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Thiermedicinische
Rundschau etc. 1890. No. 2.
nichten und zu eliminiren, so wird diese secun- däre Indication zurücktreten oder ganz unberück- sichtigt bleiben können. Je später man an die directe Bekämpfung der Kommabacillen im Darm selbst kommt, um so mehr muss die Giftbildung mit ihren Indicationen in den Vordergrund treten. Bei unserer Unkenntniss des specifischen Giftes dürfte sich vielleicht für diese Indication Atropin zur Zeit am meisten empfehlen. Gegen die aus der specifischen Intoxication sich er- gebenden Erscheinungen seitens der Nieren, die Anurie mit ihren Folgen, welche mit zu den bedenklichsten gehört, hat übrigens das Salol eine entschieden sehr günstige Wirkung, wie ich
aus mir zugegangenen Mittheilungen aus Indien
entnehme. Die Verabreiehung des Salol per os macht praktisch übrigens nicht so viele Schwie- rigkeiten, wie man vielleicht nach der Brech- neigung schliessen könnte, welche am besten durch kleine Fisstückchen bekämpft wird. Allen- falls können übrigens durch salicylsaures Natron in wässerige Lösung gebrachte Kresole auch zur Irrigation per anum verwerthet werden. Neben den Erscheinungen von Seiten der Nieren, welche als directe Intoxication zu deuten sind, kommen noch besonders die aus der Epithel- entblössung der Darmschleimhaut sich ergebenden Schmerzen und shokartigen Zustände und dann die Wasserverluste mit ihren Folgen für die Ein- dickung des Blutes in Betracht. Gegen die ersten
Zufälle ist und bleibt Opium das souveräne und
unentbehrliche Mittel, so sehr man auch in Folge der gekünstelten Infectionsversuche an Meer- schweinchen eine Zeit lang geneigt war, gegen dieses Mittel Stellung zu nehmen. Ob das Opium per os oder als Zusat? zu einem Olysma oder einer Irrigation zu geben ist, richtet sich nach dem Falle. Wo einmal aus besonderen Gründen von Opium abzusehen ist, würde ich Codein- supporitorien vorschlagen.
Die Nachtheile der Wasserverluste vermag der Organismus leichter zu überwinden, wenn das Hautorgan reactionsfähig ist und diese Reac- tion lässt sich am besten durch Finwickelungen in möglichst heisse feuchte Tücher erhalten und anfrischen, wenn sie zu sinken droht oder bereits geschwunden ist. Die hypodermatischen Injee- tionen mit sterilisirten schwach alkalischen Normalsalzlösungen sind nur in Krankenhäusern leidlich auszuführen und können wohl jetzt ganz entbehrt werden, wenn man nur sonst die Symp- tome richtig beachtet.
Gegen die Wasserverluste kämpft auch erfolg- reich ein Verfahren an, welches gleichzeitig auch vorhandene„Materia peccans“ aus dem Körper entfernt, die Irrigation oder Euteroclyse. Für jede solche Irrigation sind 1— 2 Liter Wasser
von 38— 40 Grad erforderlich. Als Zusatz zum Wasser ist in erster Linie Acid. tannieum von 0,25— 1 Proc. zu empfehlen. Ob die Gerbsäure in der erforderlichen Weise wirklich auch anti- bakteriell wirkt, ob sie vielleicht Toxine zu Tannaten bindet und dadurch in ihrer Wirkung hemmt, oder ob nicht einfach die möglichst reich- liche Darmausspülung mechanisch in Betracht kommt, ist eine noch offene Frage. Das letztere Moment, die Entfernung der Materia peccans, wird heutigen Tages sehr gering geschätzt— ob aber so ganz mit Recht? Neben Aeid. tan- nicum möchte ich noch Plumbum acetieum in 0,1 procentiger Lösung nennen, welches bei Cho- lera allerdings wenig versucht, bei Dysenterie systematisch angewendet von ganz ausserordent- licher Wirkung ist. Diesen warmen Lösungen kann eventuell das Opium, 20— 30 Tropfen pro Eingiessung, zugesetzt werden.
Zum Bekämpfen des Durstgefühles und der Brechneigung sind Eisstückchen, als eigentliches Getränk sind die alkalischen Säuerlinge und gutes Sodawasser aus destillirtem Wasser am meisten zu empfehlen. Wie weit bei der Wirkung derselben die in einigen Fällen vermerkte grössere antibakterielle Wirkung stärker alkalischer Ge- webssäfte mitspricht, entzieht sich noch der Be- urtheilung.
Als Anregungsmittel in schweren Fällen em- pfehle ich die Erfindung des Gastwirths von Passeir, von der es im Liede heisst, dass man sie„mit Behagen“ saugt, den Knickebein, aber in einer auf der Traube'schen Klinik für Kranke angepassten Form: Aq. und Syr. cinamomi ana 15,0, Vitelli ov. II, 2 Esslöffel Cognac, fiat Emulsio.
Je früher der Kranke in Behandlung kommt, je mehr die rein ätiologische Behandlung vor- herrschen darf, je weniger besondere gefahr- drohende Symptome mit ihrer oft schweren Be- urtheilung in Betracht zu ziehen sind, um so besser bei jeder Behandlung. Nach den mir bis jetzt mitgetheilten Versuchen in Indien scheint zur Zeit die Ueberlegenheit der initialen Salol- behandlung aber doch so gross, dass ich noch- mals darauf hinweisen will, um zu Versuchen ev. auch bei uns aufzufordern.
Bei jedem Erkrankungsfalle an Cholera er- wächst dem behandelnden Arzte aber auch die Pflicht, Vorsorge zu treffen, dass von hier aus keine neue Infection erfolgt— soweit dies eben möglich ist. Diese Sorge theilt der behandelnde Krzt mit dem beamteten Arzt. Aber praktisch liegt dieselbe am besten in der Hand des behandelnden Arztes. Die Sanitätspolizei kann nur schematische Verfügungen treffen, die als allgemeiner Anhalt recht gut sein mögen,


