22 Thiermedicihische Rundschau etc.
1890. No. 2.
sich auf das selbstthätige Aushaken der Latirbäume be- zogen, der Fall zu sein.— Erwähnenswerth in dieser Gruppe sind noch reichhaltige Collectionen von Stallutensilien, verschiedene Ventilationsgegenstände, Baumaterialien für Ställe(Fussböden und Bedachung) etc. Auch die Fabri- kate der Firma Lorentz jun., Bſasebälge, Feldschmieden, Schmiedeherde, sowie ein Modell der von dem Aussteller erbauten und eingerichteten Beschlagschmiede des Garde- PTrain-Bataillons hatten hier Aufstellung gefunden.
Die Abtheilung„Ausrüstung für Zug und Reiter“ liess an Reichhaltigkeit nichts zu wünschen übrig. Sattel, Steigbügel, Geschirre für Luxus- und Arbeitsfuhrwerk, patentirte Stellkummete, Reit- und Zaumzeugspecialitäten, Pferdedecken, Satteldecken, Netze zum Schutz der Pferde gegen Fliegen, Gamaschen und Bandagen für Pferde, Streich- ringe, Reitanzüge für Damen und Herren, Reitstiefeln, Handschuhe ete. waren vertreten und theilweise in ge- schmackvollen Arrangements aufgestellt.
Die Kunst- und Kunstgewerbeabtheilung hatte Oelgemälde, Aquarelle, Federzeichnungen und Holzschnitte,
von Sperling, Anderen auf⸗uweisen. Figuren und Gruppen in Bronee-, Zink- und Eisenguss,
Volkers, Steffeck, Schönbeck und Reichlich war dieselbe auch mit
sowie mit goldenen und silbernen, auf Sport und Jagd be-
züglichen Gegenständen beschickt.
Die wissenschaftliche Abtheilung hatte ihren
Platz in der sogenannten Lesehalle erhalten. Wir nennen aus derselben die reichhaltige Sammlung thierärztlicher Instrumente von Gapelle, die Sammlung von Instrumenten und Pferdescheeren von Koch, und die anatomischen Prä- parate des naturhistorischen Instituts Linnaea. Ausserdem waren hier noch einige auf den Hufbeschlag bezügliche Gegenstände untergebracht, so der Huflederkitt von Rotten, Hufbeschlagspräparate von Kliemehen, Hufeisen und Hförmige Hufeisenstollen(Patent Neuss) von Leon- hardt& Comp.. Strickhufeisen von Siebert, Samm- lung von Musterhufeisen mit Korkeinlagen von Baak, Korkeinlagen für Hufeisen von Borgfeldt ete.— An der Ausstellung von literarischen Erzeugnissen hatten sich Verlagsbuchhändler, Vereine und zum Theil auch einzelne Autoren selbst betheiligt. Wir müssen es uns versagen, auf die Literatur näher einzugehen, können jedoch die wissenschaftliche Abtheilung nicht verlassen, ohne noch Derjenigen zu gedenken, welche hier ebenfalls ihren Platz aufgeschlagen hatten, nämlich der Aussteller von Thier- heilmitteln. Es waren 8 Firmen vertreten, welche die verschiedensten, bei allen möglichen und unmöglichen Thierkrankheiten„sicher wirkenden“ Mittel ausgestellt hatten. Der Handel mit Geheimmitteln scheint sonach
immer noch sehr schwunghaft betrieben zu werden; um
so mehr ist es anzuerkennen, dass das Preisrichtercollegium sich gegen diese Ausstellungsgegenstände ablehnend ver- halten hat.
In besonderen Räumen der Haupthalle waren die Aus- stellungen der thierärztlichen Hochschulen Berlin und Hannover, sowie des Militär-Veterinärwesens untergebracht. Nach dem Urtheile des Preisrichtercollegiums waren dieselben über alles Lob erhaben. Die thierärzt- lichen Hochschulen hatten in einem gemeinschaftlichen Raume Sammlungen von Hufeisen und beschlagenen Hufen, Kieferabschnitte zur Veranschaulichung der Altersstufen des Pferdes, sowie 3 Skelette von berühmten Pferden (Condé, Trompeter, Soll und Haben) ausgestellt. Allge- meines Interesse erregte eine Sammlung von Darm-, Blasen- und Nierensteinen, wie wir sie in ähnlicher Weise noch nicht geschen haben; ebenso eine Anzahl durch patho- logische Processe veränderter Knochen. Weiter sind zu erwähnen verschiedene Spirituspräparate(Nasenscheidewand eines rotzkranken Pferdes, Wurmaneurysma), Präparate aus der normalen Anatomie(Bänder und Blutgefässe), die
wichtigsten Entozoen des Pferdes und ein kindskopfgrosses Wurmaneurysma(getrocknet).
Bei der Ausstellung des Militär-Veterinärwesens war das Gebiet des Hufbeschlages durch reichhaltige Samm- lungen vertreten. Die diesbezüglichen Gegenstände waren in 4 Spinden in der nachstehenden Reihenfolge unter- gebracht:
I. Hufeisen.
a) Hufeisen in historischer Entwickelungsreihe: Alte Zeit, Nr. 1— 13(des Catalogs). Mittelalter, 14— 32.
Neuere Zeit, 33— 63. b) Hufeisen, welche gegenwärtig im Gebrauch sind, 64—97.
c) Hufeisen mit Einlagen, 98— 131.
d) Hufeisen mit Schärfvorrichtungen, 132— 170.
e) Fabrikhufeisen:
Aus Schmiedeeisen, 171— 181. Aus getempertem Guss, 182— 188.
f) Hufeisen aus Phosphorbronce, 189.
II. Beschlagene Hufe:
a) Verschiedene Beschlagmethoden, 190— 199.
b) Beschlagarten der Militär-Lehrschmiede:
1. Gesunde Hufe, 200— 249. 2. Kranke Hufe, 250— 278.
III. Hufformen
a) Vor der Geburt, 279— 282.
b) Nach der Geburt, 283— 300.
c) Durch unzweckmässigen Beschlag und schlechte
Pflege verkrüppelte Hufe, 301— 311.
W. Collection von Schmiede- und Beschlags-
werkzeugen, 312.
V. Präparate zum Hufbeschlagsunterricht.
Weiter waren ausgestellt die Modelle eines Pferde- krankenstalles und eines Nothstalles(zum Beschlagen böser Pferde), eine Colleetion von Pferdegebissen, ein Pferde- arzneikasten, eine Collection der gebräuchlichsten ross- ärztlichen Instrumente(gefertigt von der Firma Hauptner), der Dominik'sche Apparat zur Demonstration des Huf⸗ mechanismus und einige statistische Tafeln über die Ver- breitung der Brustseuche und der Kolik unter den König- lichen Dienstpferden der Armee.
In einem flachen Schaukasten waren in Schalen mit Agar resp. Kartoffelbrei verschiedene Schimmelpilze, hauptsächlich Aspergillus- und Mucorarten, der Pilz des Favus und des Herpes, Oidium lactis, sowie einige auf Kartoffeln charakteristisch wachsende Bacterienarten, Rotz- bacillen, Typhusbacillen, Kartoffelbacillen, ausgestellt. Zwei grössere Plattenschalen mit Nähragar, von denen die eine mit einem PTropfen frischen, die andere mit einem Tropfen abgestandenen Leitungswassers beschickt war, zeigten den grossen Unterschied in der Zahl der entwickelten Oolonien.
Gleich auffällig verschieden in der Menge der aufgegangenen Colonien waren zwei Plattenschalen, deren eine vor, deren
andere kurz nach dem Auflockern der Matratzenstreu einige Minuten der Luft ausgesetzt war.
Eine mit miniwalen Partikelchen Pferdedung besäete Schale veranschaulichte den colossalen Gehalt der Matratzen- streu an entwickelungsfähigen Keimen.— Auf2 Reagens- gestellen waren übersichtlich geordnet, theils in Gelatine, theils auf schräg erstarrtem Agar gezüchtet, alle bekannten pathogenen Bacterien von den Hausthieren und die wich- tigsten vom Menschen. Es waren vertreten die Gruppe der Streptococcen, die Gruppe der verwandten Bacillen der Hühnercholera, Schweineseuche u. s. w., die Eitererreger bei Mensch und Pferd, die specifischen Erreger des Milz- brandes, Tetanus, Rauschbrandes, malignen Oedems, Rotzes, Rothlaufs, der Diphtherie, Cholera, Tuberculose.
Eine Sammlung Farbstoff producirender Bacterien und Hefearten der Milch, der Luft und des Wassers verlieh der Sammlung noch einen besonderen, auch den nicht Ein-


