1. Oetober.
Thiermedicinische Rundschau ete.
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Pransport des Tuberkelgiftes in die gesunde Milch- drüse wird wahrscheinlich durch die weissen Blut- körperchen vermittelt.
In Bezug auf die Infectiosität der Milceh tuberculöser Frauen liegen bis jetzt nur ne- gative Resultate vor.
Die verschiedenen Milchproduete: süsser und saurer Rahm, ebenso Butter, welche aus der Milch tuberculöser Euter gewonnen werden, pe- wahren ihre Infectiosität, eine Eigenschaft, die
sowohl auf dem Wege der Impfung als auch der
Fütterung nachgewiesen wurde. Künstlich mit Puberculose infieirte Butter kann ihre Virulenz Monate lang bewahren.
Die Miich tuberculöser Kühe ist für Kinder und empfängliche Personen Pesonders gefährlich, wenn dieselbe in grösseren Mengen und längere Zeit hindurch genossen wird, oder wenn solche Milch die fast ausschliessliche Nahrung der Säug- linge und Kinder bildet. wenn dieselbe von ein- zelnen tuberculösen Thieren stammt, so dass das Gift demgemäss in concentrirter Form in den Verdauungscanal gelangt; endlich wenn dieselbe
ungekocht oder doch nur mangelhaft gekocht,
genossen wird. Da die Verdünnung der infec-
tiösen Milch im Stande ist, die Infectiosität der-
selben zu vermindern und auch aufzuheben, so verdient die sogenannte Sammelmilch den Vor- zug.— Gegen die Virulenz der Milchproducte (Butter, BRahm, Käse), die vorzugsweise ungekocht zum menschlichen Genusse gelangen, haben wir einstweilen kein Schutzmittel.— Der Genuss der Milch tuberculöser Kühe spielt endlich pei der Verbreitung und Pathogenese der Tuperculose der Rinder und Schweine eine sehr grosse Rolle ¹) In Bezug auf die Infectiostät des Flei- sches tuberculöser Thiere haben die damit vorgenommenen Impfrersuche zu dem Ergebniss geführt, dass derartiges Fleisch in gewissen Fällen, namentlich bei hochgradiger und generalisirter Tuberculose sicher pathogene Eigenschaften pe- sitzt, die allerdings dureh gründliches Kochen und länger einwirkende Siedhitze, nicht aber durch
Phthisikern, die ihrem Leiden erlegen waren, con- stant positive Resultate ergab.
Eine Infectionsgefahr von Seiten des Fleisches ist für den Menschen entschieden vorhanden, wahrscheinlich aber nicht sehr gross, jedenfalls von geringerer Bedeutung als von Seiten der Milch tuberculöser Thiere. Durch gründliche Zu- pereitung des Fleisches, Vermeiden des Genusses von rohem oder halbrohem Fleisch kann der Mensch gegen eine eventuelle Gefährdung der Gesundheit sich schützen.
Will man das drohende Uebel, die Infection des Menschen durch Milch und Fleisch tuber- culöser Thiere, bei der Wurzel anfassen, so giebt es nur ein sicheres Mittel: Kampf gegen die Tuberculose der Schlachtthiere, ein Vor- gehen, welches bei der enormen Verpreitung der Tuberculose unter den Rindern und Schweinen
auch wichtige volkswirthschaftliche Interessen am zweckmässigsten und ausgiebig wahren wird.
Zuletzt noch einige Worte über den Ein- fluss der Quantität des tuberculösen Giftes auf die Entstehung und den Verlauf der Tuber- culose, sowie über die Organdisposition bei spon- taner und künstlicher Tuberculose.
Je grösser die Menge des aufgenommenen Giftes, um so rascher erfolgt die weitere Ver- preitung im Körper: der zeitliche Verlauf der Tuberculose hängt bei künstlicher Infection von der Concentration des Impfmaterials ab. Bei starker Verdünnung beobachten wir langsameren Verlauf des Processes.
Die Schwere der Affection und die Intensität des Verlaufes sind einerseits bedingt durch die Quantität des eingeführten Giftes, andererseits durch die allgemeine(individuelle) und locale Dis- position(Körperdisposition und Organdisposition).
Während pei hämatogener Infection(directer Injection von Beinculturen in das Blut) der Tod der Impfthiere schon nach 2 ½ Wochen erfolgt, wirken pei subeutaner Injection ebenso bei spon- taner primãrer Drüsentuberculose die Lymphdrüsen vielfach als natürliche Filter, als eine Art Scheide-
Einpökeln und Räuchern verloren gehen. Dass das Stadium und der Grad der Erkrankung
wand, welche zunächst Localisation der Tuber- culose bedingt; je mehr Prüsensysteme die Ba-
dabei eine Rolle spielen, geht daraus hervor: ecillen zu passiren haben, um so langsamer kommt
dass bei Anwendung derselben Methode in einer grösseren Versuchsreihe pei Impfungen mit dem Fleischsaft tuberculöser geschlachteter Rinder, die meist in einem relativ frühen Stadium der Tuber- culose sich befinden, durchweg negative Resultate erhalten wurden, während der Fleischsaft von
¹) Demonstration von Abbildungen von künstlicher,“ durch Milchfütterung erzeugter Schweinetuberculose(der Lungen, Leber, Milz, Lymphdrüsen), die genau überein-
stimmt mit der spontanen Tuberculose der Schweine, wie
sie in Schlachthäusern gefunden wird.
es zur allgemeinen Infection.
In Bezug auf die Organdisposition für die Aufnahme und Vermehrung des tuberculösen Giftes lässt sich etwa folgende Stufenleiter auf- stellen:
a) Für die spontane menschliche Tuber- culose:
4) Seröse Häute
5) Kehlkopf
6) Milz
1) Lunge 2) Lymphdrüsen 3) Darmschleimhaut


