258 Thiermedicinische Rundschau etc. 1891. No. 22.

aus. was sich zu erkennen giebt durch ein eigen- thümliches, sonst bei der Narkose fehlendes, an das Röcheln des chloroformirten Menschen er- innerndes Geräusch das durch Schwingungen des Gaumensegels veranlasst wird. und durch deutliche. blasende Bewegungen der Wangenmusculatur.

Der Eintritt der Chloroformwirkung ist in diesen Fällen immer ein verzögerter, er kann ganz ausbleiben, wenn die Maulspalte nicht, am besten vermittelst eines Tuches, geschlossen wird.

Die Erscheinungen der Narkose sind in der Regel typisch und in kurzem folgende: Nach den ersten, meistens tiefen Athemzügen beginnt sofort das Erektionsstadium, sich äussernd in starker Unruhe mit Steigerung der Pulsfrequenz und etwelcher Erweiterung der Pupille. Die Athmung wird oberfächlicher, aussetzend, das Pferd hält den Athem so lange als möglich an, um wenig Chloroformdämpfe einzuziehen, schliesslich macht es doch ein paar, meistens sehr tiefe Athemzüge, der anfänglich gespannte Puls wird weicher, zu- weilen stellt sich Muskelzittern namentlich an den Schultern ein. Das Frektionsstadium schliesst in der Regel ab mit einem eigenthümlich an Lachen erinnernden Wiehern, es tritt Lidschluss ein: Die vollständige Narkose liegt vor. Ich habe, im Gegensat? zu Möller(Monatshefte für Thierheil- kunde, Band I, pag. 459), das Excitationsstadium immer, wenn auch gradatim sehr verschieden, auftreten sehen. Allerdings fehlen jene stürmischen Narkosen, wie sie beim Menschen vielfach ge- schen werden; die einfache Erklärung für diese Thatsache liegt wohl in dem Umstande, dass es bei unsern Patienten keine Potatoren giebt.

Die Zeitdauer, die verfliesst bis zur Erreichung des Zieles, ist eine verschiedene bei den einzelnen Individuen; in der Regel ist die allgemeine Nar- kose nach 6 8 Minuten da, zuweilen erst in doppelt so viel, oder noch längerer Zeit. Der Umstand, dass das Thier durch das Maul athmet, sowie die Qualität des Chloroforms können hier mitwirken.

Ebenso ist die Posis des zur Verwendung

kommenden Präparates verschieden, meistens ge-

nügen 30 50 g, manchmal bedarf es deren 100 und mehr.

Die erste Narkose ist in der Regel eine wenig lang anhaltende, sie kann durch Aufträufeln von Chloroform, was am besten mit einer abschliess- baren Tropfflasche geschieht, nach Willkür ver-

zu erkennen, dass plötzlich Lidöffnung erfolgt und bei Schnittführungen, besonders wenn sie die Haut petreffen, wieder Reaction eintritt. Ich habe vielfach complete Narkosen bei intensivern Eingriffen über zwei Stunden unterhalten.

Es wird auch narkotisirt, wo Operationen an sich nicht schmerzhaft sind, weil die Sicherheit der Ausführung sehr häufig schon durch das Be- streben, sich der Fesseln zu entledigen, oder durch anhaltende Muskelcontraction gefährdet wird. Mit Bezug auf den letztern Punkt sei speciell daran erinnert, dass die, die Kastration des Hengstes unter Umständen sehr erschwerende Contraction der Kremaster ausfällt.

Man thut gut, die Chloroformmaske etwas vor Beendigung einer Operation zu entfernen und das Pferd so lange am Boden liegen zu lassen, bis es den Willen zeigt, sich zu erheben. Schwankender Gang bleibt noch einige Zeit zu- rück, weitere Folgezustände, wie Fehlen des Appetites zeigen sich nie.

Wenn nach der Narkose Respiratioskatarrhe sich entwickeln, so beruht dies darauf, dass Chloroform fehlerhafter Weise in die Nasenhöhle gelangte.

In allen beobachteten Fällen ist nie Tod ein- getreten, nie hat sich die Spur eines nachtheiligen Folgezustandes, der auf Chloroformwirkung hätte zurückgeführt werden können, gezeigt. Dieses günstige Verhältniss ist einestheils wohl darauf zurückzuführen, dass die, den Chloroformtod beim Menschen in der Regel bedingenden Herzfehler beim Pferd kaum gekannt sind, anderntheils bei letzterm der Alkoholgenuss keine Rolle spielt.

Immerhin wird jeder Application der Narkose die Untersuchung des Zirkulationsapparates voraus- gehen, und während des Verlaufes derselben eine wiederholte Pulscontrole geübt werden müssen.

Fs ist daher gegenüber dem Umstand, dass die allgemeine Narkose in der Veterinärchirurgie nur schr ausnahmsweise zur Anwendung gelangt, der Satz aufzustellen:

Wenn wir bei einigermassen bedeut- samen, chirurgischen Verletzungen und Operationen mit Sicherheit eingreifen, eine wirksame Antisepsis ermöglichen und die humane Pflicht der Schmerz- linderung bei unsern Patienten erfüllen wollen, so muss die Application der Chloroformnarkose Allgemeingutsämmt- licher Thierärzte werden.

Practische und therapeutische Nachrichten.

Behandlung des Mabelbruches bei einem Fohlen längert werden. Das Erwachen giebt sich dadurch

mittels Kochsalzinjectionen. Von Lenormand.

([La Presse vétérinaire, No. 1, 1890.)

Lüton rühmte die gute Wirkung der Koch- Salzinjectionen bei Nabelbrüchen.

Fin Fohlen war mit einem hühnereigrossen Nabelbruche behaftet. Lenormand bereitete sich