1. October.
Thiermedicinische
Rundschau etc. 7
von anderer Seite(Kattner) durchaus günstige Beobachtungen gemacht sind, so fragt L.: 1. ob der Strophantustinctur bei subeutaner Anwendung eine necrotisirende Wirkung zukommt und ist diese Wirkung eine specifische? 2. worin beruht diese Wirkung? L. hatte sein Präparat aus einer Apotheke bezogen.
— Als Ersatz für Jodoform werden neuer- dings Bismuthrum subgallicum(Dermatoh. Burophon(Isobutylorthokresoljodid) und Aristol genannt.
Dermatol wird wie Jodoform angewendet, da seine antibacteriellen Figenschaften nur bei directer Berührung mit den Geweben zur Geltung kommen.
Europhon ist harzig beim Anfassen und haftet auf Schleimhäuten, Wunden und der in- tacten Haut leichter als das Jodoforw. In Wasser und Glycerin ist es unlöslich, während es sich in Alkohol, Aether, Chloroform, Collodium und in fetten Oelen leicht löst. Vor Jodoform hat es
In der Sitzung des„Vereines der Aerzte“ vom 7. Ja- nuar d. J.) hat der Direktor des hygienischen Institutes, Herr Prof. Dr. Renk, die Aufmerksamkeit auf die Be- schaffenheit der Kuhmilch in hiesiger Stadt gelenkt und dabei, wie aus einem Abdrucke des Vortrages zu erschen ist, in überzeugender Weise nachgewiesen, dass die Kuh- milch, wie sie in hiesiger Stadt dem Publicum dargeboten wird, nur in seltenen Ausnahmefällen den hygienischen Anforderungen entspricht.
Eine zweite, ebenfalls aus dem hygienischen Institute der Universität hervorgegangene Publikation, die Disser- tation des Dr. med. Ostermayer, brachte auf S. 9 und 10 neue Belege für die von Prof. Renk beobachteten Miss- stände und bestätigte aufs Neue die Thatsache, dass fast jeder in Halle zum Verkaufe gebrachte Liter Kuhmilch deutlich erkennbare Mengen von Schmutz enthält, welche
hauptsächlich als Kuhkoth anzusehen sind und von der
den Vorzug, dass es keine toxischen Figenschaften
besitzt und einen geringen nicht unangenehmen, keinen durchdringenden Geruch hat.
Aristol besitzt die Vorzůge des Jods und Thymols, ohne deren Nachtheile zu haben. Be- sonders ist es von günstiger Wirkung bei Be-
handlung von Wunden, die längere Zeit offen wir in der Beimengung von Schmutz etwas Vermeidbares
Es ist nur nöthig, die Wunde
bleiben müssen. mit Aristol zu bepudern.
— Versuche über die Bedeutung des„Mallöin“ für die Diagnose der Rotzkrankheit sind in jüngster Zeit auf Veranlassung des preussischen Land- wirthschaftlichen Ministeriums von mehreren Thier-
ärzten u. A. von Schilling, Heyne, Preusse
ausgeführt worden. Die Lymphe, eine graue trübe Flüssigkeit, wurde mit 1 proc. Carbolsäure verdünnt und den Versuchsthieren je 10 chm unter die Haut gespritzt. Zu den Einspritzungen wurde eine gewöhnliche, vorher sterilisirte In- jectionsspritze benutzt. Die Einspritzungen wurden in der Mitte des Halses gemacht. Nach der Impfung tritt Schwellung der Impfstelle und Er- höhung der Temperatur bei Pferden ein, wie die nach der Impfung vorge- nommenen Obductionen in zahlreichen Fällen ge- lehrt haben.
Demnach haben wir in der Thierheilkunde für die Diagnose von zwei sehr gefährlichen In- fectionskrankheiten— Tuberkulose und Rotz— wichtige diagnostische Mittel.
Mittheilungen aus Vereinen und Versammlungen.
— Der Verein der Aerzte zu Halle hat bezüglich der Controle der Marktmilch eine Eingabe an die Polizeiverwaltung gerichtet, welche folgenden Wortlaut hat:
den rotzkranken
Aussenfläche der nicht gereinigten Euter und der be- schmutzten Hintertheile der Kühe beim Melken ihren Weg in die Milch gefunden haben.
Prof. Renk hat die Mengen solchen Schmutzes in einer grossen Anzahl von Milchprohen von verschiedenen Verkaufsstellen quantitativ bestimmt; die Tafeln mit den Filtern, auf denen der Schmutz von der Milch getrennt und conservirt wurde, sind jederzeit im hygienischen In- stitute einzusehen und lassen erkennen, dass in vielen Fällen enorme Mengen solch ekelhafter Substanzen vor-
kommen; sie zeigen ferner, dass von manchen Bezugs-
quellen die Milch regelmässig unreiner geliefert wird als von anderen, ferner dass in anderen Städten— voran Leipzig, dann München und Berlin— die Milch viel reiner in den Handel gebracht wird, als hier in Halle.
Aus diesen Thatsachen geht ohne Zweifel hervor, dass
zu erblicken haben, eine Verunreinigung, die beseitigt werden kann und muss; denn da durch die Anwesenheit dieser Stoffe die Milch schneller in Säuerung und Ge- rinnung übergeführt wird, als bei Einhaltung grösserer Reinlichkeit, so ist dadurch die menschliche Gesundheit bedroht und in erster Linie die Gesundheit unserer Neu- geborenen, denen die Kuhmilch Ersatz für die natur- gemässe Ernährung bieten muss.
Es ist eine allgemein anerkannte Thatsache, dass die hohe Kindersterblichkeit im ersten Lebensjahre hauptsäch- lich durch Erkrankungen des Darmcanals bedingt ist und diese wieder durch verdorbene Nahrungsmittel; wir dürfen daher erwarten, dass die Herbeiführung besserer Reinlich- keitsverhältnisse, als sie zur Zeit hier bestehen, sich als ein Mittel zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit in unserer Stadt erweisen werde.
Die zur Zeit in Halle zu Recht bestehende Polizeiver- ordnung vom 25. October 1887 trägt diesen Gefahren nicht genügend Rechnung; es ist zwar dort ausgesprochen, dass Milch vom Verkaufe ausgeschlossen sein soſl, welche(S2 c) nach ihrer Behandlung bis zum Verkaufe„Gefahr für die Gesundheit der Geniessenden in sich birgt“, durch den Nachsatz:„namentlich Milch von Kühen, welche an Milz-
brand, Pyämie etc. leiden“ ist jedoch gewissermassen eine
Definition für das Wort Gefahr gegeben, so dass der ge- meine Mann aus jenem Absatze kaum etwas anderes ent- nehmen wird, als dass eben die Milch von Thieren mit Infectionskrankheiten nicht in den Handel gebracht werden darf. Wir halten es daher für dringend nothwendig, dass ein directes Verbot ausgesprochen werde, welches den Verkauf schmutziger Miſch verbietet, und erlauben uns
daher, die Polizeiverwaltung der Stadt zu ersuchen, eine
Erweiterung der oben angeführten Polizeiverordnung in diesem Sinne vorzunehmen.
¹) Münchn. med. Wochenschr. No. 6 und 7.


