Thiermedicinische Rundschau ete.

Die primäre Darmtuberculose meist ver- punden mit Tubereulose der mesaraischen und retro- peritonealen Drüsen und des Peritoneums(Unter- jeibstuberculose), bei jugendlichen Individuen häufiger als bei älteren, ist auf Nahrungsinfection zurückzuführen, wobei namentlich der Genuss roher Milch tuberculöser Kühe, in seltenen Fällen auch zufällige Infection bei Gelegenheit der künst- lichen Ernährung der Kinder in den ersten Le- pensjahren eine Hauptrolle spielen(Essgeschirr, Versuchen der Nahrung durch tuberculöse Mütter und Wärterinnen).

Die secundäre Darmtuberculose entsteht durch Auto-Infection(Selbstfütterung), indem in- fectiöse Sputa oder Reste derselben mit der Nah- rung in den Darm gelangen. Eine hämatogene oder lymphogene metastatische Infection der Parm- follikel ist daneben möglich, z. B. bei allgemeiner Drüsentuberculose. Abgesehen von experimen- tellen Ergebnissen zeigt sich die Besisten? des Magen-Darmeanals gegen intestinale Infection auch darin, dass man pei Phthisikern mit ulee- rösen Lungendefecten, die sicher tuberculõse Sputa- reste öfters verschluckt haben, manchmal die tuberculöse Darmerkrankung vermisst. Der cau- sale Zusammenhang zwischen Lungencavernen und Darmtuberculose spricht sich ausserdem auch in der Thatsache aus, dass entsprechend der grösseren Seltenheit der Lungencavernen bei tubereulösen Kindern auch die tuberculösen Darmgeschwüre bei denselben nur halb so häufig(30 40 Proc.) angetroffen werden, als bei erwachsenen Phthi- sikern.

Das tubereulöse 6ift vermag das in- tacte Darmepithel zu passiren; für die Ent- stehung einer Darminfection sind weder Abschup- pung des Epithels noch grössere Läsionen der Schleimhaut, noch andere Darmaffection(Katarrh, Entzündung) erforderlich. Im Dünn- und Pick- darm sind die Lymphfollikel(Peyer'sche Pla- ques und Solitärfollikel) die Prädilectionsstellen für das Haften und die Vermehrung des tuber- culõsen Giftes; vermöge ihrer physiologischen Stellung und ihrer anatomischen Lage, von buch- tigen Finsenkungen der Schleimhaut theilweise umgeben, spielen sie in Bezug auf Affinität zum tuberculösen Gift ungefähr dieselbe Rolle wie die übrigen Lymphdrüsen des Körpers und wie die Lungenspitzen. Das Eindringen der Bacillen in die Darmfollikel durch die normale Epithelschicht hin- durch wird loeal begünstigt durch länger dauern- den Contact des Giftes mit der Parmwandung.

Im Anschluss an die käsige Necrose der Darm- follikel kommt es zur Bildung von Geschwüren. ferner zur regionären Verbreitung des tuberculõsen Giftes vermittelst der Lymphbahnen auf der Parm- serosa und auf die mesaraischen Drüsen.

und den Lungen aus.

Unter normalen Verhältnissen übt der Magen- saft wahrscheinlich eine gewisse schädigende Wirkung auf das Tuberkelgift aus; jedoch selbst bei voller Wirkung des Magensaftes werden die Tuberkelkeime nicht sicher getödtet.

Die verschiedenen Formen der Bauchfell- tuberculose bei Männern merkwürdigerweise 3 4 mal häufiger als bei Frauen entstehen am häufigsten tertiär entweder continuirlich fortgesetzt von tuberculösen Darmulcerationen oder von tuberculösen Lymphdrüsen des Unterleibs. oder fortgeleitet vom Urogenitalsystem, nament- lich bei weiblichen Individuen, oder endlich auf dem Wege der Verschleppung von der Pleura Endlich kommt Tuber- eulose des Bauchfells vor metastatisch durch- matogene oder lymphogene Infection bei allge- meiner Miliartubereulose oder auch analog der tuberculösen Basilar-Meningitis ausgehend von beliebigen älteren tuberculösen Herden der Or- gane(käsige Tuberculose der Bronchialdrüsen, der Lungenspitzen). Auch eine primäre Bauch- folltuberculose kommt vor, ist aber selten(circa 34 Proc. aller Fälle von Bauchfelltuberculose).

Bei intraperitonealer Impfung mit minimalen Mengen tuberculösen Giftes kann das letztere das Peritoneum passiren, ohne dass dasselbe irgend- wie erkrankt, während das Gift in den Prä- dilectionsorganen, in den Lymphdrüsen und in der Milz günstigere Bedingungen des Haftens und der Vermehrung findet. Diese experimentellen Ergebnisse zeigen deutlich, dass die serösen Häute gegenüber dem Tuberkelgift sich manchmal ähn- ſich verhalten, wie die Schleimhäute des Respi- rations- und Verdauungsapparates; durch beide kann das tuberculöse Gift eindringen, ohne Spuren zu hinterlassen.

In Betreff des Einflusses, den der Ge- nuss der Milch und des Fleisches tuber- culöser Thiere auf die Entstehung der menschlichen Tubereulose hat, ist ein ab- schliessendes Urtheil gegenwärtig nicht möglich. Einstweilen kann als feststehend betrachtet wer- den, dass die von tuberculösen Kühen producirte Milch eminent gefährlich ist bei der nicht selte- nen Futertuberculose, deren Initialstadien leicht überschen werden. Die Milch tuberculöser Kühe dagegen, deren Euter normal ist. ist in einer nicht unerheblichen Zahl(bis zu 55 Proc.) viru- lent; möglich, dass bei verbesserter Impfmethode mit reichlichem Material die Gefahr sich noch grösser erweist. Die Virulenz der Milch geht im Allgemeinen Hand in Hand mit dem Grade der Erkrankung des milchgebenden Thieres; jedenfalls kann die Milch nicht bloss bei generali- sirter, sondern auch pei localer Tuberculose der Kühe infectiöse Eigenschaften annehmen. Der