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Thiermedieinische Rundschau etc.

1891 2

werden. Zu dem alten Bestande, als dessen haupt- sächlichste Vertreter Epilepsie, Chorea, Hklampsie, Stenocardie, Morb. Basedowii genannt werden mögen, fügte man eine Anzahl von Hautkrank- heiten hinzu und zwar Pemphigus, Erythema exsudativum, Lupus erythematosus, Urticaria, Herpes Iris, Herpes Zoster. Die Beweismittel, dass viele Fälle von Pemphigus auf nervöser Basis stehen, hat man theils aus der Art seines Auf- tretens entnommen, theils aus den BResultaten zuverlässiger Sectionen und genauer makroskopi- scher, mikroskopischer und chemischer Unter- suchungen hergeleitet.

Ad I. 1. Der Pemphigus tritt meist sym- metrisch auf beiden Körperhälften auf. 2. Die

Blasen verfolgen oft Nervenstämme in ihrem Ver- laufe, ohne dass diese erkrankt erscheinen. 3. Die Blaseneruptionen sind wiederholt im Laufe eines

verletzten oder in eine Narbe eingeheilten Nerven gesehen worden. 4. Der Pemphigus tritt öfter zu bestehenden peripheren Neurosen hinzu. 5. Der Pemphigus erscheint oft im Ver-

laufe von chronischen Erkrankungen von Gehirn

und Rückenmark, also wahrscheinlich durch sie veranlasst.

Ad II. Pathologisch-anatomisches.

1 a. Die Pemphigusblasen enthalten morpho- logisch wenig rothe, viel weisse Blutkörperchen von granulirter Beschaffenheit, fettig entartete Epithelzellen aus dem Rete Malpighi, körnige Massen(Sirski).

1 b. Der Inbalt der Pemphigusblasen nach seiner chewischen Beschaffenheit ist hellgelb, ge- ruchlos, schwach opalescirend, von 1,0196 speci- fischem Gewicht, alkalisch, enthält mehr Natron als Kali, zuweilen etwas Harnstoff immer Serum- albumen, Paraglobulin und wenig Fette, unter- scheidet sich also chemisch nicht wesentlich vom Blutserum und den häufiger vorkommenden Trans- sudaten(Jarisch).

2. Entzündungserscheinungen am Orte der Blasenbildung fehlen, es ist kein Infiltrat(Sih.

3. Die Papillarschicht der afticirten Hautstelle ist atrophisch(Si).

4. Das Endothel der Hautgefässe zeigt Hyper- plasie(körnige Trübung), ebenso findet sich Hyperplasie des Epithels der Schweissdrüsen.

5. Die Hautnerven der vom Pemphigus be- fallenen Bezirke sind krankhaft verändert und zwar fand Ferraro, dass die Entartung mit einem Zerfall der Markscheiden begann und mit Schwund dieser und des Axencylinders endete. während sich in den Schwann'schen Scheiden eine Zellwucherung bemerkbar machte. Déjdrine fand in den Hautnerven unter den Blasen fein- körnigen Zerfall des Markes, wodurch von Stelle

wurde, ausserdem enthielt dieselbe eine gelbliche Protoplasmamasse. Eine Vermehrung der Neu- rilemmkerne war nicht deutlich erkennbar, von dem Axencylinder war keine Spur zu finden. Déjdrine vergleicht diesen Befund mit dem bei resecirten Nerven etwa am 20. Tage nach der Operation.

6. Die Hautnerven zwischenliegender, nicht von Pemphigus befallener Stellen sind gesund(Si).

7. Es finden sich öfter krankhafte Verände- rungen in verschiedenen Bezirken des Rücken- markes und Gehirns sowie in den Hals- und Brustganglien des Sympathicus. Und zwar findet sich ein netzförmig angeordnetes, fibrilläres Binde- gewebe, nur von relativ spärlichen, noch er- haltenen Nervenfasern durchsetzt. An den Ge- fässen anfangs Kernwucherung, später meist Ver- dickung der Wandungen, der Axencylinder lange erhalten. Derartige sklerotische Herde sind bei Pemphigus chronicus gefunden worden von Déjerine und Sirski in den Seitensträngen des Rückenmarkes, wo wir eine Centralstelle der Gefässnerven annehmen und von Jarisch in den Vorderhörnern des Rückenmarkes, also an

einer Stelle, wo wir nach Charcot(Localisation

zu Stelle die Schwann'sche Scheide abgehoben nischer Reize

der Gehirnkrankheiten, 1878) Centra der tropi- schen Nerven suchen müssen.

Meine Herren! Wenn wir nach dem Beweis- material, das ich Ihnen gebracht habe, auch an- nehmen können, dass eine Anzahl von Pemphigus- erkrankungen als Gefässneurosen oder Tropho- neurosen angesehen werden muss, so werden wir doch noch nach anderen ätiologischen Momenten suchen müssen um das Zustandekommen der Pemphigusblasen Zu erklären. Wären Nerven- erkrankungen hierzu allein hinreichend, dann würde Pemphigus nicht sehr selten, sondern sehr häufig sein. Ich halte es für sehr wahrscheinlich. dass als praedisponirend für alle Pemphigusarten, für einzelne sogar als wesentlichster Factor eine gewisse abnorme Lockerheit des Haut- gefüges, in specie der Stachelschicht an- genommen werden muss, zu der dann Reize hinzukommen müssen, entweder von erkrankten Nerven oder wenn diese nicht vorhanden, andere äussere oder innere Reize, um dann durch ein schnell und massig gebildetes Transsudat das Oberhäutchen vom Corium zu trennen und die schon im Normalzustande nur in undeutlicher Structur aneinander gereiheten Zellen der Stachel- schicht von einander zu lösen. Die Lockerheit des Hautgefüges kann eine physiologische sein, bedingt durch die normale massenhafte Ab- schuppung der Haut in der ersten Lebenswoche (Bohm). Um Pemphigus neonatrum zu Stande zu bringen, bedarf es nur etwas derberer mecha- (unzarter Manipulationen beim