1. August.

Thiermedieinische Rundschau etc.

nur die Krankheiten haben ihre besonderen Loca- Zerstörungen der allgemeinen Decke auf, dass

lisationen und Herde, sondern auch die Medi- camente zeigen in der Art und der Reihen- folge der Localisationen in den Geweben bestimmtespecifiseheEigenthümlichkeiten,

wie wir sie z. B. bei Arsen, Jod, Quecksilber,

Phosphor und besonders auch bei den Bakterien-

giften, die zur Schutzimpfung dienen, nachweisen

können. Manche dieser Stoffe wirken scheinbar

ganz allgemein entzündungserregend, 2. B. Arsen;

aber auch nur scheinbar. Stets lässt sich in der

Reihenfolge der Localisationen das specifische

Moment feststellen und stets sind es dann Mittel,

welche auf weit verbreitete Gewebe wie Binde-

gewebe wirken, die solche Allgemeinwirkungen

auszuüben scheinen.

Eine wirkliche Allgemeinwirkung finden wir aber niemals, sondern stets eine besondere Bevor- zugung einzelner Zellterritorien. Das Binde- gewebe z. B. jedes Organs, Gewebes, Zellterri- toriums muss infolge der innigen Wechselwirkung mit den penachbarten specifischen Zellen seine Besonderheiten gegenüber dem Bindegewebe an- derer Organe haben, die sich zunächst specifisch geltend machen. Erst wenn der BReiz darüber hinausgeht, macht sich der Einfluss auch auf das übrige Bindegewebe gegenüber den anderen diesem Reiz unzugänglichen Zellen geltend und die Entzündung wird eine scheinbar allgemeine. Aber von vornherein ist bei mässigen Gaben auch in diesen Fällen das Locale und Specifische un- verkennbar und bestimmend, und erst grössere Gaben verwischen dieses Moment. In dem Ver- kennen dieses Umstandes und in der Annahme der Nothwendigkeit einer allgemeinen Reizung sämmtlicher Gewebe scheint mir auch der wesent- liche Grund zu liegen, weshalb vor vielen Jahren H. Buchner mit seiner Therapie der Tuberculose durch Arsen Schiffbruch litt, trotzdem er die reactive Entzündung als Heilfactor zuerst würdigte.

(Fortsetzung folgt.)

Practische und therapeutische Nachrichten.

Ueber den Russ der Ferkel Sohnle(Repert. der Thierh., Heft 3) folgendes: Die Thiere, welche hier zur Untersuchung kamen, sind sämmtlich in dem jugendlichen Alter von 14 Tagen bis 4 Wochen. Der Ernährungszu-

Abzehrung, sowie anämisch-kachektische Zu- stände unausbleibliche Folge sein mussten. Die allgemeinen äusseren Befunde decken sich im Grossen und Ganzen mit dem beim Russ der Schweine bekannten Krankheitsbilde. In der Ohrgegend, speciell im äusseren Gehörgange(bei sämmtſichen Thieren), an den Backen, an der Ventralfläche des Halses, der Innenfläche der Schenkel. bei längerer Dauer des Leidens über den ganzen Körper verbreitet, finden sich Bläs- chen und Pusteln, welche an manchen Stellen zu dicken, schwarzen, pechähnlichen Schorfen eingetrocknet sind. Bei Wegnahme der letzteren pleiben theils nässende, theils eiternde Hautstellen zurück. Neben reichlicher Faltenbildung und Verdickung der Haut hat man auf der Ober- fläche derselben die verschiedenen Stadien des Ekzems. Bemerkenswerth ist, dass die Körper- oberfläche sämmtlicher Thiere, ganz besonders aber die kranken Partien mit dunkeln, schwarzen körperlichen Elementen gleichsam übersüt ist, 8o dass die Vergleichung mit Russtheilchen ganz zutreffend erscheint. Unter dem Mikroskope er- geben sich dieselben als Staub, Schmutz und Kohlenpartikelchen, welche mit den durch die Krankheit erzeugten Endzündungsproducten dem Ganzen die schwarze Farbe verleihen.

Der Gedanke, dass das Leiden parasitären Ursprungs sei, musste sich in Rücksicht auf die Massenerkrankung sofort aufdrängen. Das Auf- finden der Krankheitsursache bei den schwer er- krankten und in Folge dessen zu Grunde ge-

gangenen Ferkeln bot auch durchaus keine Schwierigkeit; die die Schweineräude verur- sachende MilbenartSarcoptes squamiferus

zeigte sich in Zahl und Deutlichkeit, welche nichts zu wünschen übrig liess. Anders verhielt es sich mit den leichter erkrankten, geschlachte- ten Thieren, welche den schwarzen, russigen

Ausschlag nur an vereinzelten Körperstellen auf-

berichtet

stand wechselt je nach der Ausbreitung und

Intensität der Erkrankung. Die im Anfangs- stadium des Leidens getödteten Thiere zeigen ausser den charakteristischen Hautveränderungen weder Abmagerung, noch sonstige krankhafte Veränderungen. Die an der Krankheit einge- gangenen Ferkel dagegen weisen so tiefgehende

wiesen. Weder Mühe noch Zeit, welche die vielen verfertigten Präparate beanspruchten, war von Erfolg gekrönt, weder in den Borken und Schuppen, noch in den durch die Haut gelegten Schnitten war die Anwesenheit der Schmarotzer nachzuweisen. Mancher dem Sachverhalte und dem früheren Befunde Fernstehende dürfte in solchem und ähnlichem Falle nach der Erfolg- losigkeit seiner eingehenden Untersuchung die

parasitäre Natur der Krankheit bezweifeln, mancher Räudefall auf diese Weise unter das Kapital des Russes gebracht werden. Doch,

wenn auch ohne Milbe keine Räude und ohne Generatio ex ovo keine Milbe, so ist doch allbe- kannt, dass ein negatives Untersuchungsresultat das Vorhandensein der Räude noch lange nicht