282 Thiermedicinische Rundschau etc. 1891 No. 24.

Weg für weitere Studien dieser Art erleichtert zu haben.

In der Reihe seiner mycologischen Forschungen an äusseren und inneren Theilen des Auges unter- suchte der Verf. nur kranke Pferdeaugen, zur Controle dienten gesunde Augen von Ochsen, Pferden und Lämmern.

Der zweite Abschnitt enthält eine Aufzählung der Autoren, welche für die Infectiosität der periodischen Augenentzündung eingetreten sind.

Im nächsten Kapitel geht Verf. nunmehr zur Beschreibung seiner eigenen Versuche über, welche sich, wie schon erwähnt, auf die histomycologische Untersuchung schwer erkrankter Augen und auf einige bacteriologische Studien der äusseren und inneren Theile(Humor aqueus) gesunder Augen erstreckten.

Zur Entnahme von Flüssigkeit aus der vorderen Augenkammer und zu den Injectionen wurde die kleine Koch'sche Spritze verwendet. Bei allen Operationen Beobachtung strengster Antisepsis. Es folgen 7 Versuchsreihen, welche hier genau wieder- gegeben sind:

1 1. Juni 1889. Pferd, dessen linkes Auge unter dem Finfluss eines eisten Anfalles steht, und dessen rechtes, nach den Veränderungen zu urtheilen, schon zwei Anfälle periodischer Augenentzündung durchgemacht hat.

Da der Besitzer die Paracentese des Augapfels nicht gestattet, wird ein Platindraht unter die im inneren Augenwinkel abgehobenen Lider geschoben und hier- auf in Nährgelatine eingeführt. Dieselbe erscheint schon am nächsten Tage deutlich getrübt, und Abends machen sich gekörnte Colonien von der Gestalt eines ganz kleinen Trichters kenntlich. Die Gelatine ist theilweise verflüssigt,

welche Erscheinung Verf. der hohen Lufttemperatur(ca. 25 0)

zuschreibt.

Die Culturen scheinen nach 5 Tagen den höchsten Grad ibrer Entwickelung erreicht zu haben, die Gelatine ist bis zur Hälfte aufgelöst, es schwimmen kleine Flocken der Qultur darin.

Bei der microscopischen Prüfung zeigen sich ganz kleine, runde, ferner etwas grössere, mit einem licht- brechenden, centralen Punkte ausgestattete Micrococcen und kleine und grosse Stäbchen.

Mit den gewonnenen, unreinen Culturen werden mehrere Uebertragungsversuche auf Esel, Hunde und Pferde angestellt.

Bestreichen der inneren Fläche der Augenlider eines alten Esels giebt negatives Resultat; Injection einer mini- malen Quantität nur micrococcenhaltigen Materials in die Augen eines Hundes verursacht 4 Stunden später Lichtscheu, Thränenfluss, leichte Conjunetivitis und umschriebene Kera- titis an der Injectionsstelle. Am 2. Tage leichte Iritis und Trübung des Humor aqueus. Innerhalb 67 Tagen ver- schwinden die Symptome allmäblich. Dieselbe Cultur bei einem Kaninchen an der rechten Gesichtshälfte hypoder- matisch applicirt, steigert die Temperatur auf 39,9 und ruft leichte Anschwellung an der Stichstelle hervor.

Ferner werden Emulsionen der nicht reinen Culturen mit gekochtem, destillirtem Wasser in die linke Carotis und rechte Jugularis eines Pferdes resp. Hundes eingespritzt, ohne dass in der Folge Veränderungen in den Augen der Versuchsthiere eintreten.

Dagegen entsteht schwere Panophthalmie mit nach- folgender Erblindung bei einem Pferde, welchem eine sehr starke Dosis einer Agareultur in die Augen injicirt wird.

Auf 2 Tropfen einer Gelatinecultur in das linke Auge eines Hundes erfolgt reichlicher Thränenfluss, Lichtscheu, Iritis und corneale Infiltration. Die Veränderungen wurden vom Professor Gallenga, Lehrer der Augenheilkunde der dortigen Universität, constatirt. Nach 12 13 Tagen ver- schwanden die Symptome und bei der Tödtung des Hundes wurde nur ein kleiner, opaker Corneafleck gefunden.

2. Von einer 6 jährigen Fuchsstute, welche die perio- dische Augenentzündung im exsudativen Stadium deutlich ausgeprägt zeigt, werden in ganz derselben Weise Qulturen aus Thränenflüssigkeit gewonnen, wie im Falle 1. Sie ent- halten dieselben Coecen und Stäbchen, welche sich schnell mit Gentianaviolett färben.

Do die Paracentesis des Auges auch hier nicht ge- stattet wird, entnimmt Verſf. einige Tropfen Blut aus Ge- fässen der inneren Seite der Oberlippe und bringt Spuren davon in Gelatine und Agar. Es erfolgt ziemlich langsame Entwickelung von Colonien aus ovoiden Miero- coccen, welche zu Zweien angeordnet sind, und die mit ihrem Längsdurchmesser aneinander liegen.

Die letzteren Culturen sind nach dem Verf rein. Durch Einspritzen einer kleinen Menge Cultur in das linke gesunde Auge einer Eselin bringt er eine exsudative Iritis hervor. Tags nach der Injection Schmerz, Thränenfluss, Conjunctivitis, Trübung der wässerigen Feuchtigkeit; bis zum 4. Tage Steigerung der Symptome. Am 7. Tage wird das Auge etwas klar, nur die Einstichstelle an der Cornea bleibt trüb Im untern Theil der vorderen Augenkammer ist reichliche Exsudatmasse erkennbar, welche Blutstreifen enthält, nur nicht die charakteristischen Farben zeigt.

Eine Malteser Hündin, bei welcher das gleiche Ex- periment mit einer ganz geringen Quantität wiederholt wird, bekommt dieselben Erscheinungen am Auge. Die Farbe des Exsudats neigt nach orange.

3. Bei einem Pferde mit periodischer Augenentzündung, welches in der Poliklinik vorgeführt wurde, ergab sich der- selbe, eben erwähnte microscopische Befund. Mierocoecen und Bacillen von verschiedener Form und Grösse in der Thränenflüssigkeit.

4. Vierjähriges, rothbraunes Pferd, dessen rechtes Auge sich im letzten Stadium eines ziemlich schweren Anfalles von Irido-Choroiditis befindet.

Thränenflüssigkeit dieselben Microparasiten, wie oben.

Blutculturen, gewonnen wie das erste Mal, bleiben steril; dagegen erscheinen, nach Aussaat von Blut aus der rechten Jugularis in Gelatine und Agar ziemlich schnell Colonien, welche Mierocoecen von verschiedener Grösse enthalten, einige sind rund, die meisten leicht oval mit einem kleinen, Licht brechenden, centralen Punkte.

Dieser Mieroorganismuss hat Aehnlichkeit mit dem- jenigen der früheren Culturen, färbt sich prompt mit Gentianaviolettlösung und bedingt Iritis nach Injection von zwei Tropfen Cultur ins rechte Auge eines albinotischen Kaninchens

Am 12. April wurden dem kranken Auge des frag- lichen Pferdes mittels sorgfältig sterilisirter Koch'scher Spritze etwa 80 Ctgr. wässeriger Feuchtigkeit ent- nommen, wovon 50 in das gesunde rechte Auge injicirt wurden, nachdem man einen grossen Theil des Humor aqueus entfernt hatte, um den endocularen Druck nicht zu verwehren. Das kranke und gesunde Auge wurden vorher, wie auch in allen späteren Fällen, mit Sublimatlösung 112000 desinfieirt und mit Cocain anästhesirt.

Fünf Stunden nach der Operation zeigt das Pferd leichte Lichtscheu und Thränenfluss, welche zwei Tage hin- durch, also vom 12. bis 14. April anstanden, dann war das Auge wieder vollkommen gesund. Diese leichten