10 Thiermedieinische Rundscha« etc.
rechenbarer Wichtigkeit für Leben und Gesundheit strömen werden.
Dass es klüger ist, Verallgemeinerungen zu verschieben, hat sich schon mehr als einmal gezeigt, und es ist nie aus den Augen zu lassen, dass es rathsam ist, weitere Untersuchungen anzustellen, bevor man Schlüsse zieht, die sich später als falsch erweisen können.
Nur in der Richtung der wissenschaftlichen Unter- suchungen mit Experimenten können wir wirkliche Fort- schritte erwarten und wir können nur bedauern, dass falsches Mitgefühl, unrichtige Werthschätzung und die Missdeutüng seiner Ziele und Aufgaben das Experiment an lebenden Thieren in Acht und Bann erklärt und das Erwerben von Kenntnissen auf diesem Wege beinahe un- möglich, jw sogar strafbar gemacht haben, während für jeden anderen Zweck, sei es zur Nahrung, Kleidung, Aus- schmückung oder zum Sport tausendfältige Qualen geduldet werden, ohne dass es Jemandem einfällt, sich darum auch nur im Geringsten zu bekümmern. Die Inconsequenz des Mitgefühls, welches er für unverantwortlich hält, ein Ka- ninchen unter einer Operation leiden zu lassen, wenn es sich darum handelt, das Leben von Menschen oder Thieren
zu erhalten oder Krankheiten zu verhüten, welches aber
keinerlei Widerspruch erhebt, wenn dasselbe Thier in einer Falle langsam zu Tode gemartert oder von Hunden gehetzt und zerrissen wird, bedarf keiner weiteren Prläuterung, aber der Geist, welcher dem Mann der Wissenschaft das verbietet, was er dem Jäger willig zugesteht, muss gering gesagt ebenso sehr beklagt als zurückgewiesen werden.
Man muss sich daran erinnern, fährt F. dann fort, dass, so wichtig auch die mikrobiologischen Untersuchungen sind, es doch auch andere Factoren giebt, mit welchen gerechnet werden muss, ehe wir hoffen können, die letzten Ursachen der Krankheiten zu ergründen. Nicht auf einem Wege allein, so genau und sorgfältig er auch verfolgt werden mag, werden wir zum vollen Verständniss alles dessen, was zur Aetiologie und Prophylaxe gehört, ge- langen, denn es giebt viele Bedingungen, dynamische und stoffliche, in und um uns, welche in ihren gegenseitigen Beziehungen betrachtet werden müssen, bevor wir hoffen können, dies Ziel zu erreichen, aber ich glaube doch, wir können mit Befriedigung bemerken, dass die Ursachen der Krankheiten jetzt besser erkannt sind, als dies je früher der Fall war, und dass, wenn auch individuelle Vorliebe manchmal allzu ausschliesslich auf bestimmte Dinge Ge- wicht legt, doch die allgemeine Richtung dahin geht, Alles zu erforschen, was mit diesem Gegenstande zusammenhängt und auf Alles Nachdruck zu legen, was in dem Satze enthalten ist:„Salus populi suprema lex“.
Tagesgeschichte. Die Versammlung des Vereins Kurhessischer Thierärzte findet Sonntag den 4. October 1891, Vor- mittags 10 ½ Uhr im Hötel zum„Casseler Hof“ zu Cassel statt. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht über die Sitzung des ständigen Ausschusses des deutschen Veterinärrathes zu Nürnberg: Herr Professor Dr. Esser- Göttingen. 3. Ueber die Mängel in der Handhabung der allgemeinen Fleischbeschau: Referenten die Herren Eber- hardt-Fulda und Stamm-Firchhain. 4. Ueber Impfungen mit Tuberkulin und Mallein. Referent: Dr. Kaiser-Han- nover. 5 Ueber Bildungsanomalien beim Schwein. Referent: Herr Stamm-Kirchhain. 6. Mittheilungen aus der Praxis.
— PDer Peutsche Verein für öffentliche Gesund- heitspflege tagte in der Zeit vom 17.— 20. September in Leipzig. Auf der Tagesordnung stand u. A.:„Kühlräume für Fleisch und andere Nahrungswittel“: Ref. Professor Hoffmann in Leipzig.
— Der VIII. internationale Kongress für Hygiene und Demographie wird 1894 in Budapest stattfinden.
— Versammlung der Schlachthausthierärzte des Reg.-Bez. Arnsberg am 30. August d. J. Ausser ge- schäftlichen Sachen wurde zunächst beschlossen, pbei späteren Besprechungen eine einheitliche Fleischbeschau zu erstreben.
— Reichsgerichtsentscheidung. In einem Erkennt-
niss des Reichsgerichts vom 13. März v. J.(Bd. 20, Straf- sachen) wird ausgesprochen, dass es den Thatbestand in- tellektueller Urkundenfälschung im Sinne von§ 271 des Strafgesetzbuches nicht begründe, wenn der Gewerbe- treibende es vorsätzlich bewirkt, dass in dem von dem öffentlichen Fleischbeschauer über das Ergebniss der von ihm vorgenommenen Untersuchung des von dem Ersteren geschlachteten Thieres ausgestellten Zeugnisse unwahre Angaben über Name und Wohnort des früheren Besitzers des Schlachtthieres enthalten sind. — DPDas Polizei-Präsidium in Berlin und die Lebensmittelprüfungsstation in Karlsruhe haben über- einstimmend festgestellt, dass in einer grossen Zahl von Fällen(50 Proc.) in dem amerikanischen Schweine- schmalz Baumwollsamen-Oel vermischt sich vorfindet.
— Ueber den VII. internationalen Congress für Hygiene und Demographie, welcher in der Zeit vom 10. bis 17. August in London stattfand, werden wir, soweit die Verhandlungen für thierärztliche Kreise Interesse hatten, in einer der nächsten Nummern berichten. An anderer Stelle haben wir mit der Mittheilung eines Vortrages bereits begonnen.
— Die Pinfuhr amerikanischer Schweine, Schinken und Speckseiten ist durch Erlass des Reichskanzlers neuer- dings wieder gestattet worden.
— Die Feier des hundertjährigen Bestehens der thierärztlichen Hochschule zu Mailand hat in der Zeit vom 5.— 8. September in festlicher Art stattgefunden. Von auswärtigen Professoren waren erschienen die Herren Prof. Cornevin, Trasbot, Nocard, Lustig, Schütz, Berdez, Hutyra, Kitt, Fricker.
— Unter dem Titel: Die Universitäten und die technischen Hochschulen ist im Verlage von W. Ernst Sohn ein von Zöllner verfasstes Buch erschienen, das die Aufmerksamkeit weiterer Kreise, besonders auch der thierärztlichen verdient. Bezüglich der einzelnen Aka- demien und Fachlehranstalten sagt der Verf.: Die auf den Einzelakademien erworbene Bildung ist überwiegend eine einseitig fachliche, durch welche ein volles Verständniss für die Gesammtheit des Lebens und ein Einfügen des Menschen in seine Thätigkeit nur unvollkommen erreicht werden kann. Die eingehende Betrachtung der Art und Weise des Unterrichts an diesen Einzelakademien führt den Autor zu dem Schlusse, dass die Arzneimittellehre im Anschluss an die medicinische Facultät auf die Universität gehöre, dass dagegen die noch bestehenden Einzellehr- anstalten für Thierarzneiwissenschaften, Land- und Forstwissenschaft und Bergbau aufgehoben und diese Wissenschaften den technischen Hochschulen zugewiesen werden sollen.
Bezüglich der Stellung der fachlichen Hoch- schulen und ihrer Hörer erwähnt der Verf., dass seit langer Zeit die Hörer der fachlichen Hochschulen in Deutsch- land und Oesterreich nach einer Verbesserung der Stellung ihrer Hochschulen als Unterrichtsanstalten streben. Ein- gehend werden besonders die Verhältnisse in Oesterreich beleuchtet„An der Akademie der bildenden Künste“, sagt der Verf. von Wien,„giebt es einen jährlich gewählten und von der Regierung bestätigten Rector; trotzdem leidet das Institut ebenso an seiner unklaren, undefinirten Stellung, wie das Thierarznei-Institut, dessen Ein- richtung überdies noch den Gegenstand allgemeiner Angriffe bildet, dass bedeutendere Gelehrte, welche an diesen In- stituten Lehrstühle innehaben, unter diesen unklaren Ver- hältnissen leiden, ist klar und daher der Wunsch erklärlich, ihre Stellung mit einer solchen an einer wirklichen Hoch-


