15. September.
Thiermedicinische Rundschau ete. 283
Störungen konnten also nur von dem traumatischen Ein- griffe verursacht worden sein.
Von dem in der Koch'schen Spritze zurückgebliebenen Humor aqueus wurden Sticheulturen in Gelatine und Agar angelegt. Ein grosser Theil blieb steril, andere zeigten eine ziemlich rapide Entwickelung strohfarbener Colonien auf der Oberfläche, in Thermostaten ging die Entwickelung langsamer vor sich. In beiden Substraten fand Verf. Microcoecen und in der leicht verflüssigten Gelatine einen Bacillus. Im Agar sind die Mierocoecen einzeln oder zu zwei, drei und vier Elementen vereinigt, sie sind etwas länglich, mit einem lichtbrechenden Centrum versehen, in dessen Mitte man mit einiger Schwierigkeit einen Kern (nueleo) in Gestalt eines ganz kleinen, dunkeln Punktes erkennen kann.
Nach 5 Tagen, und zwar am 17. April, wurde eine zweite Paracentese des kranken Auges vorgenommen und 60 Ctgrm. wässerige Feuchtigkeit entnommen und in die vordere Augenkammer des linken, gesunden Auges eines Pferdes injicirt.
Auch in diesem Falle entstand Thränenfluss, Licht- scheu, womit sich leichte Conjunctivitis und Iritis ver- einigten. Alle Symptome verschwanden nach 4 Tagen.
Die aus dem Humor aqueus der 2. Paracentese ge- züchteten Qulturen zeigten die gewöhnlichen Mierocoecen.
5. Schwarzbraune Stute mit schwerer Irido-Chorioiditis auf beiden Augen im Stadium der Rückbildung.
Ein Gramm der den kranken Augen entnommenen wässerigen Flüssigkeit wurde in das linke Auge eines 5 jährigen Pferdes injieirt. Am Abend Lichtscheu, Thränenfluss. Tags darauf Besserung dieser Symptome und leichte Trübung des Auges, welche nach 6 Tagen soweit verschwunden war, dass man die schwach zusammen- gezogene und deformirte Iris sehr gut zu erkennen ver- mochte.
Es blieb eine ganz leichte Tritis.
Bei microscopischer Prüfung der verimpften Flüssigkeit wurden immer höchst selten Microorganismen gefunden, Sticheulturen von der ersteren blieben vielfach steril. Einige auf Gelatine zeigten um den Einstichpunkt am zweiten Tage den Anfang einer Entwickelung. Sie enthielten ovale Microcoecen, ähnlich den früher erwähnten. Die Agarculturen gingen erst am 3. Tage oberflächlich an und verbreiten sich in geringer Tiefe dem Stiche entlang. Die microscopische Untersuchung liess sphärische und ovale Coceen von verschiedener Grösse erkennen
Aussaat der beschriebenen Arten auf die Oberfläche von schräg erstarrtem Agar und Blutserum ergab eine uoch langsamere und geringere Entwiekelung.
Blut aus der Jugularis in Agar und Gelatine lieferte ein negatives Resultat.
Eine kleine Quantität vier Tage alter Reincultur in Gelatine wurde mit gekochtem, destillirtem Wasser ver- mischt und drei Theilstriche einer Koch'schen Spritze in das rechte Auge eines Pferdes injicirt. Am Abend Thränen des Auges, Lichtscheu, Tags darauf deutliche Trübung des Humor, Schmerz bei der Palpation des Bulbus, umschriebene Keratitis an der Stichstelle Entwickelung einer schweren exsudativen Iritis. Exsudat nur leicht gelbliche Färbung, Pupille nach drei bis vier Tagen verengert und unregel- mässig in die Länge gezogen. Nach etwa 20 Tagen zeigt sich nur noch Infiſtration der durchsichtigen Hornhaut in der unteren Hälfte, ausserdem besteht noch Deformation der Pupille Einige Tropfen Atropinlösung vermögen die- selbe erst nach etwa 8 Stunden ganz unregelmässig zu erweitern. Eine leichte Trübung der Krystalllinse verhindert die gleichmässige Betrachtung des Augenhintergrundes.
Das Auge wird täglich beobachtet, ohne bis zum 25. Juni 1890 etwas Bemerkenswerthes zu zeigen. An diesem Tage, also 49 Tage nach dem Experiment, stellen sich von neuem reichliche Thränenabsonderung und Licht-
scheu ein, welche drei Tage anhalten, um hierauf vollständig zu verschwinden.
Ein Hund bekommt drei PTropfen einer mit Wasser emulgirten Agarcultur, welche nur die erwähnten Miero- organismen enthält, ins rechte Auge: Nach 2 Tagen sehr schwere Iritis und Keratitis. Am 6. Tage Symptome ge- ringer, am 12. Tage Auge vollkommen gesund, nur geringe Deformation der Iris, aber die Pupille kann sich frei er- weitern und verengern.
Drei Theilstriche der Koch'schen Spritze einer 2. Cultur von 5 Tagen werden in das episclerale Gewebe gegenüber dem rechten oberen Augenlid eines Hundes injicirt.
Einen Tag später heftige Conjunetivitis mit Episecleritis und Schwellung der Lider.
Am 7. Tage Symptome fast total verschwunden.
13. Juni, 9. Tag. Auge zeigt neuerdings Thränenfluss, Hyperämie der Selerotica und Conjunctiva.
Am 16. Juni wieder Normalzustand mit Ausnahme einer kleinen Hyperämie der Selerotica.
18. Juni, 14 Tag. Erneutes Auftreten der Symptome, besonders in der Nähe des Einstichs.
Am 23. Juni Normalzustand des Auges. Die inneren Theile desselben bleiben immer unverändert.
6. 7 jährige Dunkelfuchsstute mit heftiger Irido-Chor- oiditis auf beiden Augen. Das reckte ist schwerer betroffen, eine grosse Quandität Exsudat von charakteristischer Farbe füllt fast die ganze vordere Augenkammer an. Daneben intensive Scleritis mit Injection der Episeleralgefässe.
Das dem Auge entnommene Exsudat verdichtet sich zum Theil in Gestalt sehr zarter Membranen. Ueber- tragungen auf gesunde Augen finden aus Mangel an Thieren nicht statt. Es gelingt auch nicht Mieroorganismen fest- zustellen.
Stich- und Stricheulturen von Agar, Gelatine und Blutserum bleiben in einigen Gläsern steril. Ein Agar- und ein Blutserumröhrchen entwickeln Colonien, welche den früheren identisch sind, 3 Gelatinesticheulturen ver- halten sich etwas anders, wahrscheinlich, weil die hohe Lufttemperatur(25 bis 26⁰) die Gelatine verflüssigt, ent- halten im Uebrigen dieselben ovalen und runden Microeoecen von verschiedener Grösse.
Eine Cultur vom episcleralen Gewebe ergiebt dieselben Resultate.
Einem Pferde werden zur Erzeugung einer geringeren Resistenz und Verminderung der Mieroben tödtenden Potenz des Blutes etwa 3 Liter Blut entzogen und darnach Rein- eultur ins episclerale Gewebe injieirt. Es entstehen schwere catarrhalische Conjunctivitis, Scleritis und mässige Keratitis mit Gefässbildung. Nach einigen Tagen Besserung. Das Pferd wird noch nicht vollständig geheilt der Beobachtung entzogen.
Die 6 beschriebenen klinischen Beobachtungen waren nach dem Verf unbestreitbar ebenso viele Fälle specifischer lrido-Choroiditis, während er bei einem 7. und letzten Falle nur eine intermittirende Conjunetivitis feststellen konnte.
Der 4. Abschnitt enthält histomycologische Studien an zwei Augen, von denen das eine als Folge der periodischen Augenentzündung Cata- racta completa mit beginnender Atrophie des Augapfels zeigt, das andere schon der soge- nannten Phthisis pulbi anheimgefallen ist. Die beiden Augen werden in absolutem Alkohol ge- härtet und hierauf zur microscopischen Unter- suchung Schnitte angefertigt, theils freihändig mit dem Rasirmesser, theils, nach erfolgter Ein- schliessung in Paraffin. mit dem Microtom. Bpenso wird eine Krystalllinse behandelt.


