15. Oetober.
Thiermedicinische Rundschau ete.
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Waschen und Abtrocknen oder der Einwirkung etwas zu hoher Temperatur beim Baden). 2. Die verminderte Cohaerenz zwischen Oberhaut und Corium kann eine pathologische sein und zwar entweder angeboren oder erworben.
Es ist von Joseph, Goldscheider und Valentin eine Reihe von Fällen berichtet worden, wo sich in einzelnen Familien die Neigung zu Blasenbildung vererbte, der Art, dass besonders im Sommer nur ein sehr geringer äusserer Druck von eng anliegenden Kleidungsstücken, vom Sitzen auf einen Rohrstuhl etc. genügte, um mit einer Blaseneruption zu antworten, welche deutlich das Corset, das Stuhlgeflecht etc. nachbildete. Ob der Name Pemphigus für diese Art von Blasen- pildung geeignet ist, dürfte zu bezweifeln sein. Meist ist die Verminderung der Cohaerenz der Hautschichten eine erworbene, entweder durch vorhergegangene Hautkrankheiten(Scharlach, Ma- sern. Prurigo, Furunculosis, vorhergegangene Pem- phiguseruptionen) oder durch sonstige Krankheiten. welche den Körper geschwächt haben.— Von äusseren Reizen sind noch chemische zu nennen, es sind Pemphigusblasen aufgetreten nach länger dauerndem Reiz träufelnden Urins und nach längerem Befeuchten mit skorbutischem Speichel. — Viel häufiger werden innere Reize angenommen werden müssen.— Fs mag hier beiläufig das Auftreten von Pemphigus nach längerem Genuss von Copaivabalsam und Cubeben erwähnt werden. Seit Jahrzehnten hat man bei allen Pemphigus- arten nach Mikroben gesucht. Bei Pemphigus neonatorum haben wohl zuerst Olshausen und Mekus Impfversuche mit dem Blaseninhalt ge- macht, doch ohne sicheren Erfolg. Bei Pem- phigus chronicus hat Dähnhardt Coccen und Diplocoecen von 1,0 bis 1,5 b Purchmesser ge- funden, die er in Reinculturen zůchten konnte. Doch Impfversuche missglückten auch hier. Ueber die Bacterien des P. actus werde ich später sprechen. Endlich hat Tomasoli
entsteht.
jeden Pemphigus sein.
Brust in Blasenbildung übergeht
darauf auf-
merksam gemacht, dass vielleicht jene giftigen Alkalcide, welche sich ohne Spaltpilze im Blute
bilden und als Leukomaine bezeichnet werden, für die Entstehung des Pemphigus mit verant- wortlich gemacht werden konnten und zwar dann, wenn sie in grösseren Mengen gebildet, schwer eliminirt stagnirten und die Haut in abnorme Thätigkeit versetzten. Beweise für diese Theorie fehlen.
Sicher, meine Herren, wirken stets zur Ent- stehung des Pemphigus mehrere Factoren zu- sammen und wird es auf die Zahl und Art der Componenten und die Art und Stärke ihrer Ein- wirkung(Virulenz) ankommen, ob eine leichtere oder schwerere Erkrankung zu Stande kommt, auch ob ein Pemphigus vulgaris oder foliaceus
Der P. foliaceus kann nicht nur als eine seltene Ausgangsform des P. vulgaris be- trachtet werden, wie Gazenave annahm, sondern kann die Anfangsform und alleinige Form eines Behrend hat in einem Pommer'schen Dorfe eine ganze Epidemie von Pemphigus foliaceus neonatorum beobachtet, bei der alle Kinder bis auf 2 starben.
Auch mein Pemphigus acutus war ein foliaceus vom Beginne an.
Hier das grausige Bild:
II. Pemphigus acutus foliaceus.
Ein sehr grosses, vollkräftiges, wohlgebildetes 11 jähr. Mädchen, 120 Pfund schwer, aus sehr guter Familie, hat die Kinderkrankheiten ohne Folgen überstanden, vor 2 Jahren Scharlach sehr schwer, aber doch glücklich durchgemacht. Im December 1889 etwas blass, jedenfalls weil die Blut- bildung gegen den Verbrauch zu dem schnellen Wachsthum etwas zurückblieb, wurde sie gegen Ende December von einer schwachen Neuralgie im rechten Ischiadiacus befallen mit einem schwachen Herpesausschlag, doch hilft schon ein Sinapismus. In der Nacht vom 6.— 7. Januar 1890 kommt ein starker Schüttelfrost und Erbrechen; Kopf- schmerz, Hitzegefühl im ganzen Körper folgt, dazu Glieder- schmerzen. 6egen Mittag des 7 Januar, 15 Stunden nach dem Schüttelfrost, zeigt sich auf einem grossen Theile des Körpers ein roseolaartiger Ausschlag, der zuerst auf der Schon am Abend nhaben sich zahlreiche nicht gespannte Pemphigusblasen entwickelt. Am nächsten Tage vermehren sich die Blasen und breiten sich mit rasender Eile weiter aus Wallartig, wie die Fluth des Meeres, drängt sich die massenhaft gebidete Flüssig- keit unter der schlaffen Haut weiter fort, hebt sie auf und bildet grosse Excoriationen, die nur hie und da mit breiigen gelblichen Krusten sich bedecken. Zahllose Blasen, die nach kurzer Zeit bersten, sich nicht überhäuten, machen nach wenigen Tagen aus dem lieblichen Kinde eine Jammer- gestalt(Morbus Lazari).
Fast der ganze Körper ist wund, der Rücken Eine blutende Fläche. Das Gesicht und die Augenlider werden befallen, auf dem rechten Auge Pemphigus cornae, danach ein Hypopyon. Die Lippen, der Mund bedecken sich mit Blasen, die ob der dünnen Epithelschicht sofort platzen und nur blutende Wunden hinterlasen. Bei brennendem Durst(Temperatur 40— 41 Grad, Puls 0 130— 160) ist das Schlucken nur unvollkommen unter grossen Schmerzen möglich. Sensorium benommen. Bronchialkatarrh, am 6. Tage Pneumonie. Tod am 7. Krankheitstage. Feine Sestion.
Meine Herren! Der Ihnen soeben vorgetragene Krankheitsverlauf musste mir den Gedanken an eine acute allgemeine Infectionskrankheit, ein acutes Exanthem nahe legen. Da ich aber wusste, dass sehr hohe Autoritäten wie Hebra. Henoch, Riegel u. A. die Existenz des Pemphigus acutus als selbständige Krankheit in Frage stellen, so habe ich in der neueren Literatur nach Stützen für die mir lieb gewordene Ansicht gesucht und habe sie gefunden. Hoffentlich genügen sie auch Ihnen! Deutlich ausgesprochene, reine Fälle von Pemphigus acutus habe ich aus der letzten Zeit 15 gesammelt, von Badolini, Burch, Danek, Demme, Duckworth. Gibier, Hamilton(Neger- knabe), Lenhartz, Patrone Sandpberg, Senft-


