15. September.
Thiermedicinische
Rundschau ete.
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die er so stark tadelte, beging seinerseits aber neue Fehler. Darin liegt wohl auch der Haupt- grund, dass so viele von Koch erweckte Hoff- nungen sich nicht erfüllten.
der inneren Desinfection. besonders bei grösse- rer Beachtung des specifischen Momentes ein zweifelloser Fortschritt zu verzeichnen.
Bei diesen Untersuchungen bin ich auf eine Reihe von Thatsachen gestossen, welche ein besseres, bis zu einem gewissen Grade sogar ein ausreichendes Verständniss für die Wirkung eini- ger Intoxicationen und Infectionen von Seiten des Darmes erschliessen. Die bisherige Ansicht war, dass, wenn schon der normale Dünndarm der Resorption gewisser Stoffe Hindernisse bereite, es durchaus unverständlich sei, wie eine kKranke Schleimhaut, wie sie bei der Cholera vorliegt, Gifte resorbiren soll, besonders wenn gleichzeitig starke Darmbewegungen, wie bei der Cholera- diarrhoe, vorhanden sind. Die einen verlegten deshalb die Resorption der Choleragifte aus dem vom Ppithel entblössten Dünndarm in den mit
faltete Fähigkeit der Epithelien des Darmes, Pepton wieder zu Eiweiss zurück zu verwandeln, eine mächtige chemische Schutzwehr des
kKörpers gegen 6ifte aus der Classe der Für die Therapie ist hiernach auf dem Wege
normal funetionirendem Epithel noch versehenen
Dickdarm, andere versuchten aus der Bpithel- entblössung der Schleimhaut selbst mechanisch durch Shoek alle Symptome zu erklären, und andere erklärten alles aus dem Wasserverlust. Der von Scholl in meinem Laboratorium präci- sirte Nachweis meiner früheren Untersuchungen über den Choleraprocess, dass die Cholerabakte- rien unter den im Darm gegebenen Bedingungen ein echtes Toxalbumin, ein Toxopepton bilden, weist endgültig die letzt erwähnten Ansichten, so weit sie mit in Betracht kommen, als neben- sächlich nach. Aber auch die erstere Annahme ist ganz willkürlich. Dass infolge von Epithelver- lusten blossliegende Resorptionsgefässe schlechter resorbiren, widerspricht allen Erfahrungen. An sich müssen solche Lymphgefässe wegen des Fehlens jeden mechanischen Hindernisses für die Resorption, wie es der Ppithelsaum ist, gerade umgekehrt schon rein mechanisch besser resor- biren. Wir haben auch anderweitige, bis jetzt ziemlich unbeachtet gebliebene Beobachtungen, aus denen hervorgeht, dass die Dünndarmepithe- lien wirklich der Resorption ein Hinderniss ent- gegensetzen und zwar ein chemisches. Schmidt- Mühlheim hatte gezeigt, dass das Verdauungs- pepton im Blute als Gift wirkt. F. Hofmeister hatte nachgewiesen, dass die Verdauungspeptone in der Darmwand durch die Thätigkeit der Epi- thelien in höhere Eiweisskörper zurückverwandelt werden. Setzt man diese getrennt gefundenen und getrennt gebliebenen Thatsachen in Verbin- dung, so ergiebt sich doch eclatant, dass die bei der Verdauung als specifische Thätigkeit ent-
Peptone ist. Sind die Epithelien aber abgehoben, so ist nicht nur ein mechanisches Hinderniss der Resorption beseitigt. sondern die Peptone treten auch chemisch ungehindert als solche, d. h. als Gifte in die nunmehr besser und ungehindert resorbirenden Lymphgefässe über. Wie viel ge- waltiger muss aber diese Vergiftung werden, wenn es sich nicht um wenig Verdauungspepton, sondern um ein specifisches giftiges Pepton han- delt, wie es die Cholerabakterien im Darm bilden!
Diese chemische Abwehr im Darmgewebe scheint sich neuerdings auch für einen anderen Fall zu pestätigen. J. Munk hatte gefunden, dass die Seifen im Blute giftig wirken und sucht den Grund, dass sich diese Wirkung bei der Fettverdauung nicht geltend macht darin, dass die Seifen durch die Zellen der Darmwand wieder in Glyceride zurückverwandelt werden, und die Leber die etwa doch resorbirten Seifen zurück- hält und nur in kleinen und deshalb nicht schäd- lichen Mengen in die Blutbahn eintreten lässt.
Auf die chemische Schutzwehr seitens der Leber
hatte übrigens schon früher Schiff hingewiesen. Durch derartige Ermittelungen werden bei der Behandlung solcher Krankheiten für die Diät neue Gesichtspunkte festzustellen sein, da die üb- lichen Hinweise auf„blande“ Diät, mit denen vielfach die Aerzte in das Leben hinaustreten, doch etwas ungenügend sind.
Die Untersuchungen über die chemotaktischen Wirkungen der Bakterienprodukte und der zur Ernährung tauglichen Eiweisskörper geben uns auch ein leid)iches Verständniss für das Fintreten der Verdauungsleukocytose und deren Be- schränkung und Aufhebung bei Ernährungs- störungen. Da das Pepton giftig wirkt und keine Chemotaxis hervorruft, während die Eiweisskörper selbst entschieden chemotaktisch oder genauer trophotaktisch wirken, so führt das Uebergehen des Peptons in Eiweisskörper durch die Darm- epithelien chemisch neben dem Schutze gegen die Resorption des giftigen Peptons auch selbst
die Bedingungen für die Chemotaxis resp. Tropho-
taxis der Leukocyten herbei. Die durch die Parm- epithelien gebildeten Albuminate sind selbst der Grund der Lockwirkung, so dass sich die Leuko- eytose als eine wirkliche Verdauungsleukocytose herausstellt. Jedes mangelhafte Functioniren der Darmepithelien, welches entweder die Ueber- führung der Peptone in Albuminate beschränkt oder die directe Aufnahme der giftigen Peptone ermöglicht, führt unmittelbar die chemischen Be- dingungen für das Ausbleiben dieser Verdauungs- 47*


