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Thiermedicinische Rundschau etc.
1890. No. 3.
wird dieses System nicht bieten können, weil
bei unseren complicirteren geographischen Ver- hältnissen die Ueberwachung viel schwieriger ist als in England, aber immerhin leistet dieses System viel mehr als das ganz unnütze Sperr- system und es vermeidet die gefährlichen Ver-
kehrsbelästigungen des letzteren, welche unser
modernes Verkehrswesen absolut nicht verträgt. Dass zu diesem Ueberwachungssystem und zum Transport nach den Fsolirspitälern auch ent- sprechende Transportmittel, Wagen und Tragen. vorzubereiten sind, versteht sich von selbst. Die Desinfection derselben erfolgt derart, dass die beschmutzten Stellen erst mit feuchten Lappen abgerieben werden, die später gerade wie bei analogen Manipulationen im Krankenzimmer zu behandeln und zu vernichten sind, und demnach mit Infectionslösung, z. B. 3 proc. Carbolsäure, nachgerieben werden.
Leichentransporte bedürfen einer besonderen Genehmigung von Fall zu Fall. schmauss, der in vielen Gegenden eine grosse
System statt derselben ausgebildet werden. Fs verräth eine grosse Leichtgläubigkeit und minde- stens ebenso grosse Unkenntniss der Epidemio- logie, wenn Jemand meint, dass die Sperren in Spanien. die so lange post festum erst in Scene gesetzt wurden, die Ausbreitung der Cholera in diesem Sommer erschwert haben. Ieh glaube, dass die in diesem Sommer in abnormer Anzahl in uuseren nördlichen Meeren herumschwimmen- den Eisberge mit ihrem Einflusse auf unseren diesjährigen kühlen und feuchten Sommer uns mehr genützt haben als die Sperren der heiss- blütigen Spanier. In den für uns günstigen Witterungsverhältnissen mit ihrem Einflusse auf
die miasmatische Seite der Choleraätiologie liegt
wohl allein der Grund, dass die letzten Cholera- invasionen so günstig verlaufen sind.
Die Cholera ist wesentlich eine Bodenkrank- heit, eine miasmatische Infectionskrankheit, und
die Bekämpfung dieser Seite hat Enormes ge-
Der Leichen-
Bolle spielt und schon für viele bis dahin Ge- sunde zur Infectionsquelle wurde, ist zu Epidemie-
zeiten streng zu untersagen. den üblichen prunkvollen Leichenbegängnisse sind
Passelbe gilt überhaupt von Massenanhäufungen von Menschen.
es aus Mildthätigkeit wundersamer Art vielfach geschicht, ist nicht nur zu verbieten, sondern in conereto hart zu bestrafen, weil von Wäsche ge- rade genug Infectionen ausgegangen sind. Das
Verschicken von nicht desinficirter Wäsche nach
ausserhalb an Angehörige von an Cholera Ge- storbenen ist zu untersagen und eventuell zu be- strafen. Der Verkehr mit Hadern bedarf zu Epidemiezeiten einer strengen Controle. Die Ha- dern müssen entweder sicher desinficirt sein oder es muss die Finfuhr aus inficirten Gegenden zeitweilig verboten werden, weil das Trocknen doch nicht jene absoluten Garantien bietet, wie man eine Zeit lang annahm.
Nach erfolgter Einschleppung in Europa ist es eigentlich eine müssige Sache, sich bei dem Nutzen der Seequarantänen aufzuhalten. Die ein- zige Stelle der Welt, wo eine Seequarantäne durchführbar erscheint, ist bei Suez, und dass auch hier der Erfolg niemals eintritt, dafür sorgen schon die englischen Kaufleute ausreichend. Ist aber diese einzig für eine Seequarantäne ge- eignete Stelle passirt, so sind bei den vielen Häfen und Häfchen des Mittelmeeres wirkliche Seequarantänen ebenso nutzlos wie die Land- quarantänen. Auch hier muss das Ueberwachungs-
Die in vielen Gegen- ecanalisiren. einzuschränken und eventuell gan?z zu verbieten.
leistet. Aber diese Massnahmen müssen vor- her durchgeführt sein. Bei Drohen und Herr- schen einer Oholeraepidemie kann man nicht an- fangen, den Boden zu assaniren zu entwässern, die Entfernung der Schmutzstoffe zu regeln, zu Diese Massnahmen erfordern Jahre, um die Höhe ihrer Leistungsfähigkeit zu erreichen. Allein günstige Witterungsverhältnisse können
uns hier nützen, da es als Regel wohl begründet Das Verschenken der Wäsche von Cholera- kranken, ohne vorausgegangene Desinfection, wie
erscheint, dass Bodenkrankheiten vom Charakter der Cholera in trockenen Perioden und bei Ab- nahme der Feuchtigkeit gefährlicher sind als in nassen Perioden und bei Zunahme der Feuchtigkeit.
Von den grossen Assanirungsmassnahmen ist eigentlich allein die Wasserversorgung einem unmittelbaren Eingriffe zugänglich, indem man einen bestimmten infectionsverdächtigen Wasser- bezug sperren kann. Dabei ist aber wohl zu überlegen, dass dann anderweitig für unverdäch- tiges und reichliches Wasser zu sorgen ist, weil Wasser stets und reichlich vorhanden sein muss und infectionsverdächtigem Wasser im Falle der Noth noch immer durch Kochen seine Gefahr ge- nommen werden kann.
Der behördliche Hinweis auf diese Dinge zu Zeiten einer Epidemiegefahr hat jedoch immerhin als Beruhigungsmittel einen gewissen Wert, so lange wir noch im Geiste der Gesundheitspflege in unseren Massnahmen weiter gekommen sind.
Thatsächlich liegen die Verhältnisse so, dass wir bei Drohen und Herrschen einer Cholora- epidemie fast nur anticontagiöse Massnahmen treffen können. Diese berühren aber gerade den minder bedenklichen FTeil der Choleraätiologie und die wenigsten dieser Massnahmen sind specifisch gegen die Cholera gerichtet, sondern die meisten dieser Massnahmen sind derart, dass


