15. August.

Lhiermedicinische Rundschau etc.

mit kaltem Wasser eine gesättigte Kochsalzlösung und füllte damit, nachdem sie gut filtrirt war, eine Pravaz'sche Spritze, spritzte sodann je die Hälfte auf jeder Seite der Geschwulst ein und ricb hierauf mit den Fingern die so behandelte Injectionsste)le.

Am folgenden Tage erstreckte sich eine öde- matöse Anschwellung von der Bruchstelle bis zu den Vordergliedmassen. Am dritten Tage hatte das Oedem etwas abgenommen, hatte aber noch ein beträchtliches Volumen. Am fünften Tage batte sie kaum noch eine Ausdehnung von 10 pis 12 em. Nach einigen Tagen fühlte man am Nabel nur noch eine ein Fünffrankenstück preite und sehr harte Geschwulst. Es trat eine vollstän- dige Heilung des Bruches ein.

Ueber ichthyolfirnisse wacht Unna (Monatshefte für Dermatol. 1890) folgende An- gaben: Die wasserlöslichen Firnisse des Ichthyols würden dem Postulate einer energischen Wirkung und möglichster Beizlosigkeit beim Auftragen

und Abwaschen am besten entsprechen, doch

stand ihrer Anwendung bisher deren grosse

Hygroskopieität entgegen. Bisher war die wasser-

anziehende Kraft des Iehthyols nur durch die entgegengesetzten Eigenschaften des Collodiums und der Gelatine zu überwinden, und diese ent-

sprachen nicht vollkommen den obigen Indi-

cationen.

Zusätze von Gummi arabicum, Kleister, Dextrin, Albumin, demnach solchen wasserlöslichen Stoffen, welche wir allgemein zur Herstellung wasser- löslicher Firnisse benützen, konnten die Feuchtig- keit der entstehenden Ichtyoldecke nicht bändigen.

Nach mehrfachen Versuchen gelang es Unna,

einen Firniss herzustellen, welcher den bestehen- den Anforderungen entspricht. Die Zusammen- setzung diesesIchthyolfirnisses ist die folgende:

Ichthyol 40 Theile

Stärke 40

Albuminlösung ea. 1 1 ½

Wasser ad 100 Comit ca. 20 Theile.)

Die Constituentien müssen in folgender Reihen- folge verrieben werden: Zuerst wird die Stärke mit dem kalten Wasser gleichmässig pefeuchtet, dann das Ichthyol mit derselben gut verrieben und endlich die Albuminlösung hinzugemischt.

Versuche, neben diesem sehr concentrirten Siccativ ein schwächeres für gewisse Leiden (Rosacea, Lupus erythem.) darzustellen, scheiter- ten, doch war dieser Uebelstand durch mög- lichst dünnes Auftragen und nachträgliches feuchtes Abwischen zu pariren.

Für die Zwecke der kleinen Chirurgie ver-

wendet Unna noch einen anderen, den sogenannten

Carbolichthyolfirniss von der Zusammensetzung:

259 Ichthyol 25 PTheile Carbolsäure Stärke 50 Wasser 2205

Das Ichthyol mit der Carbolsäure werden in dem Wasser in der Wärme gelöst und zu dieser Lösung wird dann die gleiche Quantität Stärke allmählich hinzugerieben.

Der wasserlösliche Ichthyolfirniss vereinigt alle Vorzüge der übrigen Ichthyolpräparate zur Behandlung umschriebener Hautleiden, ohne deren bisher störend empfundene Figenschaften. Er

ist wirksamer als der Ichthyolleim und trocknet

ebenso rasch und vollständig ein(etwa in 2 Minuten), ohne beim Schwitzen sich wieder zu lösen. Er theile die saubere Application mit dem Ichthyolcollodium, übertreffe dieses Präparat aper in praktischer Beziechung weitaus durch seine leichte Abwaschbarkeit.

üegen Rossigkeit von Stuten. Bei der periodisch auftretenden Rossigkeit leistet Kampfer gute Dienste. 20 g Kampfer werden mit Aether oder Spiritus leicht angefenchtet, fein gepulvert, mit Althäaschleim und Wasser zur Pille geformt und auf 2mal an einem Tage gegeben. Gottes- winter(Göring'sche Wochenschrift) empfiehlt gegen übermässige Rossigkeit Bromnatrium, täg- lich 100 g einige Wochen lang.

2ur Feststellung des Rotzes benutzt Hellmann das von ihm entdeckte Malein. H. stellte wie Koch erst Reinculturen von Rotz- pacillen dar, aus denen er ganz analog wie es peim Tuberculin geschicht, einen Auszug bereitete. Eine Einspritzung von 1 cem Malein ruft bei jedem rotzkranken Pferde gewisse Reactionen hervor: Erhöhung der Körpertemperatur, allge-

mweine Schwäche, Verlust der Fresslust, örtliche

Reaction u. s. w. Die ersten officiellen Versuche

mit Malein sind in den Kasernen des Leibgarde-

Uhlanen-Regiments in Petersburg gemacht worden.

Als Versuchsobject dienten 4 Pferde, darunter ein

gesundes zur Controle.

anerkannt rotzkrankes, zwei verdächtige und ein Jedem Pferde wurde 1 cem Malein eingespritzt. Nach Verlauf von 8 Stunden war die Temperatur bei Pferd 1(rotz. krank) 41 Grad, bei Pferd 2 und 3(verdächtig) 41 Grad und 40,3 Grad, Pferd 4(gesund) keine Reaction. Abnahme des Appetits war pei den drei ersten Pferden auch eingetreten, ebenso auch die örtliche Reaction. Die Seetion ergab bei

sämmtlichen drei Pferden das Vorhandensein von

Rotz. Da das Ergebniss dieser Versuche pei 16 weiteren Pferden bestätigt wurde, so glaubte Hellmann in dem Malein ein sicheres diagnosti- sches Mittel zur Erkennung der Rotzkrankheit

gefunden zu haben. 3 (Monatsschrift d. Vereins österr. Thierärzte No. 4).