Thiermedicinische Rundschau etc.
1891. No. 21.
ausschliesst. Die Milben, die am ganzen übrigen Körper nicht zu finden waren, fanden sich sehr leicht und regelmässig im äusseren Gehörgange. Die Erfahrung lehrt, dass die Sarcoptiden, wenn in kleiner Zahl vorhanden, geschützte ruhige Wohnplätze lieben und diese vorzugsweise auf- suchen; so wählen sie beim Schweine den äusseren Gebörgang als Sitz ihrer Häuslichkeit und nehmen von dort aus besonders zur Nachtzeit ihre Raub- züge über den thierischen Körper. Fine Rück- kehr zu solch gewohntem Lieblingsplatze nach Befriedigung der Gier liegt immerhin im Be reiche der Möglichkeit. Einen festeren Boden gewinnt diese Annahme noch durch die von Professor Dr. Zürn in dieser Hinsicht gemachten Erfahrungen. Derselbe konnte bei sämmtlichen an Russ untersuchten Thieren die Sarcoptes-Milbe in den Ohren der Kranken nachweisen und zwar in vielen Fällen, in welchen eine gründliche Untersuchung auf Milben am übrigen Thierkörper resultatlos war.
Ob der Russ seine Stellung als selbständiges Leiden unter den Hautkrankheiten unserer Haus- thiere auf die Dauer behaupten kann, möchte ich bezweifeln; nach den im hiesigen Institut ge- machten Erfahrungen ist die Identität mit der Sarcoptes-Räude der Schweine in sämmtlichen Fällen nachgewiesen, wenn gleich stark ent- wickelte Sarcoptesräude bei älteren Schweinen sich ganz anders kennzeichnet, als der Russ bei Ferkeln. Spontane Heilung ist in keinem in der Literatur bekannten Falle eingetreten, die Krank- heit schreitet immer fort und führt schliesslich durch allgemeine Hautdegeneration und unauf⸗- hörliche Beunruhigung der Thiere zu kachek- tischen Zuständen, an welchen dieselben ein- gehen. Mit der Heilung der Räude schwindet auch der Russ.
— Ueber die Behandlung der Kälberruhr werden in der Wochenschr. für Thierh. folgende Mittheilungen gemacht: Distriktsch. Köcken- berger behandelte eine grössere Anzahl von Kälbern, welche mit Parmcatarrh behaftet waren, theils mit Morphium hydrochlorie. 1,5 zu 250,0 Wasser innerhalb 36— 48 Stunden zu geben, theils unter Anwendung der Salicylsäure 15— 20,0 auf 300,0 Weingeist mit bestem Erfolge, wenn die Fälle noch nicht zu alt waren. Distriktsth. Reuter verwendet beim seuchenhaften Kälber- durchfall Creolin in Verbindung mit Opium- Tinktur und Tannin in möglichst hoher Gabe. Bezirksth. Heuberger hatte bei der weissen Ruhr der Kälber von der Anwendung der Sali- cylsäure mit Tannin, zu gleichen Theilen ver- mischt, vorzügliche Erfolge.
— Ueber das Vorkommen von Tetanus- bacillen in den Excrementen gesunder Pferde
haben Sanchez und Veillon(Rec. de midéc. vet. 1890) Versuche angestellt, in welchen sie mit den Excrementen von mit Reinculturen des Tetanus- bacillus gefütterten Ratten, Mäusen, Meerschwein- chen und Kaninchen Tetanus erzeugen konnten, während die genannten Thiere selbst gesund blieben. Auf Grund dieser Versuche gingen sie dazu über, den Koth gesunder Pferde und Rinder auf Tetanusbacillen zu untersuchen. Sie fingen Pferdekothballen im Augenblick der Entleerung in sterilisirten Gefässen auf und brachten eine etwa nussgrosse Menge hiervon Kaninchen in eine Hauttasche am Rücken. Von den so ge- impften Kaninchen starben die einen an Septi- cämie die anderen aber in 5—6 Tagen an deut- lich ausgesprochenem Wundstarrkrampf. Bei der mikroscopischen Untersuchung fand sich im Eiter und Gewebssaft der Impfwunde neben andern Mikroorganismen der Nicolaier'sche Tetanus- bacillus. Durch Ueberimpfen von Fiter aus der Wunde der Kaninchen auf Mäuse, weisse Ratten und Meerschweinchen konnten die Versuchsteller typischen Tetanus übertragen. Bei 8 Impfungen von Kaninchen mit dem Kothe von 6 Pferden bekamen sie 4mal Tetanus. Zwei mit dem Koth einer Kuh geimpfte Kaninchen gingen gleich- falls an Tetanus zu Grunde. Durch diese Ver- suche findet die Behauptung Verneuil's, dass der Tetanus besonders häufig nach Verwundnng von Leuten auftrete, welche mit Pferden zu thun haben, ihre Bestätigung. Rinder und Pferde nehmen mit dem Futter und mit dem auf dem- selben haftenden Staub Tetanussporen in sich auf, ohne selbst zu erkranken, und geben dieselben in virulentem Zustande in ihren Koth eingeschlossen an die Aussenwelt wieder ab, wo sie dann den mit diesen Thieren verkehrenden Menschen ver- derblich werden können.
— Pferdemauke behandelte Imminger (Wochenschr. für Thierh., Nr. 12) in folgender Weise. Leichtere und erst kurz entstandene Entzündungen der Fesselhaut werden mit 1 Proc. Sublimatseife gut gereinigt und desinficirt, von allen aufklebenden Krusten und Borken sorg- fältigst befreit; hierauf nehme ich eine Hand voll Sublimatholzwolle, tauche sie rasch in laues Wasser, bringe selbige auf die entzündete Stelle und lege mittelst einer Mullbinde einen festen Verband an. Der Verband wird, wenn nothwendig, am 3. Tage erneuert, wenn nicht, wird nur noch einige Zeit mit einfacher Binde trocken verbunden.
Ist die Entzündung dagegen schon länger be- stehend und erstrecken sich die krankhaften Ver- änderungen bis in das Unterhautzellgewebe, so werden dem Pferde täglich 2—3 mal 2% 0 Subli- matbäder von ½ stündiger Dauer gemacht, her- nach wird die kranke Stelle mit schwach ange-


