1. Oetober.
Thiermedicinische Rundschau etc. 3
sammtvorstand in derselben Sitzung sein Amt niederlegte, veröffentlicht in seiner let?ten Sitzung vom 24. Mai d. J. einen Sitzungsbericht in der
„Berliner Zeitschrift“, welcher folgende Stelle enthält: „Endlich beschliesst die Versammlung noch,
das Abonnement auf die„Thiermedinische Rundschau“ mit dem nächsten Quartal aufzu- heben und die Sitzungsprotocolle nicht mehr wie bisher in der„Thiermedicinischen Rund- schau“, sondern in der„Berliner thierärztlichen Wochenschrift“ als der am meisten ver- breiteten und gelesenen tbierärztlichen Fach- zeitschrift zu veröffentlichen“.
Wir erwähnen diese Vorkommnisse, weil sie
durch die Vereine selbst offieiell der Oeffentlichkeit übergeben sind. Die wirklichen Veranlassungen für diese Beschlüsse der beiden Vereine liegen für Jedermann klar zu Tage. Dass aber thierärzt- liche Vereine in solcher Art bei der Reclame für thierärztliche Zeitschriften mitwirken, gereicht denselben und dem Stande gewiss nicht zum Vor- theil. Interessant ist in der ganzen Angelegen- heit, dass zufällig einer der Redacteure der Berliner Wochenschrift, wie in den meisten übrigen thier- ärztlichen Vereinen auch Ehrenmitglied dieser Vereine ist.
Mögen nun jene Vereine ihre Berichte ver- öffentlichen, wo sie wollen, mögen sie die Zeit- schriſten halten, welche ihnen die meisten persön- lichen Vortheile gewähren, mögen jene Redacteure und ihre vermeintlichen und wirklichen Mithelfer nach Kräften bemüht bleiben, ihre Interessen zu
fördern— den Schaden wird nur die Gesammtheit Wer in der Lage und be-
des Standes haben. fähigt ist, die Verhältnisse zu überschen, wird schon jetzt eher einen Stillstand und Rückschritt, denn ein Vorwärts bemerken können. Man wundere sich deshalb auch nicht, wenn hier und da von sehr ruhigen und sehr urtheilsfähigen Personen aus- gesprochen wird, dass man sich besonders in Preussen in thierärztlichen Kreisen noch nicht überall zu der Selbständigkeit, zu der Freiheit im Urtheil und im Handeln emporgeschwungen hat, ohne welche ein Vorwärtsstreben undenkbar ist.
Mögen alle Thierärzte, denen das Anschen ihres Berufes und ihrer Wissenschaft wirklich am Herzen liegt, ein wachsames Auge auf manche derartige Vorkommnisse haben. Noch ist, wie die in dieser Zeitschrift oft dargelegten Verhält- nisse zeigen, Vieles zu thun übrig— und zwar im Thierarzneiwesen überall im Reiche. Ohne eine unabhängige Fachpresse ist es jedoch bisher und fernerhin nicht möglich, die wirkliche Meinung der deutschen Thierärzte zum Ausdruck zu bringen. Durch eine abhängige Fachpresse und durch Vereine, die nur thun, was ihnen von Personen
gerathen wird, die Sonderbestrebungen verfolgen, wird nichts erreicht und ist nie etwas erreicht worden ¹).
Ueber einzelne Wege, die vielleicht künftig zur Erreichung mancher Ziele einzuschlagen sind, sollen in einer der nächsten Nummern Vorschläge gewacht und dieselben zur Besprechung gestellt werden.—
Die Aufgaben unserer Zeitschrift, welche diese sich bei ihrer Begründung gestellt, sollen auch ferner dieselben bleiben. Die Zeitschrift will den deutschen Thierärzten überall— innerhalb und ausserhalb Deutschlands— stets einen Ueber- blick geben über die Fortschritte der Wissen- schaft und der Praxis. Sie wird auch ferner alle thierärztlichen Standesbestrebungen fortgesetzt im Auge behalten und nach Möglichkeit zu fördern suchen— ohne Rücksicht auf Personen.
Um den Raum der Zeitschrift möglichst voll- ständig für den redactionellen Theil verwerthen zu können, erscheint dieselbe fortan mit einem Umschlage, auf dem die Anzeigen bekannt gegeben
werden.
Alle Originalartikel werden zu einem Honorar- satze von 30— 40 Mk. für den Druckbogen(S Seiten der Zeitschrift) honorirt werden.
Der Preis der Zeitschrift bleibt unverändert. Die- selbe kann direct durch die Expedition(Halle a. S., Mühlweg 19), sowie durch jede Buchhandlung und Postanstalt bezogen werden. Herausgeber und Verleger werden nach Kräften bestrebt sein, der Zeitschrift auch fernerhin ihre seit Begründung erworbene Stellung zu erhalten und zu befestigen.
Kiel, Ende September 1891.
Der Herausgeber Dr. Schneidemühl.
¹) In dem Buche„Das thierärztliche Unterrichtswesen in Deutschland in seiner Bedeutung für den thierärzt- lichen Stand“ sind die Akten veröffentlicht, welche zeigen, was durch selbständige thierärztliche Vereine erreicht werden kann.
Hautkrankheiten.
Ein Fall von akutem Pemphigus beim Pferde. Von Barnick und Gutzeit.(Zeitschr. für Vet. III, 6.) Die Verf. beobachteten bei einem 12 Jahre alten, mässig genährten Droschkenpferde das plötzliche Auftreten von Quaddeln am Kopfe, Halse und zum Theil am Widerrist, welche un- gleichmässig vertheilt waren und die Grösse eines Fünfpfennig- bis eines Zweimarkstückes erreich- ten. Fine Ursache konnte nicht nachgewiesen werden. Die Quaddeln waren flach, setzten sich deutlich von der Nachbarschaft ab, gingen an keiner Stelle bis auf die Subeutis. Auf der Mehr- 1*


