15. November.

Thiermedicinische

Rundschau ete.

Diese Lehre Parwins ist nicht ohne Finfluss auf die landwirthschaftliche Thierzucht geblieben. wenn auch Männer von der Bedentung eines Hermann von Nathusius dieselbe vollständig lengnen, weil,soweit die Beobachtung reiche, eine gewisse Beständigkeit in der Form niemals überschritten worden sei.

Es ist das richtig, es ist z. B. keine züchte- rische Uebergangsform zwischen Schaf und Ziege bekannt, wir wissen aber andererseits mit Dar- win, dass die Racen gewisser erheblicher Ab- änderungen fähig sind, ja, dass man durch Wahl- zucht neue Racen schaffen kann, denen die Fähig-

keit innewohnt. ihre neuen Formen oder Eigen- schaften auf ihre Nachkommen zu vererben, ohne dass sie selbst als constante Race direct aus der

Schöpfung hervorgegangen wären.

So hat der Parwinismus doch eine Bedeutung für die Hausthierzucht, wenn er auch auf der anderen Seite den Hoffnungen der Schwärmer nicht Rechnung trägt; denn immerhin geschieht die Vererbung nach bestimmten und sehr be- gren?ten Gesetzen, die sich durch menschliches

Können und Wollen nicht überschreiten lassen. Im Anschluss hieran sind noch zwei Männer

zu erwähnen, denen die wissenschaftliche Thier- zucht in Deutschland Vieles verdankt: Hermann von Nathusius und Herm. Settegast.

Beide Landwirthe von Fach, ausgerüstet mit reichen naturwissenschaftlichen Kenntnissen und im Besitze langjähriger züchterischer Erfahrung, traten sie in die wissenschaftlich thierzüchterische Bewegung ein, als man die Inzucht für das rationellste Zuchtprincip hielt, so dass man selbst vor der Blutschande nicht zurückschreckte.

Wie weit man hierin ging. beweist die im Jahre 1847 in Berlin tagende Versammlung der Vertreter der Gestüte Preussens, in der man den Satz aussprach:Die Scheu vor der Verwandt-

schaftszucht ist nicht begründet, sie ist nur

abgeleitet aus moralischen Gesichtspunkten peim Menschen.

Im Jahre 1848 wurde dieser Satz mit könig- licher Genehmigung zum Zuchtdogma erhoben und von dem damaligen Leiter PTrakehnens so bethätigt, dass der Hengst Thunderklap z. B. 24 Mal mit seinen Töchtern, und in 84 weiteren Fällen seine Söhne mit seinen Töchtern gepaart wurden.

Im Jahre 1866 wurde dieses Zuchtdogma aufgehoben mit der Motivirung. dass nach den in England gemachten Erfahrungen die Scheu vor der Verwandtschaftszucht nur zu begründet sei.

In dieser Zeit traten Nathusius und Sette-

gast gegen die Verfechter der Inzucht Wecker-

lin und Menzel wirksam zu Felde. so dass auch die ländlichen, namentlich die Schalzüchter,

von dem Wege, der die Widerstandsfähigkeit und Fruchtbarkeit ihrer Heerden völlig zu untergraben drohte, zu ihrem eigenen Nutzen und Frommen zurücktraten.

Auch die Constanztheorie, welche das Auftreten neuer Eigenschaften in irgend einem Nachkommen leugnet und alles Heil von der Reinheit und dem Alter der Race erwartet, bekam durch Settegast einen sehr nachhaltigen Stoss dadurch, dass dieser in seiner Lehre von der Individualpotenz gewissen Individuen die Fähigkeit einräumte, höhere Leistungen als andere unter gleichen Ver- hältnissen gehaltene Thiere hervorzubringen und diese Nutzungsvorzüge auch auf ihre Nachkommen zu vererben.(Fortsetzung folgt.)

Infectionskrankheiten. Ueber bakteriologische Forschung. von Ropert

Koch. Vortrag. gehalten auf dem internat. med. Con-

gress in Berlin(Nach Münch. med. Wochenschr. No. 12.)

Koch beabsichtigt, eine Uebersicht über den gegenwärtigen Stand der pakteriologischen For- schung zu geben. Er erwähnt zunächst, dass die Bakteriologie noch eine sehr junge Wissen- schaft ist, von der noeh vor etwa 15 Jahren kaum mehr bekannt war. als dass bei Milzbrand und bei Recurren? fremdartige Gebilde im Blute auftreten. und dass bei Wundinfectionskrankheiten gelegentlich Vibrionen vorkommen. Doch war der Beweis dafür, dass diese Gebilde die Ursache jener Krankheiten sein könnten, nicht geliefert, ja es war nicht einmal bewiesen, dass es sich um selbständige und für diese Krankheiten speci- fische Wesen handelte. Mit den vorhandenen experimentellen und optischen Hilfsmitteln war auch nicht weiter zu kommen, und es wäre wohl noch geraume Zeit so geblieben, wenn sich nicht gerade damals neue Forschungsmethoden geboten hätten, welche mit einem Schlage ganz andere Verhältnisse herbeiführten und die Wege zu weiterem Eindringen in dieses dunkle Gebiet

eröffneten. Mit Hilfe verbesserter Linsensysteme

und durch Anwendung der Anilinfarben konnten auch die kleinsten Bakterien deutlich sichtbar und von anderen Mikroorganismen unterscheidbar gemacht werden. Ferner wurde durch die An- wendung von flüssigen oder festen Nährsubstraten die Isolirung und Reimüchtung der einzelnen Keime ermöglicht. Mit Hilfe dieser neuen Unter- suchungsmethoden gelang es, eine Anzahl neuer wohlcharakterisirter Arten von pathogenen Mikro- organismen zu entdecken und was besonders wichtig war, auch den ursächlichen Zusammen-

hang zwischen diesen und den zugehörigen Krankheiten nachzuweisen. Pa die aufgefundenen Krankheitserreger sämmtlich zur Gruppe der Bak-

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