1. November.

Thiermedieinische

Rundschau ete. 27

annimmt. rolle übernehmen oder die Menschen das selbst besorgen, ist gleichgültig. Diese Infectionsmög- lichkeit kann durch richtiges Behandeln, Auf-

bewahren und wiederboltes Aufkochen der Speisen

ausgeschlossen werden und muss es deshalb auch

Ob dabei die Fliegen die Vermittler-

Extreme Contagionisten sind so weit gegangen. dass sie das Baden und Schwimmen in Flüssen

2zu Cholerazeiten untersagt wissen wollen, weil

und dies kann um so leichter geschehen, weil es sich um Massnahmen handelt, die bereits jeder

Köchin und Hausfrau geläufig sein sollten. Von der Milch gilt natürlich dasselbe. Als Getränk dürften sich zu Cholerazeiten besonders, auch

für Gesunde, alkalische Säuerlinge und künst- liches Sodawasser aus destillirtem Wasser em- pfehlen, weil die Kommabacillen der Kohlensäure schlecht widerstehen und hierzu verwerthetes Wasser leichter zu controlliren ist.

Es ist damit

ein Schutz garantirt, den Brunnenwasser nicht

stets zu bieten scheint. Brunnen muss eventuell vorher abgekocht werden. Beachtet man diese Kleinigkeiten, so werden

Wasser verdächtiger

die beliebten Uebertreibungen ganz überflüssig. Ich bin ganz entschieden gegen tiefgreifende Aenderungen eines uns bekommenden Kostregimes

zu Zeiten einer Epidemie. Wem Gurken. Salat und Obst überhaupt gut bekommen, hat gar keinen Grund, diese Genüsse plötzlich ängstlich zu meiden, und bei Obst ist überreifes Obst doch wohl theoretisch als gefährlicher aufzufassen als rohes, vor dessen Genuss stets so ängstlich ge- warnt wird. Jeder wird wohl im Essen und Trinken seine schwache Seite kennen, und diese, individuell so wechselnden Dinge sind zu Zeiten einer Epidemie zu beachten und zu vermeiden und nur vor Unmässigkeit im Essen und Trinken ist Jeder zu warnen.

Fast ebenso schlimm wie Excesse der Be- sitzenden ist Mangel bei den armen Volksklassen, und deshalb ist der Armenpflege eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Eine strenge Lebensmittelcontrole, Markt- hallen und Schlachthäuser, erscheinen vom Stand- punkte der öffentlichen Gesundheitspflege zu Epidemiezeiten doppelt nöthig, und die Cholera- epidemien, die bei uns schon so viele hygienische Massnahmen angeregt haben, werden hoffentlich dazu beitragen, dass das Verständniss für diese Dinge sich auch dort einstellt, wo es bis jetzt noch fehlt. Sache der Aerzte wird es stets sein, in den Orts-Gesundheitsräthen immer und immer wieder auf diese Dinge hinzuweisen. Aber man muss sich darüber klar sein dass solche Mass- nahmen bereits in den Friedenszeiten ge- troffen werden müssen, wenn sie zu Epi- demiezeiten functioniren sollen. Diese letztere Bemerkung gilt auch für die Entfernung von Kehricht und Abfällen, welche bei uns meist sehr viel zu wünschen übrig lässt.

vielleicht so ein Kommabacillus darin schwimmen könnte. Solche Uebertreibungen dienen wesent- lich dazu, auch die berechtigten anticontagiösen Massnahmen lächerlich zu machen und in ihrer Wirkung abzuschwächen. Pas erfrischende Fluss- bad wirkt in Epidemiezeiten ebenso wohlthuend wie sonst und verdient solche Behandlung wohl nicht.

Die Ortsflucht der Gesunden in immune Gegenden mag gelegentlich recht praktisch sein, hat aber doch so vielerlei Nachtheile mit sich, dass man wohl mehr davor warnen als dazu rathen sollte. Bei ihrer Ausführung, die sehr oft schon ein Zeichen eingerissener Kopflosigkeit ist, wird zu oft überschen, dass die wirkliche Verbreitung der Infection schon weiter gediehen sein kann, als man sofort annimmt. Fs kommt bei dieser Möglichkeit des individuellen Schutzes aber noch die Frage der Finschleppung und Ver- breitung des Choleravirus überhaupt in Betracht. Dieselbe kann in sicher controlirbarer Weise er- folgen durch Cholerakranke, in leidlich controlir- barer Weise durch Wäsche und Gepäck von Reisenden. Kaum controlirbar wird dieselbe aber, wenn die Einschleppung mit anderen Uten-

silien aus inficirten Gegenden erfolgt, und die

für sich pald flussauf- bald flussabwärts sich ausbreitenden Keime entziehen sich jeder Con- trole.

Da mehr als 50 Proc. aller Choleraepidemien bei uns nachweislich an Cholerakranke und nicht an in anderer uncontrollirbarer Weise reisende

COholerabakterien sich anschliessen erwächst uns

die Pflicht, alle Fälle von Cholera zu iso- liren, um die Funken zu vernichten, welche sonst eine Explosion herbeiführen könnten. Nicht

jede aber doch manche Fxplosion, manche Cho-

leraepidemie kann so verhütet werden. Hierzu bedarf man der Isolirspitäler oder geeigneter Isolirräume, welche bei Zeiten vorzubereiten sind. Bei stark gehäuftem socialen Elend em- pfiehlt es sich übrigens oft, lieber die noch Ge- sunden zu dislociren und das inficirte Haus als ein Isolirspital zu behandeln. Land-Quarantänen und Sperren nützen bei uns nichts, weil sie überall umgangen werden können und leichte, in Genesung üpbergehende Erkrankungsfälle das Virus ebensogut verbreiten können. wie die zur Beobachtung kommenden schweren Fälle. Es empfichlt sich deshalb. an den Haupteintrittsstellen für Schiffe und Bahnen und in den grossen Verkehrscentren statt wirklicher Sperren ein Ueberwachungssystem einzurichten, welches aber wie in England die Durchbildung der An- zeigepflicht voraussetzt. Finen absoluten Schutz 5*