15. Oetober.

Phiermedicinische Rundschau ete. 21

erkannten Preise zum Ausdruck, gegen 85,00 Proc. der ausgestellten Pferde sind prämiirt worden, von denen cirea 37,00 Proc. allein auf den 1. Preis entfallen. Die bei den minderwerthigen ostpreussischen Pferden vielfach vorhan- denen Mängel an den Gliedmassen, wie zu grosse Feinheit und unregelmässige Stellung derselben, machten sich bei

keinem der ausgestellten Thiere in auffälliger Weise be-

merkbar. Der Umstand indess, dass von ostpreussischen Züchtern oldenburgisches Zuchtmaterial angekauft worden ist, deutet darauf hin, dass in den betheiligten Kreisen das Bedürfniss nach einem massigeren Bau der Gliedmassen beim ostpreussischen Pferde thatsächlich vorhanden ist. Nächst Ostpreussen hatte Schleswig-Holstein das stärkste Contingent zur Ausstellung geliefert Das Zucht- ziel dieser schon von der Matur zur Pferdezucht prädesti-

nirten Provinz ist in der Hauptsache die Produetion eines

edlen Halbblutpferdes, das vermöge seines starken Knochen- baues und seiner hohen, geräumigen Gänge als Wagenpferd, gleichzeitig aber auch als schweres Reitpferd Verwendung ündet. Angestrebt ist dieses Ziel durch die Kreuzung vom englischen Vollblut mit den einheimischen Stuten. In wie weit diese Aufgabe von den Schleswig-Holsteinschen Züch- tern erreicht worden ist, lehrte das ausgestellte, von allen Pferdekennern günstig beurtheilte Material. Obgleich unter demselben noch mehrfach eckige Formen bewerkt wurden, auch die Bemuskelung oberhalb der Gelenke nicht durch- weg derjenigen des ostpreussischen Pferdes gleich zu stellen war, so zeigte diese Collection doch im Ganzen einen un- geahnten Aufschwung der Pferdezucht dieser Provinz in den leteten zehn Jahren. Verharrt Schleswig-Holstein weiter auf diesem betretenen Wege, dann steht zu erwarten, dass in abschbarer Zeit die Zucht dieses Landes mit den ersten Pferdezuchten Peutschlands wird coneurriren können.

Der Norden von Schleswig-Holstein, speciell Schles- wig, hatte Exemplare des dort vorwiegend cultivirten kalt-

blütigen, schweren Arbeitsschlages ausgestellt, der aus der

Kreuzung der einheimischen Stuten mit jütischen Hengsten hervorgegangen ist und im Wesentlichen eine fast reine, aber mehr veredelte dänische Rasse darstellt. Mehrere von diesen Pferden erhielten den ersten Preis.

Die altberühmte Pferdezucht Hannovers, die ihren Ruf der zuerst und consequent durchgeführten Kreu- zung mit englischem Zuchtmaterial verdankt, befindet sich nach dem Urtheile vieler Sachverständigen nicht mehr auf der Höhe von ehedem. Die auf der Ausstellung vertretenen Exemplare, grösstentheils schwerere Wagen- und Reitpferde, liessen, was Schönheit der Formen anbelangt, meist kaum zu wünschen übrig. Dagegen wurde namentlich bei den in Ostfriesland ge?ogenen Pferden die geringe Trockenheit

der Beine getadelt. Mehr oder weniger zeigten die Thiere eine schwammige, nicht scharf contourirte Beschaffenheit

der unteren Gliedmassenpartie, die im Gegensatz zu den schönen Körperformen nicht angenehm berührte. Trotzdem hat Hannover einen hohen Procentsatz von Prämien davon- getragen.

Die alte und früher ebenfalls hochstehende Pferde- zucht Mecklenburgs war durch 43 Pferde vertreten. Die ausgestellten Pferde gehörten meist dem schweren Reit- und Wagenschlag an. Wenn unter denselben auch recht gute Thiere vorhanden waren, machten sie doch den Fin- druck, als ob Mecklenburg eine conforme Rasse nicht mehr züchtet. Jedenfalls hat, wenn die mecklenburgische Landes- zucht durch diese Collection wirklich repräsentirt wurde, dieselbe nennenswerthe Fortschritte in der letzten Zeit nicht aufzuweisen. Einige der Pferde zeigten einen verhältniss- mässig schwachen Knochenbau. Der Mangel an Gleich- mässigkeit im Exterieur ist zweifellos auf die Einführung hannöverscher und holsteinischer Stuten zurückzuführen. Von allen Kennern wurde eine Auffrischung mit Vollblut für nöthig erachtet, wenn die mecklenburgische Pferdezucht ihren früheren Stand wieder erreichen soll.

Schärfer ausgesprochene Rassencharaktere zeigt dagegen

das Oldenburger Pferd. Die kräftigen und schönen Pferdegebäude bestechen das Auge unwillkürlich und lassen dieselben als schweren Wagenschlag sehr geeignet er- scheinen. Die Bewegung entspricht indess nicht den Erwartungen. Der Gang ist verhältnissmässig wenig ge- räumig, der Trab mit hoher Action. Die ganze Bewegung erscheint im Vergleiche zu der des ostpreussischen Pferdes plump. Im Uebrigen sind die meist starken Beine nicht ganz tadellos. Wie beim ostfriesländischen Pferde sind sie durchweg etwas schwammig, ferner waren einige Pferde etwas lang gefesselt und andere unter dem Knie schlecht angesetzt. Um die Mängel des oldenburgischen Pferdes auszugleichen, ist von Oldenburger Züchtern ostpreussisches Zuchtmaterial angekauft worden.

Die von den auf dem Gebiete der Pferdezucht nicht gerade hervorragenden Provinzen, wie Brandenburg, West- preussen, Posen, Pommern, ausgestellten Halbblutpferde ſieferten immerhin den Beweis, dass auch in diesen Landes- theilen die Kenntniss rationeller Züchtungsprincipien in immer breitere Schichten der Landbevölkerung eindringt. Die ausgestellten Exemplare berechtigen zu der Hoffnung, dass auch hier in nicht zu ferner Zeit ein weiterer Auf⸗ schwung der Pferdezucht zu erwarten steht.

Von den kaltblütigen, ausschliesslich zu Arbeits- und Industriezwecken gezüchteten Schlägen hat in erster Linie Bayern 45 Pferde ausgestellt. Dieselben repräsentiren den Schwereren und leichteren Arbeitsschlag der bayerischen Zuchtrichtung. Den ersteren bildet das zwar unschöne, aber arbeitstüchtige Pinzgauer Pferd, der leichte Arbeits- schlag erinnert hinsichtlich seiner Formen etwas an das Oldenburger Pferd, mit dessen Blute es vielfach durchkreuzt ist. Eine verhältnissmässig grosse Anzahl von Prämien bringt die Güte des bayerischen Pferdematerials zum Aus- druck.

Weiter war an schwereren Arbeitsschlägen Rhein- preussen, Westfalen, Hessen-Nassau, Sachsen und die von der schlesischen Clydesdale-Stutbuch-Gesellschaft ausge- stellte, interessante Collection vertreten, die im Allgemeinen durch ihre massigen Formen imponirten und dadurch auch das Interesse des nicht sachverständigen Publikums er weckten.

Die Abtheilung für Gebrauchszwecke umfasste die grösstentheils von den Pferdehändlern zum Verkauf aus- gestellten Pferde. Meist waren es Wagen- und Reitpferde, die aus Hannover, Holstein, Ostpreussen, Mecklenburg, Ungarn, Russland und England herstammten. Im Allge-

mefnen hatten sich die verschiedenen Firmen bemüht, das Beste, was als Handelswaare aufzutreiben war, vorzustellen.

Auch die todte Ausstellung war reichlich beschickt. Pieselbe war in die nachstehenden Abtheilungen getheilt⸗ Stalleinrichtungen; Ausrüstung für Zug und Beiter; Kunst und Kunstgewerbe; wissenschaftliche Abtheilung; Fuhr- werke; Futtermittel, Streumaterial etc.

Ausgezeichnetes in Stalleinrichtungen hatten die Firmen Jacob Ravens Söhne, sowie A. Benver, Lade- mann, Herbertz etc. geleistet. Es waren sowohl Mo- delle von Ställen, als auch einzelne Stände und Boxen, von den einfachsten bis zu den mit dem grössten Luxus ausgestatteten, in natürlicher Grösse und Bauart aufgestellt. Als Pflasterungsmaterial für die Ställe sahen wir fast durch- weg glatte, auf hohe Kante gestellte und in Cement ge- fügte Klinker, während die Stallgassen mit gerippten Klin- kern belegt waren. Wir konnten uns auch überzeugen, dass die Kaufen mehr und mehr verschwinden; und dass man es vorzieht, das Rauhfutter den Pferden in den Krippen oder in besonderen, neben denselben angebrachten Behältern anzubieten. Sehr' mannigfach waren die Vorrichtungen zum Anpinden der Pferde, jedoch dürften verschiedene für den gewöhnlichen Gebrauch zu complicirt sein. Dasselbe schien uns auch bei einigen neueren Prfindungen, welche

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