26

Thiermedicinische Rundschau etc.

fässen zu verhüten. Auch die Bett- und Leib- wäsche des Kranken ist sofort in ein Gefäss mit Wasser zu legen, wenn ihr Wechsel nöthig wird.

Alle diese Massnahmen haben nur den Zweck, ein uncontrolirbares Verstäuben der Infections- erreger vom Kranken, seiner Wäsche, Dejecten aus zu verhindern und nach Möglich- keit die Gontrole in Händen zu behalten. Trennt man so in einfacher, leicht zu begreifender Weise diese, Sofort am Krankenbette vorzunehmenden,

absolut unerlässlichen provisorischen Mass-

nahmen von den definitiven, auf die Vernichtung

der Infectionserreger abzielenden, so kann man bei grösserer Anhäufung von Kranken in Kranken-

hänsern das Personal nach Bedarf eintheilen und 8o viel Zeit gewinnen bei gleichzeitig möglichst grosser Sicherheit für richtige Ausführung.

Die definitiven Massnahmen umfassen die eigentliche Desinfection. Die provisorisch auf- gefangenen Stühle und das Erbrochene werden

seinen

und die Praxis muss es lehren, dass das in die Aborte zu Giessende bereits vorher desin- fieirt sei. Pas ist praktisch durchführbar, also auch anzustreben.

Die in Wasser aufgefangenen Kleider, Bett- wäsche etc. werden zur Desinfection möglichst bald mit Wasser gekocht. Ein Zusatz von Car- bolsäure ist dabei ganz überflüssig. Als Zusatz empfiehlt sich noch am meisten Chlorkalk, welcher gleichzeitig reinigt und ausgezeichnet desinficirt. In Krankenhäusern mit Pesinfectionsapparat sind diese Objecte nicht zu kochen, sondern sofort dem Apparate für heissen Dampf zur Desinfection zu überliefern.

Die zum Aufwischen bestimmten Lappen sind

durch Verbrennen zu vernichten.

Nach erfolgter Genesung oder eingetretenem

Tode ist das Krankenzimmer am besten 14 Tage

nunmehr mit keimtödtenden Lösungen übergossen und das ganze zur innigen Berührung mit einem,

später zu verbrennenden Holzstäbchen umgerührt. Zur Vernichtung genügen 3 procentige Lösungen von reiner Carbolsäure, oder Lösungen 1 procentiger roher, plus 1 procentiger roher Salz- oder Schwefelsäure, oder Chlorkalk plus Salzsäure, oder Kresolcalcium, oder Aetzkalk, und, wenn selbst dieses letztere Mittel nicht zu haben sein sollte, kochendes Wasser. Eventuell kann es in einem Kranken- hause, besonders einem speciellen Cholerahospital Praktischer sein, grosse Behälter mit Desinfections- flüssigkeiten aufzustellen und die Stühle und das Erbrochene hineinzuschütten und die petreffenden Gefässe mit Desinfectionsflüssigkeit nachzuspülen.

erfolgreich wechseln zu können, legt den Wunsch nahe, mit dieser Seite der Frage eingehend befasst, was nicht in ausreichender Weise der Fall sein wird, wenn officielle Desinfectoren mit ihren schematischen Instructionen zu sehr in den Vorder- grund gestellt werden.

Das in die Aborte Aufzunehmende muss im Krankenzimmer bereits desinficirt sein. Die noch vielfach vorgeschriebene Desinfection der Aborte selbst hat als zwecklos zu unter- bleiben. Trotzdem die Cholerabakterien unter Umständen der Fäulniss in Aborten lange wider- stehen können, kann praktisch eine wirkliche Desinfection der Aborte nicht in Betracht kommen. Das dafür ausgegebene Geld ist einfach weg- geworfen. Für die Mehrzahl der Fälle genügt es, daran festzuhalten, dass die Cholerabakterien der Fäulniss in den Aborten nicht widerstehen

von kresolhaltiger Carbolsäure

bei möglichst hoher Temperatur(also ev. unter gleichzeitigem Heizen) zu lüften und dann der Boden mit Seife zu reinigen. Eine weitere Desinfection ist überflüssig.

Das Essen und Trinken bedarf noch einiger Bemerkungen. Wärter und Angehörige des Kranken dürfen niemals im Krankenzimmer etwas geniessen und sie haben sich vor dem Essen

jedesmal die Hände mit Bürste und Seife zu

reinigen und danach mit einem der oben an- gegebenen Mittel oder einer 1 p. M. Sublimat- Kochsalzlösung zu desinfieiren; ebenso muss der Bart öfters gewaschen werden. Viele Fälle von Cholera scheinen derart eingeleitet zu werden, dass auf irgend eine Weise Kommabacillen in den Mund gelangen sich dort vermehren und dann erst verschluckt werden. Deshalb wird

richtige Mundpflege und häufiges Ausspülen der Schon die Möglichkeit, nach concreten Ver- hältnissen mit dem Modus und den Mitteln

Mundhöhle dringende Pflicht. Nach der mecha- nischen Reinigung des Mundes empfehlen sich

hierzu die bekannte Miller'sche Lösung oder

dass der behandelnde Arzt sich

durch salicylsaures Natron in wässerige Lösung gebrachte Kresole. Besonders sollte zu Cholera- zeiten die auch sonst so wünschenswerthe abend- liche Reinigung der Zähne und des Mundes vor dem Schlafengehen nicht unterlassen werden, weil die nächtliche Ruhe einerseits das Einnisten der Cholerabakterien in der Mundhöhle be- günstigt und weil andererseits der Magensaft im nüchternen Zustande, also nach der nächtlichen Ruhe, weniger sauer und selbst schwach alkalisch reagirt, den mit dem Speichel verschluckten Kommabacillen also keinerlei desinficirende Wir- kung entgegenstellt. Soll Essen, welches schon einmal im Krankenzimmer gestanden hat, wieder benutzt werden, so muss es noch einmal auf einem Wasserbade aufgekocht werden. Durch Speisen dürften wohl viel häufiger Infectionen vermittelt werden, als man bis jetzt in der Regel