15. Oetober.

Thiermedicinische

Rundschau ete.

S

Tyrannei der Verwaltung führt schliesslich auf allen Gebieten für den Staat selbst zu ganz unleidlichen Zuständen, und es ist charakteristisch. dass einige der hervorragendsten Verwaltungs- peamten dies bereits öffentlich bekannt und Re- tormen unseres Sanitätswesens angeregt haben, die doch für das Gemeinwohl zu wichtig sind. um am Geldpunkte zu scheitern. Gegenüber dieser Reform unseres Sanitätswesens von unten herauf erscheint die Forderung eines besonderen Medicinalministeriums geradezu von untergeord- neter Bedeutung.

Gerade dem grösseren Finflusse der Praxis, derTechniker im weitesten Sinne des Wortes, auf die Verwaltung ist es allein zu danken, dass England in der Praxis der Gesundheitswirthschaft uns überlegen ist, während wir in der wissen- schaftlichen Hygiene England doch längst über- ügelt haben, und während unsere Gesundheits- technik nach vielen Richtungen hin bereits die englische überholt hat.

Wer die neuen Reformen der Fabrik- und Arbeitergesetzgebung verfolgt hat. könnte eigent- lich wissen, dass dieselben nur alte Forderungen der Hygiene erfüllt haben. Der Nachweis der Durchführbarkeit unserer Forderungen im Sinne des Staatssocialismus sollte eigentlich die mass- gebenden Factoren unserer Gesetzgebung unseren Wünschen und berechtigten Forderungen um so mehr geneigt machen. als dieselben auf die Dauer doch nicht zu umgehen sind und der Staat am besten fahren muss. der auch in diesen Pingen an der Spitze marschirt.

Ist ein Cholerafall constatirt und auf Grund der Anzeigepflicht auch amtlich zur Kenntniss gekommen, so darf von Seiten der Sanitätsorgane das im Süden auch diesmal wieder versuchte Vertuschungssystem sich nicht geltend machen. Dadurch wird Verwirrung und Aengstlichkeit hervorgerufen und das Vertrauen in die Organe der Sanitätspolizei erschüttert. Ein ruhiges, ziel- bewusstes Auftreten der Sanitätspolizei, unter Vermeidung überflüssiger Bevormundung des Publicums, ist ein wesentliches Beruhigungs- und Bekämpfungswittel solcher Seuchen.

Ist ein Cholerafall constatirt, so tritt an den pehandelnden Arzt die Aufgabe heran, den Kranken zu behandeln und dafür zu sorgen, dass der einzelne Kranke keine weitere Gefahr für die nähere und ent- ferntere Umgebung werde. letztere Punkt kann ohne Hülfe des behandelnden Arztes niemals richtig gewahrt werden und hier muss der beamtete Arzt viel Takt entfalten, um als hygienisch-technisch besser und specialistischer geschulter Berather auftreten zu können. Der Unteroffieierton, in dem sich bei solchen Ge-

legenheiten leider so häufig verschiedene Organe der Sanitätspolizei dem prakticirenden Arzte und dem Publicum gegenüber gefallen, kann nicht

genug gerügt werden.

Die Behandlung im engen Sinne hat damit zu rechnen, dass nicht die Cholera, sondern ein an Cholera leidender Mensch in Betracht kommt. Die ätiologische Indication muss dabei von der unumstösslichen Thatsache ausgehen, dass der Process im Darm selbst verläuft, dass von dort aus allein die Parasiten wirken. Zur direeten Vernichtung der Oholerabakterien im Darm, d. h. zur internen Desinfection, kommen zwei per os verabreichbare Gruppen von Medi- camenten in Betracht. Finmal Körper, welche den sauren Magensaft unzersetzt passiren und erst im alkalischen Magensafte zur Wirkung kommen. Hierher gehören beispielsweise Tribrom- phenol und Trichlorphenol, über deren Verwerth- parkeit aber noch zu wenig klinische Erfahrungen vorliegen. Die zweite Gruppe umfasst Körper, welche den Magensaft gleichfalls unzersetzt pas- siren, aber im Darm in ihre wirksamen Compo- nenten zerlegt werden und so am bedrohten Orte in Statu nascendi, also in unmittelbarster Weise zur Wirkung kommen. Der Typus dieser Körper ist das von Nencki entdeckte Salol, der salicyl- saure Phenyläther, über den bereits reichliche klinische Erfahrungen vorliegen, sodass man über Dosirung und Grenzen der Verwerthbarkeit im Allgemeinen etwas orientirt ist. Pieser klinische

Gesichtspunkt von Erfahrungen an Kranken ist

so beachtenswerth, dass ich zunächst das eigent- liche Salo! gegen die Cholera empfehle. Neben diesem ersten Salol kennen wir aber bereits eine ganze Reihe von Salolen, von denen ich zunächst

nur noch das Para-Kresalol(Salicylsauren p-Kresyl-

äther) der Beachtung empfehlen möchte, weil dem Kresol gegenüber dem Phenol für die innere Darreichung einige Vorzüge in Bezug auf antibakterielle Wirkung und Unschädlichkeit gegenüber dem menschlichen Organismus 2u- kommen. Ich würde rathen pro dosi von 0,5 g des Salols 0,2 g Bismuth. salicyl. hinzuzufügen.

Mit den Salolen entspricht man der wich- tigsten Indicatio causalis, indem man die Gifte durch Vernichtung der 6iftbildner be-

kämpft. Das wird stets die erste Aufgabe einer richtig verstandenen ätiologischen Therapie überall

bilden, wo überhaupt ein solcher unmittelbarer

Gerade der Kampf Erfolge verspricht.

Vielfach wird diese directe Behandlung erst so spät einsetzen können, dass schon weitere Wirkungen in Betracht kommen, welche sich aus der Bildung allgemeiner und speecifischer Toxine ergeben. Gelingt es frühzeitig genug die Giftbildner selbst, die Kommabacillen. zu ver-

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