.

260

Thiermedicinische Rundschau ete.

1891. No. 22.

Kleine Mittheilungen.

Militär-Veterinärwesen in Japan. Einer in der Zeitschr f. Vet. enthaltenen Arbeit entnehmen wir folgende Angaben:

Die japanischen Militär-Thierärzte gehören zu dem Oofficiereorps, sie werden aus den in Komaba(einem im Jahre 1880 errichteten Veterinär-Institut) Diplomirten ge- wählt und erhalten dasselbe Gehalt bezw die gleiche Pension wie die ihnen im Range gleichstehenden Officiere. Sie tragen die Uniform der Aerzte ohne die lediglich für letztere vorgeschriebene Auszeichnung, welche aus drei nach unten sich berührenden rothseidenen Lorbeerblättern auf dem linken Arm besteht.

Ansser dem Chef des Militär-Veterinärwesens im Kriegs- ministerium(General-Stabs-Veterinär mit dem Rang eines Oberstlieutenants) zählt die japanische Armee zur Zeit:

4 Divisionsveterinäre mit dem Rang eines Majors,

20 Regimentsveterinäre mit dem Rang eines Hauptmanns, 16 Veterinäre mit dem Rang eines Premier-Lieutenants, 17 Unterveterinäre mit dem Rang eines Second-Lieutenants.

Der Chef der Veterinär-Abtheilung im Kriegsministerium ist der thierärztliche Beirath für den Kriegsminister. Er hat die Erziehung der Militär-Thierärzte zu leiten, das ganze Veterinärpersonal der Armee zu controliren, sowie dem Kriegsminister die Beförderungen vorzuschlagen. Er hat ferner den Gesundheitszustand der Armeepferde zu überwachen und dem Kriegsminister zu gewissen Zeiten über denselben zu berichten.

Die Divisionsveterinäre sind die thierärztlichen Rath- geber für die Divisionscommandeure. Sie haben die Veterinärpersonen der Tivision unter sich und sind für den Gesundheitszustand der Pferde derselben verantwortlich.

Die Regimentsveterinäre entsprechen unseren Ober- rossärzten und die Veterinäre und Unterveterinäre unseren Rossärzten und Unterrossärzten.

Ausser bei den oben genannten Cavallerie und Artillerie- Regimentern finden die drei zuletzt genannten Kategorien noch Verwendung im Veterinär-Büreau des Kriegsministeriums, im Hospital für schwer erkrankte Pferde und in den Re- montedepots, ferner als Instructeure in militärischen Bil- dungsanstalten(Kriegsakademie, Kadettenschule, Reitschule, Artillerie-Schiessschule, Unterofficierschule, Artillerie- und Ingenieurschule, Lehrschmiede). Sowohl bei den Pruppen- theilen, als auch bei den Bildungsanstalten sind noch zahl- reiche bis jetzt vacante Stellen zu besetzen; etatsmässig sind für jedes Cavallerie- und Artillerie-Regiment bezw. Prain-Bataillon 1 Regimentsthierarzt, 1 Veternär und 1 Unterveterinär.

Die Veterinär-Abtheilung gehört zum Allgemeinen Kriegs-Departement des Kriegsministeriums. Chef der ersteren ist der Generalstabs-Veterinär S. Fukaya, der unter dem Chef des letzteren, General-Lieutenant Kat- sura steht.

Bei Anstellung von Veterinär-Officieren soll nach folgenden Paragraphen verfahren werden:

Diejenigen Studirenden der Kaiserlichen Hochschule für Land- und Forstwissenschaft, welche über die zweite Klasse des Vorbereitungseursus vorgeschritten sind und den Wunsch haben, später in die Armee einzutreten, können zu Militär-Veterinär-Aspiranten ernannt werden. Nach Ablegung ihres Staatsexamens haben dieselben noch 3 Mo- nate specielle Militär-Veterinärwissenschaft in dem Haupt- Militär-Veterinärhospital zu studiren und alsdann 6 Wochen mit der Waffe zu dienen behufs Einführung in die mili- tärische Disciplin.

Einberufene Militär-Veterinär-Aspiranten sollen als Ofüciers-Aspiranten geführt werden; sie haben deshalb den vorgeschriebenen Dienst zu versehen und die militärischen Gesetze zu beachten.

Die Uniform der Aspiranten ist dieselbe wie die der Aspiranten des Sanitätscorps, nur mit dem Unterschiede, dass die ersteren auf dem linken Arm als Abzeichen die schon genannte Lorbeerblattfigur tragen.

Entlassung eines Aspiranten erfolgt in den nachstehen- den Fällen:

a) Im Falle von Krankheiten oder Verwundungen, welche ihn am Studium hindern.

b) Bei Missachtung der militärischen Ordnung, bei Miss- verhalten und wiederholtem Vergehen gegen die militärischen Gesetze.(Der Aspirant hat in diesem Falle der Regierung die Auslagen zurückzuerstatten.)

c) Im Falle sich zeigt, dass die Kenntnisse zu seiner weiteren Ausbildung ungenügend sind.

Die Unterhaltung der Militär-Veterinär-Aspiranten in der Hochschule zu Komaba bezahlt das Kriegsministerium.

Nach Absolvirung der 3 Monate im Hospital und der 6 Wochen mit der Waffe avancirt der Militär-Veterinär- Aspirant zuerst zumMinarai jui kwan(ehender und lernender Veterinärbeamter), im Rang unserem Fähnrich gleichend.

Die Beförderung geschieht auf Vorschlag des betreffen- den Vorgesetzten und durch Wahl, wie bei den übrigen Offieieren.

Der Regimentsveterinär hat unter dem Regiments- commandeur den Gesundheitszustand der Militärpferde, den Hufbeschlag und die Behandlung der kranken Thiere zu überwachen und das ihm unterstellte Veterinärpersonal, sowie den Oberfahnenschmied und dessen Leute mit Pienst- anweisung zu versehen und zu controliren.

Der Regimentsveterinär steht unter dem Diyisions- veterinär, und der Veterinär und Unterveterinär des be- treffenden Truppentheils sind ihm untergeordnet.

Die Pflichten des Regimentsveterinärs sind folgende:

1. Allo Massnahmen den Gesundheitszustand der Pferde

betrend.

2. Die Untersuchung und Behandlung der kranken Dienstpferde.

3. Die Diagnose zu stellen.

4. Prophylaktische Massregeln gegen ansteckende Krank-

heiten zu treffen Verantwortlichkeit für den guten Zustand des Futters und Wassers. Controle des Hufbeschlages. Pferderevisionen. Untersuchung von Schlachthieren. Prstattung von Sanitätsberichten. Verwaltung der Apotheke und des Instrumentariums. Der Regimentsveterinär soll dem Regimentscommandeur pesonders in folgenden Punkten seinen Rath ertheilen: 1. Gesundheitszustand der Ställe. 2. Gesundheitliche Massnahmen, den Dienst der Pferde betreffend. 3. Gesundheitliche Massnahmen bezüglich der Stall- utensilien, Geschirre, Sättel ete. 4. Ueber Hautpflege, Fuss- und Seebäder vom gesund- 5 6 7

SD 8 80 8 S

heitlichen Standpunkte.

ödten von Pferden, welche dienstunbrauchbar ge-

worden sind.

Obductionen().

Ueber Grünfütterung und gelegentliche Verabreichung

von speciellen Futtersorten.

Japan hat einen sehr grossen Theil seiner Einrich- tungen nach deutschem Muster organisirt nur das Veterinärwesen in der Armee nicht! In keinem Heere der Welt haben die Militärthierärzte einen so niedrigen Rang und einen solchen Entwickelungsgang durchzumachen, wie im Deutschen Reiche. Hoffentlich werden diese Verhältnisse im Deutschen Reich bald besser werden.