Rundschau etc. 1890. No. 4.
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terien gehörten, so musste dies den Anschein erwecken, als ob die eigentlichen Infectionskrank- heiten ausschliesslich durch bestimmte und von einander verschiedene Bakterienarten bedingt seien, und man durfte sich der Hoffnung hingeben., dass auch für die übrigen ansteckenden Krankheiten
die petreffenden Erreger aufgefunden würden.
Diese Erwartungen haben sich indes nicht er- füllt und die weitere Entwicklung der Bakterio- logie hat auch in anderer Beziehung einen un- erwarteten Fortgang genommen.
Es ist gegenwärtig als vollauf bewiesen an- zusehen, dass die Bakterien ebenso wie die höheren pflanzlichen Organismen feste Arten bilden. Die Meinung, dass die Bakterien in einer von allen übrigen lebenden Wesen abweichenden Art wandelbar seien, und verschiedene morphologische und piologische Figenschaften annehmen können oder dass dieselben überhaupt keine selbständigen Organismen seien, vielmehr in den Entwicklungs- kreis von Schimmelpilzen oder niederen Algen gehörten, ferner dass sie Abkömmlinge von thie- rischen Zellen, z. B. von Blutkörperchen seien, alle diese Ansichten sind unhaltbar gegenüber der überwältigenden Zahl von Beobachtungen, welche ausnahmslos dafür sprechen, dass wir es auch hier mit gut charakterisirten Arten zu thun haben. Wenn wir bedenken, dass einige durch Bakterien hervorgerufene Infectionskrankheiten wie Lepra und Phthisis in ihren unverkennbaren Bigenschaften von den ältesten medicinischen Schriftstellern beschrieben werden, so könnte man daraus sogar schliessen, dass die pathogenen Bakterien eher die Neigung haben, ihre Eigen- Schaften innerhalb langer Zeiträume festzuhalten, als sie schnell zu verändern. Wohl können inner- halb gewisser Grenzen Abweichungen von dem gewöhnlichen Typus der Art vorkommen, doch unterscheiden sich die Bakterien in dieser Hin- sicht nicht im Geringsten von den höheren
Pflanzen, bei denen ebenfalls vielfache Aenderungen
anzutreffen sind, die uns höchstens berechtigen, von Varietäten zu sprechen, die Art aber als solche bestehen zu lassen. So kommt es vor, dass unter ungünstigen Prnährungsverhältnissen eine Bakterienart verkümmerte Formen producirt, dass einzelne Figenschaften, wie z. B. die Farb- stoff bildung, die Fähigkeit, im lebenden Thier- körper zu wachsen, gewisse Giftstoffe zu erzeugen, zeitweilig oder auch gänzlich verschwinden können. Papbei handelt es sich aber immer nur um Schwan- kungen innerhalb gewisser Grenzen, so dass man nicht nöthig hat, den Uebergang einer Bakterien- art in eine neue oder eine schon bekannte Art anzunehmen. Da uns aber wegen der geringen Grösse der Bakterien keine durchgreifenden mor- phologischen Kennzeichen zu Gebote stehen, 80
sind wir um so mehr darauf angewiesen, uns bei der Bestimmung der Arten nicht an einzelne Kennzeichen zu halten, sondern wir müssen so viele Eigenschaften als nur irgend möglich ge- wissenhaft sammeln und erst nach dem so ge- wonnenen Gesammtbilde die Art bestimmen. Auf die Nichtbeobachtung dieser Regel sind manche Missverständnisse und Widersprüche zurückzu- führen. Sehr charakteristisch für die Schwierig- keit der Bestimmung einer Art ist der Typhus- pacillus. Findet man denselben in den Mesen- terialdrüsen, in der Milz oder der Leber einer Typhusleiche, so wird wohl niemals ein Zweifel darüber entstehen, dass man es mit dem echten Typhusbacillus zu thun hat, da an diesen Stellen keine anderen Bakterien vorkommen, welche mit ihnen verwechselt werden könnten. Anders aber, wenn es sich um den Nachweis von Typhus- pacillen im Darminhalt, Bodenwasser, Luft handelt. Da finden sich zahlreiche ihnen sehr ähnliche Bacillen, die nur ein sehr geübter Bakteriologe zu unterscheiden vermag. Die in neuerer Zeit wiederholt gemachten Angaben, dass Typhus-
pacillen im Boden, im Leitungswasser, in Nah-
den Tuberkelbacillen erfahren.
rungsmitteln nachgewiesen seien, können daher nur mit berechtigtem Zweifel aufgenommen wer- den. Aehnlich verhält es sich mit den Diph- theriebakterien. Hingegen hat es ein glücklicher Zufall gewollt, dass für einige andere wichtige pathogene Bakterien, wie die Tuberkelbacillen, und die Cholerabakterien von vornherein so sichere Kennzeichen sich darboten, dass sie unter allen Umständen sicher als solche zu erkennen sind. Die grossen Vortheile, welche sich aus der sicheren Diagnose der Krankheitserreger in diesen Fällen ergeben haben, müssen eine dringende Aufforderung sein, immer wieder von Neuem nach ähnlichen sicheren Merkmalen auch für andere wichtige pathogene Bakterien zu suchen. Denn nur dann kann es gelingen, dieselben genau zu studiren und damit feste Grundlagen für eine rationelle Prophylaxe zu gewinnen. Wie vorsichtig man aber in der Beurtheilung der Kennzeichen sein muss, das hat Koch an Als er seine ersten Untersuchungen über die Tuberkelbacillen anstellte, liess er es sich angelegen sein, die Tuberkel- pacillen verschiedener Herkunft nicht nur auf die Reaction gegen Farbstoffe, sondern auch auf ihr Verhalten in Reinculturen und auf ihre pathogenen Figenschaften zu prüfen. Nur bezüglich der Hühnertuberkulose liess sich diese Regel aus Mangel an frischem Material nicht durchführen. Da aber alle übrigen Arten der Tuberkulose identische Bacillen geliefert hatten und die der Höühnertuberkulose in ihrem Aussehen und ihrem Verhalten gegen Anilinfarben damit vollkommen
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