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Thiermedieinische Rundschau ete.
1890. No. 2.
gut, meist unter Bildung eines trockenen Schorfs. Auch leiden dabei die Patienten viel weniger als pei anderen sonst üblichen Behandlungs- methoden.
Kleine Mittheilungen.
— Ueber die erste deutsche Pferde-Ausstellung, welche in der Zeit vom 12.— 22. Juni d. J. in Berlin statt- fand, pringt die Zeitschrift für Veterinärkunde im vierten
Harzburg 6 Stuten. Hieran schlossen sich die Musteraus- stellungen des Königlich Preussischen Kriegsministeriums von Armeepferden für die verschiedenen Waffengattungen. Weiter folgten die Collectiv-Ausstellungen der verschiedenen landwirthschaftlichen und Pferdezucht-Vereine, z. B. der
landwirthschaftliche OCentralverein für Littauen und Ma-
Hefte einen Bericht, den wir seines interessanten Inhaltes
wegen auch an dieser Stelle wiedergeben:
Unter dem Protectorate Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Leopold von Preussen fand vom 12. bis 22. Juni d. J. in Berlin die Erste Allgemeine Deutsche Pferde-Ausstellung statt, deren Zweck, ein Bild der
suren in Verbindurg mit dem ostpreussischen landwirth- schaftlichen Centralverein zu Königsberg mit insgesammt 174 Zuchtpferden, die Collection des Schleswig-Holsteinschen landwirthschaftlichen Generalvereins mit 137 Zuchtpferden, des Vereins zur Förderung des Hannover'schen Landespferde- zucht und des landwirtRschaftlichen Hauptvereins für Ost- friesland mit 59 Zuchtpferden, des Vereins zur Förderung der Pferdezucht in Bayern mit 45 Zuchtpferden, des Mecklen- burgischen patriotischen Vereins mit 34 Zuchtpferden, des
landwirthschaftlichen Provinzialvereins für die Mark Branden-
gesammten Production der deutschen Pferdezucht zu geben
nach dem Urtheil aller Sachverständigen in einer so um-
umfangreichen Weise erreicht worden ist, wie dies bisher Re wirthschaftlichen Centralvereins des Herzogthums Braun-
noch bei keiner ähnlichen Ausstellung der Fall gewesen.
Im Ganzen waren gegen 1000 Pferde ausgestellt wor- den. Ausserdem nahmen an den ausserordentlichen Reit- und Fahrconcurrenzen noch etwa 500 Pferde theil, welche nicht auf dem Ausstellungsplatz ausgestellt waren, so dass also über 2000 Pferde zur Vorführung gelangten. Das ge- sammte ausgestellte Pferdematerial war in die Abtheilung für Zuchtpferde und in die Abtheilung für Gebrauchspferde geschieden,
Für die Unterkunft der ausgestellten Pferde war in jeder Beziehung auf das Beste gesorgt. Theils waren die- selben in den 2u Stallungen hergerichteten Bogen der Stadt- bahn, theils in besonders zu diesem Zwecke erpauten Bretter- ställen untergebracht. Sämmtliche Stallräume entsprachen im grossen Ganzen den hygienischen Anforderungen, so- weit dies für die vorliegenden Zwecke überhaupt erreichbar war. Die von der Königl. Preuss. Gestütsverwaltung und den deutschen Landgestüten ausgestellten Hengste und Stuten waren in Ställen mit Boxen aufgestellt, wodurch eine Berührung der Thiere unter sich und mit anderen Ausstellungspferden verhindert und doch eine Besichtigung der Pferde im Stalle ermöglicht wurde. Für die Mutter- stuten mit ihren Füllen waren ebenfalls Laufställe errichtet, die sich in den Ställen der betreffenden Collection neben den gewöhnlichen Standräumen befanden. Ein grosser Theil der Ställe war mit Torfstreuunterlage und mit Ma- tratzenstreu, ein Theil nur mit Matratzenstreu versehen.
Das Hauptinteresse aller Sachkenner erregte natur- gemäss die Abtheilung für Zuchtpferde, auf welche allein rund 1000 von den ausgestellten Pferden entfielen. Nach den verschiedenen Provinzen und Landestheilen gesondert, gestattete sie bei der Reichhaltigkeit des Materials einen vollständigen Ueberblick über den Stand der Pferdezucht in Deutschland und brachte die Charaktere der für die verschiedenen Gebrauchszwecke gezüchteten Pferdeschläge prägnannt zum Ausdruck. Vertreten war in dieser Ab- theilung in erster Linie die Königl. Preuss. Gestütsverwal- tung mit 34 Hengsten und 8 Stuten. Pavon hatten aus- gestellt: die Königlichen Hauptgestüte Beberbeck 4 Hengste und 4 Stuten, Graditz 8 Hengste, Trahehnen 4 dreijährige Hengste, 4 vierjährige Stuten und 6 Landbeschäler, die ost- preussischen Landgestüte 6 Landbeschäler der ostpreussi- schen Privatzucht, Celle 6 Landbeschäler der Hannoverschen Privatzucht. Ferner das Kaiserliche Landgestüt für Elsass- Lothringen in Strassburg 8 Hengste, das Königlich Baye- rische Landgestüt 7 Hengste, das Königlich Württember- gische Hauptgestüt Marbach und das Königlich Württem- bergische Landgestüt 7 Hengste und 4 Stuten, das Gross- herzoglich Sächsische Hofgestüt Allstedt 1 Hengst und 8 Stuten, das Herzoglich Braunschweigische Hofgestüt
burg und Nieder-Lausitz mit 22 Zuchtpferden, des landwirth- schaftlichen Vereins für Rheinpreussen mit 22 Zuchtpferden, des Centralvereins westpreussischer Landwirthe mit 20 Zucht- pferden, des landwirthschaftlichen Centralvereins für den Regierungsbezirk Cassel mit 15 Zuchtpferden, des land-
schweig mit 12 Zuchtpferden, des landwirthschaftlichen Hauptvereins für den Begierungsbezirk Münster in West- falen und der Landesculturgesellschaft für den Regierungs- bezirk Arnsberg mit 10 Zuchtpferden, der schlesischen Clydes- dale-Stutbuch-Gesellschaft mit 10 Zuchtpferden, des land- wirthschaftlichen Provinzialvereins für Posen mit 10 Zucht- pferden. Neben diesen Collectiv-Ausstellungen waren Exemplare der verschiedensten Pferdeschläge durch eine grosse Anzahl von Einzel-Ausstellern aus allen Provinzen und deutschen Landestheilen vertreten.
Was nun das ausgestellte Zuchtmaterial selbst anbe- langt, so wurden durch dasselbe, abgesehen von den wenigen, im Uebrigen aber recht guten Exemplaren der deutschen Vollblutzucht, vorzugsweise die beiden Hauptzuchtrichtungen Deutschlands, nämſich die Produetion eines edlen Halb- blutpferdes für Kriegszwecke, das nach seiner grösseren oder geringeren Schwere auch als Luxuspferd zu verwenden ist, und eines veredelten kaltblütigen Pferdes für Arbeits- und Industriezwecke, repräsentiert. Die erstere Zuchtrich- tung besteht vorwiegend schon seit längerer Zeit in der Provinz Ostpreussen, die nach dem Urtheil der Preis- richter auch unzweifelhaft an der Spitze der deutschen Pferdezucht steht. Durch eine zielbewusste Züchtung wurde hier unter fortgesetzter Fürsorge das rühmlichst bekannte, zur constanten Rasse erhobene ostpreussische Pferd ge- schaffen, welches, ursprünglich vom Trakehner ausgehend, jetzt in geringerer oder besserer Qualität in ganz Ostpreussen sich vorfindet. Dasselbe besticht in seinen besseren Exem- plaren nicht allein durch den Adel und die Schönheit seiner Formen, sondern auch durch die Correctheit seiner Points. Hauptsächlich zeichnet sich das Trakehner bezw. ostpreussische Pferd neben seinen sonstigen Eigenschaften, wie Zähigkeit, Schnelligkeit und Genügsamkeit, durch die Tiefe der Brust und die schöne Wölbung der Rippen, sowie durch die Bildung der Knochen und Gelenke aus. Diese Eigenschaften geben, in Verbindung mit der vorzüglichen Bemuskelung oberhalb der Gelenke und der Trockenheit der Schienbeine bezw. Gelenke, dem ostpreussischen Pferde ein ganz bestimmtes Gepräge, wodurch es sich von allen anderen Pferden vortheilhaft unterschied. Hervorragend und von keiner inländischen Zucht erreicht(mit Ausnahme des Vollbluts) zeigte sich bei den ausgestellten ostpreussi- schen Pferden die Bewegung. Dieselbe ist leicht, elegant, ungezwungen, gewissermassen schwebend und bei vorneh- mer Körperhaltung durchweg ausserordentlich geräumig, 8o dass die meisten Pferde schon durch die Bewegung als ostpreussische sich kenntlich n pten. Der hohe Stand der ostpreussischen Pferdezucht kommt auch durch die zu-


