15. September.
Thiermedicinische Rundschau ete.
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stets der Individualtherapie übergeordnet bleiben müssen. Wer dies verkennt, ist noch nicht bis zn einem naturwissenschaftlichen Verständniss der Metiologie der Infectionskrankheiten vorgedrungen.
Die Parasiten aller Infectionskrankheiten haben sich einmal aus der localen Flora oder Fauna
der Saprophyten differenzirt und diese Gefahr pesteht und muss bestehen, so lange die Fäulniss
als Zwischenglied zwischen Thier und Pflanze nöthig ist. Ausser an einigen Thierkrankheiten schen wir dies jetzt noch bei Gelbfieber und Cholera deutRch. Wie sehr auch die Verkehrs- verhältnisse und Berührungen alle diese Pinge verschoben haben, so haben wir es doch nicht dahin gebracht, dass nicht jedes Land gan? be- stimmte Verhältnisse der einzelnen Infections- krankheiten sich erhalten hat. In grösseren
Ländern, wie Deutschland, sehen wir deutliche
Verschiebung von Ost nach West. von Nord nach
Sud, bei denen sich sogar der Charakter der
Krankheiten wesentlich ändern kann, so dass z. B. der Apdominaltyphus in Ostpreussen und
Elsass klinisch deutliche Verschiedenheiten zeigt
oder dass Fälle von Flecktyphus am Rhein nicht als solche erkannt wurden.
Mit der Besserung der Verkehrsverhältnisse und der damit in Zusammenhang stehenden Zu- nahme des Wohlstandes hatte in diesem Jahr- hundert eine wesentliche Abnahme der Krank- heiten und ihrer Gefahren gegen frühere Jahr- hunderte begonnen, die sich aber mehr in der Ab- nahme der Gesammtmortalität als in der Abnahme pesonderer Krankheiten aussprach. Eine noch ge-
waltigere Abnahme erfuhr die Mortalität, als man
sich endlich unter dem Einflusse der Cholera zu wirk- lichen allgemeinen Assanirungsarbeiten aufraffte. Erst durch diese Arbeiten, welche die Grundlage der ganzen modernen Socialgesetzgebung geworden
sind, welche zuerst die Solidarität des gan?en
Menschengeschlechtes durch klare Thaten aner- kannten, wurde die Gesammtsterblichkeit überall systematisch herabgesetzt, vielfach bis zu jenem Minimum, welches für jeden Ort möglich ist und welches nach Nebenbedingungen schwankt und welches überall angestrebt werden muss. Trotz- dem hat die Vertheilung der Mortalität in den einzelnen Ländern auf die einzelnen Krankheiten ihre Besonderheiten behalten, auch wenn die In- dividualtheraphie gleiche Fortschritte gemacht hat. Die Abnahme der Mortalität an Pocken durch die Schutzimpfung und die Höhe der Pockenmortalität, welche im vorigen Jahrhundert sogar höher war als die der Tuberculose jetzt, kommt den Schwankungen der Gesammtmortalität gegenüber kaum in Betracht. So würde es auch sein, wenn wir die Mehrzahl der Tuberculösen und Phthisiker heilen könnten. Es erscheint ge-
radezu, dass die Gesammtsterblichkeit ein
Ausdruck für die Summe der Widerstands-
kraft der Bewohner eines Landes ist, die
nur durch allgemeine Maassnahmen, As- sanirung, Besserung der Socialverhältnisse gehoben werden kann.
Wird dieses wichtigste Moment vernachlässigt, so rächt sich die Natur unerbittlich dadurch, dass sie für abnehmende Krankheiten an- dere eine Zunahme erfahren oder ganz
neue sich entwiekeln lässt aus der Unzahl jener Möglichkeiten, welche die Fäulniss stets in Reserve hat. In unserem Jahrhundert sind wir
durch Cerebrospinalmeningitis. durch Diphtherie und jene„Polizei der Natur“, die Cholera, ein- duringlich gewarnt worden. Nur wenn die grossen hygienischen Maass- nahmen die allgemeine Kränklichkeit und Sterblich- keit systematisch herabgesetzt und niedrig gehalten wird. haben die Fortschritte der In-
dividualtherapie Bestand. Die letztere schafft uns dadurch, dass sie mit Vorliebe besonders wich- tige und verbreitete Krankheiten bevorzugt, gleich- sam Luft, um die grösseren Aufgaben mit Ruhe und Sicherheit zu lösen.
Erst durch die Hygiene werden alle Heilbestrebungen auf die Höhe ihrer PLeistungsfähigkeit gebracht und deshalb pleibt für alle acuten und chronischen Infectionskrankheiten die Verhütung stets die erfolgreichste Behandlung.
Ophthalmologie.
Beitrag zum Studium der specifschen lrido- Choroiditis des Pferdes mit einigen Unter- suchungen und Betrachtungen über die Microorganismen des gesunden Auges. Von Prof. Dario Vigezzl, Leiter der chirurg. Veterinair- Klinik der Universitat Parma.
Ueber die unter obigem Titel vom Verf. ver- öflentlichte Schrift entnehmen wir der Zeitschrift für Veterinärkunde, Heft 2, folgende interessante Angaben:
Unter dem genannten Titel veröffentlicht Ver- fasser eine kleine Broschüre, deren Hauptinhalt die parasitäre Ursache der periodischen Augen- entzündung ist. Die 37 Seiten starke und mit zwei lithographischen Tafeln geschmückte Ab- handlung ist in neun kurze Abschnitte getheilt.
Im ersten erwähnt Verf., dass er sich länger als zwei Jahre mit der Aetiologie der fragl. Augenkrankheit beschäftigt habe und dass die- Selbe trot? bemerkenswerther Beiträge der Neu- zeit noch viele Mysterien darbiete.
Durch das von ihm gesammelte Material hoffe er, wenn nicht mehr, so doch wenigstens den


