1. August.

Thiermedicinische Rundschau ete. 247

feuchteter Sublimatgaze bedeckt und fest verbunden. Schon gleich nach den ersten Bädern beobachtet man ein Abschwellen des Fusses, wie auch die oft bestehende Schmerzhaftigkeit auf ein Minimum zurückgeht. Am 3. bis 4. Tage bringe ich dann oben peschriebenen Holzwolleverband an, mit welchem die Thiere bereits wieder zu leichterer Arbeit verwendet werden könnten.

In solchen Fällen nun, in welchen Nekrose der Haut vorhanden ist, verfahre ich gerade so wie vorher, nur dass ich nach jedem Bade die ganze krankhafte Stelle und einige Centimeter äber diese hinaus mit Jodtinktur tüchtig ein- pinseln lasse, und nach Auflegung von ange- feuchteter Sublimatgaze einen Verband mit mässigem Drucke anbringe.

Auch hier ist sofort nach einigen Bädern schon eine bedeutende Besserung zu erkennen, indem das oft bestehende hohe Fieber zurück- geht und die Thiere weniger Schmerzhaftigkeit zeigen, zumal die Fresslust wiederkehrt, aber der Hauptvortheil besteht darin, dass durch ein der- artiges Verfahren dem Ausbreiten des Leidens nicht nur nach der Peripherie, sondern auch in die Tiefe sofort Einhalt geboten wird.

Mittheilungen aus Vereinen und Versammlungen.

Bericht über die am 31. Mai er. Vormittags 10 ½ Uhr zu Greifswald im Auditorium des patho- logisch-anatomischen Instituts daselbst abgehalteve General-Versammlung des Vereins pommerscher Thier- ärzte.

Nach Begrüssung der zahlreich erschienenen Vereins- mitglieder und Gäste durch den Vorsitzenden, Herrn De- partementsthierarzt Ollmann-Greifswald, erklärt derselbe die Sitzung zur festgesetzten Zeit für eröffnet.

Bei einer motorischen Leistung wirkten drei Factoren, führte Redner aus: Die Anregung, vom lobus medialis et paracentralis ausgehend, die Ausführung und der Wille; die Leitung beginne dabei von den psychomotorischen Centren. Betreffs der verschiedenen Störungen der Nerven- thätigkeit handele es sich darum, ob sensible oder moto- rische Nerven die Veranlassung abgäben, wonach man anästhetische oder motorische resp. myopathische Lähmungen

au unterscheiden habe. Nach der besonderen Lage oder

dem Sitze der gestörten Nerventhätigkeit hätte man es mit centralen resp. cerebralen Lähmungen, welche vom Gehirn, und mit spinalen, welche von der Medulla ausgehen, oder mit pheripheren Lähmungen, welche im Verlauf der Nerven ihren Sitz haben, zu thun. Die Lähmungen könnten voll- ständig sein(Paralyse) oder unvollständig(Parese). Gingen die centralen Lähmungen vom Gehirn aus, so seien die Prscheinungen meist einseitige(Hemiplegie), aber die Lähmung Könne hier auch übers Kreuz zur Querlähmung (Paraplegie) führen. Die vom Rückenmark ausgehenden Lähmungen kämen in der Regel in den correspondirenden Muskelbahnen beider Körperseiten(Paraplegie) gewöhnlich in der Hinterhand(Diplegie) zum Ausdruck; einseitige Lähmung der Hinterhand(Monoplegie) deute hier auf peri- pheren Ursprung

Hierauf liess Redner eine nähere Betrachtung der AMetiologie der Lähmungen im Allgemeinen folgen. Als veranlassende Ursache hätte man früher anatomische und functionelle Störungen in Betracht gezogen, heute nähme man an, dass pestimmte pathologischanatomische Verände-

rungen der constituirenden Gewebs-Elemente des Nerven-

Aus Gpportunitäts-Rücksichten, abweichend von der

Tagesordnung, entsprach zuerst Herr Professor Pr. Moeller-

Berlin der an ihn gerichteten Bitte zum Halten des an-

gekündigten Vortrages:Ueber Lähmungen.

Der Redner führte aus, dass die Frage der Lähmungen früher etwas stiefmütterlich behandelt worden und erst in dem letzten Dezennium Näheres darüber bekannt geworden sei; auch wären vordem viele Verwechselungen zwischen gewöhnlichen Lahmheiten und wirklichen Lähmungen vor- gekommen. Während erstere meist nur durch Schmerzen infolge traumatischer Läsionen, oder mechanischer Bewe- gungsstörungen, z B. bei Knochenauflagerungen und Ver- wachsungen der Gelenke veranlasst wurden, lägen allen wirklichen Lähmungen pathologische Veränderungen der constituirenden Gewebs-Elemente der Nerven zu Grunde, wodurch diese sowie auch die Muskeln in ihrer regel- mässigen Gebrauchsfähigkeit gestört wurden.

Bei einer hier angeschlossenen Erklärung der in Be- tracht kommenden anatomisch-physiologischen Verhältnisse, welche noch durch Zeichnung anschaulicher gemacht wurden, besprach der Vortragende die motorischen Centralorgane und Leitungsbahnen des Nervensystems, über deren Thätig- keit man durch physiologische Studien und Experimente am freigelegten Gehirn bei Affen näheren Aufschluss ge- wonnen habe.

gegeben wäre.

Systems vorhanden wären, in Form von Hyperaemie,- morrhagischen Herden, seröser Durchfeuchtung, sulzigen: oder blutigen Ergüssen, Erweichung und Atrophie.

Man habe ätiologisch im Besonderen zu unterscheiden

1. Traumatische Lähmungen, durch mechanische Einwirkung veranlasst, z. B. durch Verletzungen, Quotschungen infolge von Neoplasmen, Extravasaten, Narben, Gewebe und Striktur.

2. Rheumatische Lähmungen, Hautabkühlungen veranlasst.

3. Toxische Lähmungen, durch chemische Reize nach dem Eintritt bestimmter schädlicher Substanzen und mancher medicamentöser Gifte ins Blut; hierher gehöre auch die Bleilähmung des Recurrens.

4. Psychische Lähmungen, welche in Form von

von Paraplegien schon beobachtet wären.

Symptomatische Lähmungen im Verlauf be-

stimmter Krankheiten.

Von all diesen verschiedenen Arten, bemerkt Redner, würden die durch mechanische Läsionen verursachten Lähmungen am häufigsten beobachtet und diese wiederum besonders an den Gliedmassen der Pferde, wo sehr häufig Gelegenheit zu Ueberdehnungen einzelner Nervenstämme, mit nachfolgender Unterbrechung der Leitung derselben Es wurde betont, dass hier speciell der Lähmungseffect immer derselbe sei und man nicht auf die Art der Ursache schliessen könne, ähnlich wie bei Störun- gen im Verlauf einer Telephon-Leitung, wo man auch an deinen Enden eben nur denselben Effect der Unterbrechung wahrnähme. Man wäre also nicht im Stande, aus der Form der Lähmung auf die bestimmte Art der Ursache zu schliessen, wohl aber umgekehrt.

Redner schilderte nun die Symptome der Lähmungen und die infolge derselben in den leidenden Nerven und Muskeln auftretenden krankhaften Veränderungen, erörterte die Beziehungen der Atrophie und Degeneration in den erkrankten Tneilen zu dem Sitz der Lähmung, sowie die

durch plötzliche

S

Bedeutung der schlaffen und spastischen Lähmungen und

das verschiedene Verhalten der Reflexerregbarkeit mit ihren

BRückschlüssen auf die Diagnose und Prognose.