1. November.

Thiermedicinische Rundschau etc.

31

erklärt. dass zur Zeit für den causalen Zusammen- hang der Brustseuchecoecen mit der Brustseuche der volle Beweis noch nicht erbracht worden ist. Verf. hat nun bei einer Reihe von Fällen des Weiteren die Frage zu lösen gesucht, ob that- süchlich jede Lungenentzündung des Pferdes auf den von Schütz gefundenen Mikroorganismus zu- rückzuführen ist. Es wurden zur Untersuchung Fälle von Lungenbrustfellentzündung gewählt, welche zwar bei der Section einen brustseucheähnlichen Befund zeigten, aber dennoch nichts mit Brust- seuche zu thun hatten.

Auf Grund seiner eingehend vorgenommenen Cultur- und Impfversuche kommt Verf. zu dem Ergebniss, dass die Frage, ob es ausser der Brustsenuche noch andere infectiöse Lungenent- zündungen bei Pferden giebt, das ist Lungen- entzündungen, welche durch andere Mikroorga- nismen pedingt werden, bejaht werden muss.

Fütterungslehre.

Ueber die 6iftigkeit und das Entgiften des

Radensamens. Von Dr. K. B. Lehmann u. Dr. Mori. (Archiv für Hygiene, 1889.)

Die Radensamen enthalten nach der Analyse der Verfasser folgende Bestandtheile(zum Ver- gleich sind Weizen und Bohnen daneben gereiht).

Raden Weizen Bohnen

Proc. Proc. Proc. Eiweiss 14,46 12,42 23,66 Beih 7,09 1,70 1,63 Stärke. 47,87 67,90 49,25 Saponin 6,56 Cellulose 8.,23 2,66 7,47 Asche. 3,97 515 Wasser 11.50

99,68 100 100

Die Radensamen stehen also mit ihrem Eiweiss- gehalt dem Weizen, ihrem Stärkegehalt den Boh- nen nahe und übertreffen beide in ihrem hohen Fettgehalt. Sie wären also ein ausgezeichnetes Kraftfutter wenn sie nicht 6,6 Proc. des ent- schieden giftigen Saponins enthielten.

Hühner, Truthühner, Kanarienvõgel, Tauben, Enten sterben am Genusse von Raden; auch für Hunde, Katzen, Schweine ist es in grösseren Dosen ein gefährliches Gift, während die Nage- thiere es ganz gut ertragen.

Für das Rindvieh ist es in grösseren Posen

ebenfalls schädlich. Saugkälber gingen bei einer

Gabe von 6 7 g BRaden pro kg Lebendgewicht in 18 22 Stunden zu Grunde, während eine Dosis von 4 g pro kg sie nur für einige Tage krank machte. Bei Versuchen von v. Tormay an der Pester Thierarzneischule ertrug ein junges Rind von 222 kg Gewicht 12,5 Proc. Raden in

seiner täglichen Futterration von 6 kg ohne

Schaden, dagegen erkrankte es an Dyspepsie unter Gewichtsabnahme bei einer Gabe von 25 Proc. (7 g Raden pro 1 kg Lebendgewicht pro Tag).

Um die Giftigkeit für den menschlichen Or- ganismus zu prüfen, experimentirten die beiden Forscher an sich selbst, indem sie radenhaltiges Brot assen. Es zeigte sich, dass eine Dosis von 35 g Radenpulver schon eine leichte Vergiftung erzeugt.

Durch Rösten lassen die Raden sich völlig giftfrei machen. Dasselbe geschicht am besten in eisernen Pfannen über einem kleinen Feuer, unter fleissigem Umrühren mit einem hölzernen Löffel. Das so erhaltene Product hat einen leicht aromatischen Geruch und Geschmack nach Röst- produeten, es enthält keine Spur des giftigen Saponins mehr und ist vollkommen ungiftig.

Vom 3. bis 20. December verzehrte der eine der beiden Forscher 100.6 g, der andere 140 g

des gerösteten Pulvers ohne jegliche Wirkung, dabei zweimal hintereinander je 35 g.

Practische und therapeutische Nachrichten.

Ueber die Narkose bei Pferden macht Moeller(Monatshefte für practische Thierheil- kunde) einige Angaben, denen wir folgendes ent- nehmen: Durchschnittlieb wurden 110 g Chloro- form verbraucht, um nach 20 Minuten eine etwa 10 Minuten dauernde Narkose bei Pferden her- peizuführen. Jüngere Thiere(ein- und zwei- jährige Fohlen) wurden in 78 Minuten mit 1520 g Chloroform narkotisirt. Nachtheile hat NVoeller bei 200 von ihm narkotisirten Pferden nicht bemerkt. Verbindet man die Chloroform- narkose mit einer Injection von 0,5 Morphium, so wird zwar die Chloroformnarkose erleichtert, dagegen sieht man oft eine Aufregung der Thiere eintreten. Anwendung von Chloralhydrat und Aether, letzteren per rectum, ersteres intravenös, empfiehlt Moeller auf Grund seiner Versuche eben- falls nicht. Aetherklystiere erzeugten nur eine un- vollständige Narkose. Demnach erscheint nach Moeller die reine Chloroformnarkose am zweck- mässigsten. Bezüglich der Ansführung der Nar- kose ist vor Anwendung derselben zunächst auf Fieber und etwaige Herzfehler zu untersuchen, während der Narkose muss Puls und Athmung stels genau controllirt und bei kleinem und ausst?en- dem Puls wie gestörtem Athmen sogleich aufge- hört werden mit Zuführung des Chloroforms. Während der Einathmung des Chloroforms durch das eine Nasenloch ist darauf zu achten, dass das andere, dem Erdboden näher befindliche stets