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PThiermedicinische Rundschau etc.

1890.

N

einstimmt. Eine Discussion dieser Frage dürfte hier nicht am Platze sein, nur möchte Referent darauf hinweisen, dass der Vergleich verschiedener auf einander folgender Fütterungsperioden vielleicht tür gewisse rein physiologische Untersuchungen. wo sämmtliche Stoffwechselprodukte aufgesammelt werden können, berechtigt sein mag, dagegen nicht, wo es darauf ankommt, praktisch brauch- bare Antwort auf landwirthschaftliche Fragen zu erhalten. Besonders unvortheilbaft scheint diese Methode, wenn mit nur wenigen oder gar einem einzigen Individuum experimentirt wird. Nilson experimentirte in jeder seiner beiden Versuchs- reihen mit 2 Kühen; das eine Mal verweigerte die eine Kuh(50 Proc. der Versuchsthiere!) die Annahme der Heringskuchen; das andere Mal gelang es(nach einiger Zeit) die Kühe an das Fischfutter zu gewöhnen, es traten dann aber andere Störungen ein, so dass auch diese Versuchs- reibe nur eine Kuh umfasst.

Hirsch sowohl wie Hennigs vergleichen verschiedene, aus mehreren Kühen bestehende Gruppen mit einer Controlgruppe, welche nach Ansicht des Referenten bei jedem Fütterungs- versuch aufgestellt werden muss, wie es auch bei Düngungsversuchen geschicht. Jedoch ist einerseits die Zahl der Thiere in jeder Gruppe etwas klein, andererseits zeigt namentlich die Tabelle über die Henning'schen Versuche deut- ich, dass die beiden Gruppen A und B nicht unter sich vergleichbar sind. Bei gleicher Fütte- rungsweise in der ersten Woche gab A pro Tag 2 Kannen= ca. 5 Liter mehr Milch als B, und erstere enthielt 0,3 Proc. weniger Fett als letztere. Auch muss man wohl annehmen, dass sowohl die Perioden mit gleicher Fütterung, wie die Perioden mit Veränderung der Vorfütterung viel zu kurzdauernd waren, als dass man Resultate zichen darf.

In ökonomischer Hinsicht wichtiger als die Menge und analytische Zusammensetzung der Milch ist ihre sonstige Beschaffenheit, und hier- über besonders gehen die Erfahrungen der Prak- tiker auseinander. 2Zuverlässige vergleich bare Resultate in dieser Beziehung geben diese Ver- suche nicht; höchstens das, dass der Versuchs- ansteller keinen Beigeschmack merken bonnte. Doch theilt Nilson mit, dass schwedische Butter- händler in Malmö und Göteborg keine Ausstellungen an der Butter aus der Milch der mit Häring gefütterten Kühe finden. während englische Butterhändler zu einem entgegengesetzten Er- gebniss kommen. In keinem Falle war aber hier von vergleichenden Untersuchungen die Rede, und es ist deshalb noch eine ganz un- gelöste Frage, ob die Butter nach Häringsfutter u. dgl. besser, ebenso gut oder schlechter war

als wenn dieselbe Butter ohne Häringsfutter, aber sonst in ganz gleicher Weise dar- gestellt wäre.

Ueberhaupt glaubt Ref. daran zweifeln zu sollen, dass man ganz ungestraft einen so starken Eingriff in die organische Natur thun darf, wie das Füttern von absolut pflanzenfressenden Thieren mit Futter- mitteln, die, wie Fleisch, Härings- und anderer Fischabfa!! offenbar für den be- treffenden Organismus naturwidrig sind.

Practische und therapeutische Nachrichten.

Behandlung der Hufknorpelfistel von Giesecke. 6. hatte im Verlaufe eines Jahres

Gelegenheit gehabt, 14 Fälle von Knorpelfisteln

am Hufe in folgender Weise zu behandeln. Um zunächst den Druck, den die Hornwand auf die geschwollene Kronenpartie ausübt, zu beseitigen, werden zunächst Creolin-Leinkuchencataplasmen angewendet, und dann das leicht schneidpar ge- wordene Horn der Trachten- bezw. Seitenwand soviel wie möglich verdünnt. Bei den Huf- knorpelfisteln, die durch eiternde Steinzellen und andere parenchymatöse Processe der Huflederhaut entstanden sind, wird dadurch das primäre Leiden gleichzeitig mit in Behandlung genommen.

Ueber den weiteren Gang der Behandlung sagt dann Giesecke folgendes:

Beſindet sich der Fisteleanal, wie es gewöhn- lich der Fall ist, oberhalb des Kronenrandes, dann erweitere ich denselben mit Hilfe eines kleinen scharfen Löffels(v. Volkmann'scher) ein

Instrument, das, nebenbei bemerkt, in jeder Hand-

daraus

lung human- chirurgischer Instrumente erhältlich

ist soweit, dass der Löffel bequem in den

anal eingeführt werden kann und schneide mit diesem die necrotische Knorpelmassen ab, indem

ich durch allmähliches Abkratzen die Knorpel-

massen zerkleinere und die abgeschabten Stücke mit dem Löffel heraushebe. Im hinteren Theile des Knorpels geschieht dieses gewissermassen intraperichondriale Zerkleinern des Knorpels ohne alle Schwierigkeit und Gefahr, da hier derselbe in Folge seiner Stärke mehr Widerstand leistet

und nicht so elastisch ist als in den vorderen

Abschnitten. Schon das Gefühl leitet beim Aus- kratzen auf den flach unter der Haut liegenden Knorpel hin, das Parachondrium giebt. nament- lich wenn die Schnittöffnung des Löffels, wie es überhaupt geboten ist, stets nach aussen zu ge-

richtet wird, leicht nach, so dass erhebliche Ver-

letzungen an demselben nicht zu Stande kommen können. Auf diese Weise gelingt es, die dem