1. November.
PThiermedicinische Rundschau etc.
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und schmerzlich empfunden hatte. Er ist später in die Reihe jener ausgezeichneten Männer eingetreten, welche das von ihren grossen Meistern begonnene Werk fortgesetzt und wesentlich mit dazu beigetragen haben, das Ansehen der deutschen medicinischen Wissenschaft wieder herzu- stellen, welches durch die Verirrungen einer falschen Natur- philosophie im Anfange dieses Jahrhunderts so schwer ge- schädigt worden war.
Unter dem fortgesetzt anregenden Finflusse, welchen damals in Berlin vorzugsweise Johannes Müller und Schoenlein, sowie deren Schüler auf die medicinische Forschung ausübten, schritt Gerlach in seiner Weiterbil- dung so schnell fort, dass er bereits 1849 definitiv als Lehrer an der Königlichen Thierarzneischule in Berlin ange- stellt wurde. Noch viele Jahre hindurch besuchte er den- noch Vorlesungen an der Universität, welche ihn zu wissenschaftlichen Arbeiten immer mehr befähigten und anspornten
Nach dem Tode des älteren Günther erhielt er 1859 einen Ruf als Director an die Königliche Thierarzneischule zu Hannover, welchen er nur unter der Bedingung annahm, dass ihm mit der Directorstelle auch der Titel„Professor“ verliehen wurde. Bis dahin waren an verdiente Lehrer der Hannover'schen Veterinäranstalt die Titel: Hauptlehrer, Inspector, Vicedirector und Director, niemals aber der Titel „Professor“ verliehen worden, da diese Auszeichnung nach der Ansicht der damaligen Staatsregierung von Hannover Thierärzten nicht gebührte.
Gerlach war auch der erste Thierarzt, welcher in Nord-Deutschland den Titel„Medieinalrath“ erhalten hat; derselbe wurde ihm mit Antritt der Veterinär-Assessorstelle beim Medicinaleollegium zu Hannover beigelegt.
1870 folgte er einem Rufe als Pirector der Königlichen Thierarzneischule nach Berlin, bei welcher Gelegenheit er zum„Geheimen Medicinalrath“ ernannt wurde. Auch diese beiden Auszeichnungen waren bis dahin in Preussen noch nie einem Thierarzte zu Theil geworden; unter seinen Standesgenossen war Gerlach der erste preussische Thier- arzneischuldirector und Geheime Medieinalrath.
So durchbrach er zuerst das Bollwerk alter Vorurtheile gegen die Wissenschaft und den Stand der Thierärzte in Nord-Deutschland. Er hat uns den Weg gezeigt, auf wel- chem wir fortschreiten müssen, um der Thiermedicin die- ſenige Stellung zu erringen, welche ihr im Kreise der übrigen Hochschulwissenschaften zukommt.
Mit Erweiterung seiner Kenntnisse und seines Wirkungs- kreises war Gerlach immer mehr zu der Ueberzeugung ge- langt, dass ein den Bedürfnissen entsprechendes, nach wissenschaftlichen Grundsätzen geregeltes Veterinärwesen Anforderungen an die Thierärzte stellt, welche bei einer Halbbildung dieser nicht erfüllt werden können. Da die- selben bei Behandlung ihrer Patienten meist auf die eigenen objectiven Wahrnehmungen angewiesen sind, so bedürfen sie mehr noch als der Menschenarzt, dem die subjectiven Eupfindungen seiner Kranken für die Diagnose mit zur Verfügung stehen, ganz besonders der Fähigkeit, die mo- dernen Untersuchungsmethoden verwerthen zu können Pies ist um so nothwendiger, als der Thierarzt in jedem Einzel- falle den wahrscheinlichen Ausgang einer Qur, die mit der- selben verbundenen Kosten und anderes mehr von vorn herein annähernd übersehen muss, um rechtzeitig ermessen und bestimmen zu können, ob eine Behandlung, oder eine anderweitige Verfügung über den betr. Patienten geboten erscheint.
Die Veterinärwissenschaft hat aber noch andere, nicht minder wichtige Aufgaben zu erfüllen, nämlich der Rechts- pflege bei Währschaftsklagen, der Gesundheitspflege des
Menschen und der Hausthiere, der Thierzucht und selbst der körperlichen und geistigen Volkserziehung zu dienen.
Diesen vielseitigen Anforderungen vermag der Thier- arzt um so vollkommener zu entsprechen, je umfassen-
lage erschienen ist.
der und gründlicher seine humanistischen und medicinischen Kenntnisse sind. Das erfährt man am besten, wenn man längere Zeit hindurch in der Veterinärpraxis selbst thätig ist, und die Verhältnisse näher kennen lernt, welche Ger- lach in seinem 1853 in erster, 1868 in zweiter Auf lage erschienenen klassischen„Lehrbuche der allgemeinen Therapie“ an der Hand seiner reichen eigenen Erfahrungen und im Spiegel seines inzwischen geläuterten und bedeu- tend erweiterten Gesichtskreises mit einer für die damalige Zeit bewundernswerthen Meisterschaft geschildert hat.
Im ersten Abschnitte dieses Werkes ermahnt Gerlach seine Fachgenossen, auszuharren im Kampfe gegen das Vorurtheil, welches zur Zeit noch auf unserem Berufe lastet. Er zeigt, wie dies endlich überwunden werden muss durch unser Auftreten und Handeln. Er erinnert an die That- sache, dass noch im Anfange des 18. Jahrhunderts in Goblenz ein Seharfrichter Hof- und Leibarzt war, dass somit auch die Menschenheilkunde zu gewissen Zeiten weniger hoch- geschätzt wurde, als jetzt. Der Thierarzt habe leider immer noch erst zu zeigen, dass er, wenngleich Thierarzt, den- noch ein gebildeter und achtbarer Mann ist. In unserem socialen und gewerblichen Kampfe empfiehlt er uns als Waffe: Rechtschaffenheit, Pflichttreue, Vermeidung jeder Kriecherei gegen höher stehende, Wohlwollen und Zuvor- kommenheit gegen niedriger stehende Personen, eine mög- lichst schonende Behandlung der Thiere, wissenschaftliches Streben und wahre Collegialität unseren Berufsgenossen gegenüber.— Der zweite Abschnitt des in Rede stehenden Buches enthält eine kritische Besprechung der verschiedenen Heilsysteme und OQurmethoden, an welche sich die Par- stellung der wichtigsten Momente bei der Natur- und Kunst- hilfe anschliesst.
1862 gab Gerlach sein:„Handbuch der gericht- lichen Thierheilkunde“ heraus, das 1872 in 2. Auf- Auch in diesem Werke hat der Autor nicht nur seinem umfassenden und gründlichen Wissen, sondern auch seiner sittlichen Grösse ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Dieses Buch ist sogar noch jetzt un- entbehrlich für jeden practischen Thierarzt, der von der Verantwortlichkeit seines Handelns überhaupt und be- sonders in der forensischen Praxis, durchdrungen ist.
Ausser diesen beiden grösseren Werken hat Gerlach eine Anzahl kleinerer Schriften hinterlassen, von denen ich hier nur folgende nenne:
Krätze und Räude(mit 8 Tafeln Abbildungen), Berlin 1857.
Die Trichinen(mit 6 Tafeln), Hannover 1865.
Die Rinderpest(nach eigenen Untersuchungen etc., mit 6 Tafeln), Hannover 1867.
Die Fleischkost des Menschen vom sanitären und marktpolizeilichen Standpunkte, Berlin 1875.
1868 schuf Gerlach die Jahresberichte der Königl. Thierarzneischule zu Hannover, in deren beiden ersten
Jahrgängen zahlreiche Abhandlungen von ihm selbst ent-
halten sind. Mehr noch hat er im„Magazin für die ge- nannte Thierheilkunde“, sowie in dessen Fortsetzung:„Archiv für wissenschaftliche und practische Thierheilkunde“, das er seit 1874 herausgab, Zeugnisse seines Fleisses und seiner Geschicklichkeit in grosser Zahl hinterlassen. Auch in „Virchow's Archiv“, sowie in anderen Zeitschriften hat er verschiedene werthvolle Arbeiten veröffentlicht.
„Es war eine Eigenthümlichkeit der Publicationen Ger- lach's“, sagt sein Biograph Leisering,„dass sie immer etwas Neues oder Interessantes brachten; selbst die kürzesten und unscheinbarsten Mittheilungen enthielten entweder neue That- sachen, eröffneten neue Gesichtspunkte, oder beseitigen alte Irrthümer.“
Durch sein Lehrbuch der allgemeinen Therapie und sein Handbuch der gerichtlichen Thierheilkunde hat Ger- lach zwei bis dahin wenig bearbeitete Pisciplinen mit einem Male auf die Höhe der dawaligen medicinischen Wissen-
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