemphigus acutus kleine Stäbchen gefunden ähnlich denen, wie man sie bei Puerperalfieber gefunden. Ebenso sah Patrone Sprosspilze am Rande von Blasen. Demme fand im Blaseninhalte Coccen, die er gezüchtet und mit Erfolg auf Kaninchen und Meerschweinchen verimpft hat.
Die Finwirkung dieser Spaltpilze werden wir uns zu denken haben wie bei bekannteren anderen Bacterien. Es wird zu schneller Vermehrung der Pilze und ihren Folgen auf das Blut und die Gewebe kommen, zu Auswanderung von Leuko- cyten, Aufnahme der Bacterien in die Wander- zellen, schnelle Weiterverbreitung im Körper, chemische Zersetzungsprocesse in dem Inhalte der Zellen, in den Säften und im Blute, Bildungen von Ptomainen und Proteinen und deren Wirkung auf die Nerven und andere Gewebe. Wir werden, eine persönliche Disposition zu Pemphigus voraus- gesetzt, uns neben den genannten Vorgängen eine besondere Einwirkung des Pemphiguspilzes auf die Gefässe nach Art des Secale cornatum denken können, jedoch nicht reizend, sondern lähmend, schwächend auf die Nerven der Gefässverengerer. Die verschiedene Schwere der Erkrankungen an Pemphigus acutus würde in der grösseren oder geringeren Virulenz des Infectionserregers und in der geringeren oder grösseren Widerstandsfähig- keit des betreffenden Organismus ihre Erklärung finden. Meine Herren! Die grossen Fortschritte der Untersuchungstechnik, welche jetzt fast jeder Tag bringt, werden hoffentlich auch der Prüfung der bakteriologischen Studien über Pemphigus zu Gute kommen.
Infectionskrankheiten.
Ueber die diagnostische Bedeutung des Tuber-
culins beim Hunde. Von Fröhner.(Monatsschrift für prakt. Thierh. II. Bd., Heft 12.)
Verf. betont mit Recht, dass die grosse Zahl der bisherigen Beobachtungen über die Wirkung des Tuberculins in der Thierheilkunde gezeigt haben, dass es beim Rinde ein immerhin schätzens- werthes, wenn auch nur relativ sicheres Diag- nosticum für die Tuberculose ist. Die Versuche, welche der Verf. mit der Prüfung des Tuberculins bei gesunden Pferden, Rindern, Schafen, Ziegen
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