1. Oetober.

Thiermedicinische Rundschau ete. 5

gehen zu Grunde, die überlebenden können in jedem Falle ihre Eigenschaften nicht so einseitig ausbilden, wie sie umgekehrt ihre Erhaltung eben einer grösseren Vielseitigkeit ihrer Eigen- schaften verdanken. Diese präsentiren sich nur als Uebergangsformen und gestatten als etwas Unfertiges nicht immer sichere Schlüsse;(ich erinnere an die wenig virulenten und wenig lebens- kräftigen Drusecoecen Is. infect. Catarrh ete.], die sich den gewöhnlichen Pyostreptocoecen nähern, sowie an Brustseuchecoecen, die Hell aus künst- lichen Abscessen zůchtete). Anderseits liegt es auf der Hand. dass umgekehrt durch ganz

pesonders erhöhte Gunst der Verhältnisse eine

noch schärfere einseitige Ausbildung bestimmter Eigenschaften zu Tage treten kann. Diese Indi- viduen bilden dann Uebergangsformen nach der anderen Seite; Beispiel: der höchst virulente Eiter- streptocoecus, nahe steht. Ferner haben Levy und Schrader¹) bei einem Fall von Otitis media mit nachfolgender Meningitis einen Microorganismus beschrieben, den sie als eineUebergangsform zwischen dem pyogenen Streptococcus und dem Fränkel'schen Diplococeus hinstellen.

Da wir nun alle diese Uebergänge sowohl in der Natur beobachten, als auch künstlich schaffen können, so stehen wir vor etwas Unfertigem, etwas Werdendem, und als solches präsentiren sich uns die drei Bacterien. Sie sind auf dem besten Wege, sich durch einseitige Ausbildung gewisser Figenschaften und damit schritthaltendem gleichzeitigen Verlust der jetzt noch für den Noth- fall verwendbaren übrigen gegeneinander abzu- grenzen, ja sogar diesen Verlust zu ersetzen, durch Ausbildung der Fähigkeit, Dauerformen zu bilden, um somit auch unter ungünstigen Verhältnissen die Erhaltung der Art sichern zu können: aber das Ziel ist noch nicht annähernd erreicht, und

bis dahin haben wir keine Arten, sondern Ueber-

gangsformen, die zum grösseren Theil schon ihre spätere Stellung erkennen lassen und deshalb zu einer Sonderung nach gewissen Gesichtspunkten berechtigen zum kleineren Theil jedoch eine solche Sonderung ermöglichende einseitige Aus- bildung noch nicht erlangt haben.

Da indess die Lösung differential-diagnostischer

der dem Brustseuchecoceus sehr

Zweifel nicht sowohl von der Untersuchung iso-

lirter Krankheitsproduete abhängt, als vielmehr in der Kenntniss des jeweiligen Fundortes ein wesentliches Hilfsmittel findet, so können wir nach dem Stande der Dinge immerhin die Auf- stellung von Arten vom klinischen Standpunkte aus begrüssen.

¹) Levy und Schrader, Bacteriologisches über Otitis media. Arch. f. experimentelle Patholog. u. Pharmacolog. 1

Vom naturgeschichtlichen Standpunkt dagegen kennen wir nur eine Art, die hauptsächlich charakterisirt ist durch die Neigung zur Ketten- bildung, die Fähigkeit Eiterung zu erregen und die Eigenschaft, auf Blutserum flüssig-schleimige Beläge zu bilden, sowie endlich durch erhebliche Pathogenität für weisse Mäuse, die in tödtlicher Septicämie ihren Ausdruck findet, und aus dieser Art haben sich gewisse Gruppen unter einseitiger Ausbildung bestimmter Eigenschaften abgezweigt und haben darin unter gleichzeitiger Beibehaltung der typischen Figenschaften der Art einen ge- wissen Abschluss erhalten, so dass sie jener Art als Subspecies unterzuordnen sind.

Praktische und therapeutische Nachrichten.

Bleivergiftung bei Pferden. Wie Ober- Rossarzt Beckmann in den militärischen Krank- heitsberichten mittheilt, erkrankten 18 Pferde einer detachirten Escadron unter den Erschei- nungen des Kehlkopſpfeifens, ohne dass Krank- heiten, z. B. Brustseuche, welche dieses Uebel erfahrungsmässig herbeiführen können, vorher- gegangen waren. Die Pferde waren gut ge- nährt, hatten eine normale Körpertemperatur und zeigten keine Störungen am Circulations- und Digestionsapparat. Wurden die Pferde nur wenige Minuten lang im Trabe geritten, so konnte ein pfeifendes Geräusch bei der Inspiration wahr- genommen werden, und bei einigen Pferden, die schon vorher mit dem Kehlkopfpfeifen behaftet waren, wurde gleichzeitig eine so hochgradige Athemnoth beobachtet, dass sie umzufallen drohten. Nach dem Reiten waren die Pferde sehr aufgeregt und schwitzten stark, auch nahm das pfeifende Athmungsgeräusch ganz allmählich ab und ver- schwand meist erst, nachdem die Pferde 5 bis 15 Minuten ruhig gestanden hatten. Fortgesetzte Forschungen nach der Ursache führten schliess- lich zu dem Ergebniss, dass der Sand der Reit- bahn in den letzten Jahren aus einem in der Nähe gelegenen und ausser Betrieb gesetzten Bleiwerk bezogen war und dass die in der Beitbahn bewegten Pferde sich eine Blei- vergiftung zugezogen hatten, welche das Kehl- kopfspfeifen bedingte. Die Beobachtung stimmte vollständig mit den von Schmidt(Archiv für Thierheilkunde, XI.) gemachten Angaben überein. Das Leiden trat nur im Winter und beim Bewegen der Thiere in der verdeckten Reitbahn auf. Bei der Section konnte auch ein Schwund der Kehl- kopfsmuskeln nachgewiesen werden, was Schmidt nicht beobachtete.

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