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Thiermedicinische
Rundschau etc. 1890. No. 3.
frei ist. Zur Anwendung des Chloroforms ver- wendoete Moeller ein Stück Flanelltuch von 20 qem, auf das in etwa 10 Secunden 10— 20 PTropfen getränfelt werden und mittels dessen durch ein Nasenloch die Inhalation bewirkt wird. Nach einer gleichen Pause(von etwa 10 Secunden) wird die Zuführung des Chloroforms wiederholt. Tritt peim Berühren der Conjunctiva des Auges keine Reaction mehr ein, so hört man mit Zuführung des Chloroforms auf. Tritt vor Ablauf der Ope- ration Reaction wieder ein, so muss von Neuem Chloroform zugeführt werden. Auf diese Weise kann die Narkose ohne Nachtheil 1—2 Stunden ausgeführt werden. Nach der Operation Ssoll man das von den Fesseln befreite Thier so lange liegen lassen, bis es freiwillig sich erhebt.
Tagesgeschichte.
— PDie Gedächtnissrede, welche der Vorsitzende der Centralvertretung, Prof. Dr. Pütz, gelegentlich der Ent- hüllung des Gerlach-Denkmals am 30. Juli d. J. gehalten hat, lassen wir im Nachstehenden im Wortlaut folgen:
Hochgeehrte Versammlung! Werthe Commilitonen!
Edle und erhebende Regungen des menschlichen Ge- müthes, die beseligenden Gefühle der Pankbarkeit, Ver- ehrung und Liebe, haben uns heute hier vereint, um ein Werk der Pietät deutscher Thierärzte zu vollenden. Wir
stehen im Begriffe, diesem Werke die äussere Weihe zu geben, indem wir das noch verschleiert vor uns stehende
Denkwal enthüllen und der Obhut der hiesigen thierärzt- lichen Hochschule übergeben.
In Erledigung des mir bei diesem historischen Acte zugefallenen Auftrages beehre ich mich, Ihnen allen meine hochverehrten Herren, vorerst den herzlichsten Willkommen- gruss des Festcomités zu entbieten. Ihr zahlreiches Er- scheinen zur heutigen Feier bekundet das rege Interesse, welches Sie für die weitere gedeihliche Entwicklung des gesammten Veterinärwesens beseelt, an welcher die Ver- treter des thierärztlichen Standes mit Zuversicht und Aus- dauer arbeiten. Durchdrungen von der Bedeutung der Thiermedicin für die Gesammtheit der Wissenschaften,
gänzen, die erforderlichen Geldsammlungen zu veranstalten und zur Prlangung eines passenden Platzes für die Auf- stellung des Penkmals die geeigneten Schritte zu thun. Bereits in der zweiten Delegirten-Versammlung der thierärztlichen Vereine Preussens(am 17. November 1888) konnte das Cowité mit bestimmten Vorschlägen für dis Ausführung des Projectes auftreten Die Beiträge waren schon damals so reichlich eingegangen, dass die Anferti-
gung einer Vollfigur aus Bronce beschlossen und alle von RNichtthierärzten angebotenen Spenden mit verbindlichstem
Danke abgelehnt wurden. Sämmtliche Geldmittel haben die Thierärzte des deutschen Reiches aufgebracht, mit Aus- nahme von 200 Mark des Vereins schweizerischer Thier- ärzte und von 93 Mark, welche von dänischen Collegen eingesandt worden sind. Da eine vom Bildhauer Panzner in Dresden angefertigte und im Versammlungslokale zu Berlin aufgestellte Gypsbüste Gerlach's allgemein Beifall fand, so beschloss das Comité mit Stimmeneinheit, die Ausführung des Denkmales Herrn Panzner zu übertragen und mit diesem den bezüglichen Vertrag abzuschliessen, was am 20. Januar 1880 dureb den Vorsitzenden ge- schehen ist.
Durch Cabinetserlass am 20. März 1889 hat Seine Majestät Kaiser Wilhelm II. auf Antrag Sr. Excellenz des Herrn Staatsministers Dr. Frh. Lucius von Ball- hausen das bezügliche Gesuch des Comités allergnädigst zu genehmigen geruht, das Denkmal im Vorgarten des Verwaltungsgebäudes der thierärztichen Hochschule zu Berlin aufstellen zu dürfen!
Das Werk steht nun vollendet da und bildet einen würdigen Abschluss des ersten Jahrhunderts, vor welchem hier der Thierheilkunde eine Lehrstätte errichtet worden ist. Dass diese ihre erste Säcularfeier als Hochschule be- gehen kann, verdanken wir zum Theil der gesegneten Wirk- samkeit des Mannes, dem wir heute unsere Huldigung dar- bringen. Die hervorragenden Eigenschaften und Leistungen desselben ausführlicher zu schildern, würde in der mir
hier zu Gebote stehenden Zeit nicht möglich sein Ich werde
mich auf eine kurze Darstellung von Gerlachs Leben be- Schränken, wobei nur diejenigen seiner Thaten und Werke berücksichtigt werden können, welche für das Veterinär- wesen von hervorragender Bedeutung sind.
Andreas Christian Gerlach wurde am 15. Mai 1811 zu Wedderstedt bei Quedlinburg am Harz geboren
und starb als Geheimer Medicinalrath, Professor und Di-
namentlich für die Gesammtmedicin und für die Wohlfahrt
des Volkes, haben die Thierärzte immer mehr das Unge- nügende ihrer Stellung und die Pflicht erkannt, auf die- jenige Höhe sich emporzuarbeiten, von welcher aus sie mit den Vertretern anderer Hochschulwissenschaften einen fruchtbaren Wechselverkehr herzustellen im Stande sind.
Um die gemeinsamen Interessen ihrer Wissenschaft und ihres Standes zu fördern, bildeten die Thierärzte in Deutschland bereits vor 50 Jahren Vereine, welche sich im Paufe der Zeit vermehrt und enger mit einander verbunden haben. So constituirte sich am 1. Februar 1886 hier in Berlin die Centralvertretung der thierärztlichen Vereine Preussens, welche in ihrer ersten Sitzung den Antrag der pommerschen Vereine einstimmig annahm,„dass den deut- schen Thierärzten die Pflicht obliege, das Andenken an den um die Förderung der Veterinärwissenschaft als Lehrer und Forscher hochverdienten Geheimen Medicinalrath Ger- lach durch Frrichtung eines würdigen Denkmals zu ehren.“ Demgemäss wurde der Vorstand genannter Centralvertretung von der Versammlung zum geschäftsführenden Comité er- nannt und dieses ermächtigt, durch Cooptation von Fach- genossen aus anderen deutschen Bundesstaaten sich zu er-
rector der damaligen Thierarzneischule hier in Berlin am 29. August 1877. Die erste Jugendzeit verlebte er bei kinderlosen Anverwandten in Sargstedt, welchen er seine Neigung für den thierärztlichen Beruf frühzeitig und be- harrlich kundgab. Dieselben liessen ihn deshalb die Schule in Halberstadt besuchen und nachdem er dort die vorge- schriebene Vorbildung sich erworben hatte, wurde er am 1. April 1830 als Civil-Eleve der Königlichen Thierarznei- Schule zu Berlin aufgenommen, erhielt am 17. October 1833 die Approbation als Thierarzt, genügte demnach seiner Militärpflicht und liess sich 1837 zu Hettstedt im Manß- felder Gebirgskreise nieder, woselbst er in kurzer Zeit eine grosse Praxis sich erwarb. Im Jahre 1845 wurde ihm die Kreisthierarztstelle zu Halberstadt verlichen, von wo er im Herbst 1846 einem Rufe als Repetitor an die Thierarznei- schule zu Berlin folgte Hier habe ich ihn während meiner Studienzeit von 1846— 1850, also in den ersten Jahren Seines Schaffensdranges nach langjöhriger practischer Thätig- keit, gesehen und bewundert.
Mit rastlosem Eifer benutzte er die ihm gebotene Ge- legenheit, seine Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermehren. Auf seinen hochstrebenden Geist wirkte die damals an der Berliner Universität, sowie an anderen deutschen Hoch- schulen in ihre Rechte wieder eingesetzte exacte Natur- forschung um so mächtiger, als er die Mangelhaftigkeit seiner früheren wissenschaftlichen Ausbildung Klar erkannt


