15. Oetober.
Thiermedicinische Rundschau ete. 19
Fistelcanal zunächst gelegenen und auch ent-
fernteren Knorpelmassen ohne grosse Schwierig-
keiten zu entfernen. Dass bei dieser Procedur zuweilen auch noch gesunder Knorpel mit fort-
genommen wird, ist nicht immer zu vermeiden.
Hieser Uebelstand ist jedoch für die Heilung selbst nicht nur ohne jede Bedeutung, sondern geradezu vortheilhaft, weil ja diese meist erst nach gänzlicher Zerstörung und Beseitigung des Knorpels erfolgt. Nach dem Auskratzen injicire
ich in der Regel eine 8procentige Lösung von
Zincum chloratum und verhindere die Verenge-
rung resp. den vorzeitigen Verschluss des Canals
durch Einlegen eines Wergtampons, der mit einem AKetzpulver(Cupr. sulf.) vorher betupft ist. Mit dem Tamponiren des Fisteleanals verfolge ich
noch einen anderen Zweck. Zunächst wird der
Abfluss des Eiters, der nach dem chirurgischen Eingriff in grösserer Menge erfolgt, behindert. Diese zeitweise Verzögerung des Fiterabflusses scheint aber dem Vorwärtsschreiten des Processes am Hufknorpel selbst nur förderlich zu sein und die Necrotisirung weiterer Knorpelmassen ge- wissermassen zu peschleunigen. Schon in kurzer
Zeit bildete sich mehrere Male neben dem alten Janale eine neue Fistel als Ausdruck des Fort-
Schreitens des Processes. In diesem Falle ver-
pand ich beide Canäle durch einen Schnitt, der
das Auslöffeln der Knorpelmassen erheblich er- ſeichterte. Nach 3— 4 Tagen wiederhole ich das Auskratzen und fahre damit so lange fort, bis kein Eiter aus dem Fistelgange mehr abfliesst. Die vorhin erwähnten antiseptischen Breiumschläge beschleunigen den Heilungsprocess ungemein, wenn sie consequent weiter applicirt werden können.
Schreitet der Process weiter und bilden sich neue Fistelcanäle, so werden diese in derselben Weise behandelt. In der vorderen Abtheilung des Hufknorpels ist jedoch etwas Vorsicht beim Auslöffeln geboten, da das hier sehr nahe liegende Kapselband leicht verletzt werden kann und der dünne, nachgiebige Knorpel dem Löffel leicht ausweicht. Diese Gefahr lässt sich am besten dadurch vermeiden, dass man nur pei gestrecktem Fusse operirt und das Schneiden nur beim Heraus- ziehen des Löffels ausgeführt wird. Bei Beob- achtung dieser Vorsichtsmassregeln gelingt das Auslöffeln des Knorpels auch in dieser Abtheilung verhältnissmässig leicht.
In den nur selten vorkommenden Fällen, bei denen sich der Fistelcanal von der Krone pis unter die Fleischwand, oder noch weiter bis zum Hufbein fortsetzt, nehme ich den betreffenden Theil der Hornwand ganz weg und versuche das Auskratzen des Knorpels von der Fleischwand aus. Der Prfolg ist hier ganz derselbe wie bei
der Fistelbildung an der Krone, nur lässt sich das Auskratzen in der Regel nur einmal vor- nehmen. Meist ist jedoch durch das oben er- wähnte Tamponiren eine Fistelbildung an der Krone später zu erreichen, worauf bei entspre- chender Behandlung der erste Gang bald verheilt.
Die Nachbehandlung besteht in täglichem Aus- spritzen des Canals mit einer antiseptischen Flüs- sigkeit. Sobald die Schwellung an der Hufkrone nicht mehr erheblich ist und das eventuell vor- handen gewesene primäre Hufleiden beseitigt ist. lasse ich die Pferde, selbst wenn noch eiternde Fistelgänge an der Krone vorhanden sind, zur Arbeit verwenden.
Alle bisher von mir auf diese Weise wegen Knorpelfistel behandelten Pferde waren, selbst bei hochgradiger Erkrankung, in spätestens acht Wochen wiederhergestellt. Erhebliche Ver- dickungen durch Narbengewebe an der Krone, sowie Hufdeformitäten sind niemals zurückge-
blieben.(Zeitschrift für Vetkde. Bd. II. 4.)
— Ueber die sogenannte trockene Wund- behandlung machte Professor v. Bergmann ge- legentlich des letzten internationalen medieinischen Congresses einige Mittheilungen. v. B. hat im Ganzen die Vorschläge Landerer's zur Richtschnur genommen und legt das Hauptgewicht auf gut desinficirte Instrumente, gut gereinigtes Operations- feld und selbstverständlich auf gründlich desinfi- eirte Hände. Dagegen werden bei der Operation nur dann wirklich aseptische Flüssigkeiten benutzt, wenn Eiter, Knochensplitter, Verunreinigungen jeglicher Art aus einer Wunde zu enifernen sind. Jedes, auch das kleinste blutende Gefäss wird unterbunden und später mit sterilisirter Gaze betupft. Schwämme werden garnicht benutzt. Verbunden wird die Wunde mit hygroskopischer Watte und Gazestreifen. Stets war, selbst bei grösseren Operationen, nur eine auffallend geringe Wundsecretion eingetreten.
— Verbrennungen werden nach einer Mit- theilung in französischen Jourualen zweckmässig mit Salol 1,0 ol. oliv und Aqu. dest. ana 70,0 pehandelt. Nach einer Mittheilung in der Deut- schen medieinischen Wochenschrift werden im städtischen allgemeinen Krankenhause Verbren- nungen in folgender Weise behandelt: Zunächst werden die verbrannten Stellen gründlich mit 2—3 procentiger Carbol- oder 3 proc. Salicylsäure- lösung gereinigt, etwaige Brandblasen unter An- wendung der Asepsis geöffnet und der Inhalt derselben entleert. Alsdann wird die ganze ver- prannte Fläche ergiebig mit Magisterum Bismutbi subtilissime pulverisatum eingepudert. Ueber die ganze Wundfläche kommt dann ein Verband mit
Bruns'scher Watte. Bei dieser Behandlung er⸗
folgt in allen Fällen die Heilung schr pald und


