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Thiermedicinische Rundschau etc.
1890. No. 1.
noth(120 Athemzüge) und grosse Unruhe. Gleich- zeitig wurde der ganze Körper durch anbaltende dumpfe Hustenstösse erschüttert. Die Auscul- tation der Lungen ergab Reibegeräusch, das vor- her nicht nachzuweisen gewesen war. Am nächsten Tage traten dieselben Erscheinungen ein. Bei der nach 3 Wochen vorgenommenen Schlachtung des Thieres ergab sich Tuberkulose des Brustfells, der Bronchſal-Mediastinaldrüsen, tuberkulõse Herde in der Leber und in den Nieren. In weiteren 7 Fällen wurde auf Grund der obigen Erscheinungen, welche sich bei gelegentlicher Anwendung von Pilocarpin zeigten, der Verdacht auf Tuperkulose ausgesprochen und durch spätere Reaction pestätigt.(Veter. im Königr. Sachsen. 1890.)
Mittheilungen aus Vereinen und Versammlungen.
— Auszug aus dem Berichte des Vereins Schle- sischer Thierärzte über die versammlung am 4. Mai 1890. Die durch den Vereins-Vorsitzenden Departements- thierarzt Dr. Ulrich eröffnete Sitzung war nur mässig besucht.
Aus den zunächst zur Kenntnissnahme eingegangenen Schriftstücken sind hervorzuheben ein Pankschreiben des Herrn Professor Esser-Göttingen, welcher bedauert, der an ihn ergangenen Einladung, an der Sitzung Theil zu nehmen, nicht Folge geben zu können.
Kreisthierarzt Bass zeigt seinen Wohnungswechsel von Steinau nach Berlin an und wünscht noch fernerhin Mitglied des Vereins zu bleiben.
Grenzthierarzt Lütkemüller meldet sich zum Eintritt in den Verein an.
Es wird beschlossen, von einer Drucklegung der Statuten des in letzter Sitzung gebildeten Ehrenrathes vor-
läufig abzusehen, um eventuell nach Anschaffung eines Vereins-Hectegraphen sowohl diese als auch die Sitzungs-
protokolle billiger vervielfältigen zu können.
Die Petition petreffend Herbeiführung einer geregelten Schlachthauscontrole für Schlesien an den Herrn Ober- Präsidenten ist wegen verzögerter Anfertigung noch nicht erfolgt, doch soll dieselbe in kürzester Zeit an ihre Adresse gelangen.
Schatzmeister Mehrdorf berichtet über den Stand der Kasse: Dieselbe weist ein Vermögen von 131 Mark nach. Verschiedene Beiträge, welche rückständig geblieben sind, werden niedergeschlagen und zwar bis zum 1. Ja- nuar 1889.*
Eine eventuelle Erhöhung des Jahresbeitrages bleibt der nächsten Versammlung vorbehalten.
Zu der sub 2 der Tagesordnung genannten Berathung einer Petition, betreffend äie Verbesserung in der Stellung der beamteten Thierärzte, erhält darauf der Referent, Kreis- thierarzt Riedel-Neisse, das Wort und trägt sein hierauf bezügliches Beferat vor. Seinen Ausführungen wurde Seitens der Versammlung ungetheilter Beifall gezollt und fanden die von Riede! zur Sprache gebrachten Missstände, welche sich der Existenz des beamteten Thierarztes ent- gegenstellen, volle Bestätigung.
Der Correferent KFampmann-Wohlau ergriff sodann das Wort und erwähnte, dass er nach der zuerst statt- gehabten Berathung zwischen ihm und den Herren Pr. Ulrich, Mehrdorf und Riedel der Auffassung
Raum gegeben habe, dass von Seiten der gesammten deutschen Thierärzte eine Petition an den Reichskanzler zu richten sein dürfte. Dieser Ansicht seien die genannten Herren entgegengetreten und zwar unter der Begründung, dass die Regelung der Verhältnisse der Veterinärbeamten eine rein preussische Angelegenheit sei und demnach ein Gesuch an den Herrn Mlinister für Landwirthschaft ete. am ehesten auf Erfolg rechnen dürfte.
Redner habe diesen Betrachtungen nachgegeben und sich bereit erklärt, den ihm gewordenen Auftrage, eine derartige Petition auszuarbeiten, nachzukommen.
Beschlossen wäre ferner noch, und darauf habe Col- lege Riedel ja bereits hingewiesen, an alle Vereine Preussens eine Mittheilung von der in Aussicht genommenen Petition gelangen zu lassen, damit diese auch bei den noch tagenden Frühjahrsversammlungen den Gegenstand erörtern und unterstützen könnten; ausdrücklich sei noch Seitens der oben genannten Herren bemerkt worden, dass die Petition durch die Central-Vertretung der thierärztlichen Vereine Preussens oder durch den Veterinärrath an seine Adresse zu überreichen sei.
Bei der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit habe Redner aus eigener Initiative und auf eigene Kosten eine diesbezügliche Mittheilung drucken und an alle Vereine gelangen lassen.
Wenn über dieses Vorgehen von verschiedener Seite eine missfällige Kritik gefällt worden sei, dann sei das sehr zu peklagen; im Entferntesten aber haben die Ver- anstalter nicht die Absicht gehabt, die die Interessen der Thierärzte Preussens fördernden Centralstellen zu übergehen.
Von mehreren beamteten Thierärzten aus dem Reiche seien dem Referenten übrigens zustimmende Briefe zu- gegangen.
Kurz vor der heutigen Versammlung seien die Herren Dr. Ulrich, Mehrdorf und Redner noch einwal zusammen gekommen und hätten über den Gegenstand berathen, dabei auch die vom Redner ausgearbeitete Petition an den Herrn Minister redigirt und dieselbe dann für den Vortrag in der Versammlung geeignet befunden.
Diese Petition wurde nun ihrem Wortlaute nach mit- getheilt.
An diese Ausführungen reihte sich eine lebhafte Debatte, welche Dr. Ulrich zunächst mit Verlesung der schriftlich eingegangenen Ansichten des Herrn Professor Dr. Püt? und des Pepartements-Thierarztes Schilling be- gann Beide Herren erhoffen von einer Petition z. Z. sehr geringen Erfolg, Ersterer theilt zugleich mit, welche Schritte in dieser Angelegenheit Seitens der Central-Vertretung geschehen seien.
Ulrich hat in Folge dessen die Ueberzeugung ge- wonnen, dass z. Z. kaum Aussicht auf Erfolg sein würde, immerhin aber dürfte der Entwurf der Petition dem Vor- sitzenden der Central-Vertretung der thierärztlichen Vereine Preussens zur eventuellen Verwerthung bei sich darbietender Gelegenheit zu übersenden sein.
Dr. Arndt meint, dass bei der Hochschuflfeier nicht die geeignete Gelegenheit sei, höheren Orts Petitionen für Besserung der Stellung der beamteten Thierärzte einzu- bringen.
Professor Dr. Metzdorf weist darauf hin, dass die Thierärzte eine grosse Zukunft vor sich hätten und mit der Zeit das Bedürfniss der Aufbesserung der thierärzt- lichen Beamten sich selber Bahn brechen würde; er meint, der von Kampmann ausgearbeitete Entwurf solle nicht allein der Central-Vertretung, sondern auch dem Deutschen Veterinärrath zur eventuellen Benutzung übermittelt werden.
Dieser Anschauung treten noch die Collegen Ulrich, Arndt und Mehrdorf bei, und es wird dementsprechend von der Versammlung beschlossen.
Riedel und Kampmann ziehen demnach ihre resp. Anträge zurück.


