15. Septembor.
Thiermedicinische Rundschau etc. 285
wird, die Erzeugung exsudativer Iriten, Episcleriten und Scleriten. Endlich die Erzeugung eines ge- wissen intermittirenden Auftretens bei der ex- perimentellen Iritis und Scleritis.
Die Specifität des Micrococcus ist jedoch noch anfechtbar, weil auch im gesunden Thierauge Micrococcen vorkommen, deren Reincultur, in die vordere Augenkammer gespritzt, Iriten verursacht, und weil diese, sowie auch Irido-Choroiditen ohne directe Injection, d. h. ohne traumatischen Eingriff auf das Auge, überhaupt nicht er- zeugt werden konnten.
Der als Ursache der periodischen Augenent- zündung entdeckte Micrococcus hat eine mehr oder weniger längliche oder rundliche Form, ist von verschiedener Grösse, kommt als Diplococcus in kurzen Ketten und Haufen vor. Derselbe zeigt einen ziemlich lichtbrechenden, centralen Punkt, in dessen Mitte man manchal einen ganz kleinen Kern zu erkennen glaubt. Er färbt sich sehr prompt mit Anilinfarben. In Agar beob- achtet man eine rasche Entwickelung. Stich- culturen zeigen 8—10 Stunden nach der Aus- Saat einen plassen Hof, welcher die Einstichstelle des Platindrahtes umschreibt. Nach 24 Stunden ist dieser Hof(Aureola) unregelmässig rund, an den Rändern gefranzt und hat einen deutlich ausgesprochenen Charakter angenommen. Auf der Oberfläche der Cultur sieht man, vom Centrum ausgehend, ein schönes Netz vieler zierlicher, einander schneidender Leistchen. Dem EFinstich
entlang entwickeln sich in der Tiefe ganz geringe
oder keine Colonien. Die Farbe der Cultur geht aus einer hellen Strohfarbe in der ersten Zeit all-
mählich in eine tiefere Färbung über, und die Schicht
auf der Oberfläche des Agar wird noch dichter.
Stricheulturen auf schrägem Agar wachsen bei 25— 28 0 C. mit gleicher Schnelligkeit. Von dem Striche gehen schr zarte, schwach sichtbare Strahlen in entgegengesetzter Richtung aus,
welche deutlicher hervortreten, wenn die Cultur Sie entwickelt sich üppiger in dem
älter wird. am Grunde gelegenen Theile des Röhrchens,
welches den schräg erstarrten Agar enthält, viel-
leicht weil der Platindraht dort den grösseren
Theil der Microorganismen absetzt, oder weil
hier die grössere Mächtigkeit der Agarschicht ein reichlicheres Nährmaterial liefert. Nach Ver- lauf von 8— 10 Tagen hat die Cultur ihre höchste Entwickelung erreicht. Der Form nach ähnelt sie einer Keule, deren Ränder fast regelmässig ausgeschnitten erscheinen. Oberflächlich, am dicken Ende der Keule, zeigt sich eine zierliche Strahlung, welche in manchen Culturen deutlich hervortritt, in anderen kaum sichtbar ist und mit der Zeichnung auf der Operfläche der Stich- culturen identisch ist.
Die anfangs, wie schon hervorgehoben, kaum wahrnehmbare Färbung kann man zu kRecht mit einem ganz schwachen Grad von orange vergleichen.
In Gelatine erfolgt die Entwickelung geringer als im Agar. Sie findet hier fast ausschliesslich auf der Oberfläche statt und bildet eine Platte, welche in einigen Fällen beinahe das ganze Lumen des Glases ausfüllt, und deren Peripherie unregelmässig gezähnelt ist. Farbe der Cultur schwach strohgelb. Auf ihrer Oberfläche bemerkt man die strahlige Zeichnung, welche manchmal an die der Agarsticheulturen erinnert. Die Gelatine wird nicht verflüssigt. Da, wo bei einigen Culturen auf schräger Gelatine Verflüssigung eintrat, wurde dies vom Verf. der hohen Luft- temperatur zugeschrieben.
Im Blutserum findet dieser Organismus ein weniger für seine Entwickelung passendes Feld.
Weiter wird über das Verhalten des Micro- organismus noch Folgendes erwähnt:
Behandlung mit Sublimatlösung 1: 2000 ver- langsamt nur die Entwickelung desselben, 1:1000 vernichtet ihn beinahe in den Culturen— die Coccen erholen sich wieder, wenn auch kümmer- lich—, 5 proc. Zinksulfocarbolsäurelösung tõdtet den Micrococcus vollständig.
Was seine pathogene Wirkung anbelangt, so erstreckt sich dieselbe im Allgemeinen nur auf das Auge. Ausser den bezüglichen, erwähnten Versuchen wird noch angeführt, dass er un- schädlich bleibt nach der Injection einer beträcht- lichen Menge ganz frischer Cultur unter die Haut und in die Muskeln von Hunden, Kaninchen und Meerschweinchen, sowie in die Bauchhöhle (eine Koch'sche Spritze voll Emulsion) und die Blutbahn(4 Theilstriche der Spritze) von Hunden.
In das Innere des Auges injicirt entstand, wie wiederholt angeführt, mehr oder weniger heftige Iritis, einige Mal mit Exsudation; im episcleralen Gewebe brachte der Microorganiss- mus ziemlich starke Scleritis mit catarrhalischer Conjunctivitis hervor.
Endlich macht der Verf. den Vorschlag, den beschriebenen Krankheitserreger„Ophthalmo- coccus“ zu nennen, und da bei der Krankheit selbst die Scleritis immer schwer und manchmal primär auftritt, die Bezeichnung Selero-Irido- Choroiditis specifica einzuführen.
Bei der Behandlung, welche im letzten Kapitel geschildert wird, ergeben einigermassen pefrie- digende Resultate die Paracentese des Bulbus und Waschung der äusseren Theile des Auges mit Sublimatlösungen 1:2— 3000. Injectionen dieser oder noch geringer concentrirter Lösungen in das episclerale Gewebe dürften nach dem Verf. mit wahrscheinlichem Erfolge noch ver-
48
——
—


