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Thiermedicinische Rundschau etc
1890. No. 24.
forschern und Juristen rechnen, also unbedingt auf der Höhe der Wissenschaft stehen müssen. Ferner empfiehlt er den Betrieb und das Studium der Lebensmittelbeschau. — Bezirksthierarzt Rogner-Nürnberg tritt diesem Antrage als unpractisch und undurchführbar entgegen Die Thier- ärzte müssen sich vielmehr durch sich selbst bilden, was zu einem regen Vereinsleben gemahne.— Bezirksthierarzt Bütte!-Kissingen redet den Lesezirkeln das Wort.— Der Antrag Drechsler wird hierauf abgelehnt und der Gegen- stand verlassen. Noch interessanter als der erste Punkt der Tagesordnung war der zweite, indem Prof Feser über die Grenzsperrre gegen Oesterreich berichtete Der- selbe kam zunächst auf die Seuchengesetzgebung zu sprechen, die aus Anregungen der Thierärzte hervorgegangen, also deren eigenstes Werk sei, hauptsächlich deswegen, weil der Entwurf hierzu genau nach der Intention der Thierärzte ausgearbeitet wurde. Das Seuchengesetz habe eine eminente Wirkung zur Hebung des Nationalwohlstandes geübt, und was hier im ersten Säculum der Thierheilkunde in Deutsch- land erreicht worden sei, das werde im zweiten in Europa und über dessen Grenzen hinaus erreicht werden. Und gerade der europäische Osten ist der Herd der Thierseuchen: eine Sperre gegen denselben ist daher unbedingt geboten. Die Thierärzte müssen einmal in dieser Frage ihren Stand- punkt offen kund geben, umsomehr, weil gewissen Auf- stellungen in der Presse entgegengetreten werden muss. Dabei muss nun zunächst constatirt werden, dass die Rinder- Pest nicht mehr zu fürchten, sondern durch das öfter ge- nannte Gesetz in Peutschland so gut wie ausgerottet ist. Es handelt sich aber auch um andere Seuchen, an die man zu wenig denkt, z. B. die Lungen- und die Maul- und Klauenseuche. Die Lungenseuche ist in Bayern glück- licherweise ganz getilgt, theils durch die Abwehr von der Grenze her, theils im Innern. Sie droht uns aber immer noch von Osten her; sie hat für Bayern die Bedeutung, dass der Wohlstand ganzer Provinzen davon abhängt. Wo käme der Viehhandel im nördlichen Bayern hin? Noth, Armuth und Elend wären die unmittelbare Folge, wenn heute der Viehhandel aufhören muss. Vor der Grenz- sperre waren wir nicht im Stande, die hereinbrechende Seuche zu bannen; aber seitdem ist sie, die Jahrzehnte lang am Marke der bayerischen Landwirthschaft zehrte, nahezu verschwunden. Wir haben dadurch dem Lande Millionen erhalten. Anders steht es mit der Maul- und und Klauenseuche, und doch ist sie in Folge der Sperre nur mehr in 36 Gehöften. Noch vor zwei Jahren war sie nachzuweisen in 16 Fällen in Laufen, Rosenheim und und Traunstein, in 9 Fällen in Passau. Wie steht es damit in Oesterreich? Nach dem Seuchenausweis vom Juli 1890 findet sie sich noch in 940 Höfen(Ungarn ist nicht mit- gerechnet); in Niederösterreich in 70, in Salzburg, also unmittelbar an unserer Grenze in 20, in Böhmen in 63, in Mähren in 125 Höfen Es wäre also geradezu sträf licher Leichtsinn, die Grenze aufzumachen. Die Lungenseuche herrscht in Cisleithanien gegenwärtig noch in 56 Höfen, in Niederösterreich in 7, in Böhnen in 25, in Mähren in 40 Höfen, die Aufhebung der Sperre würde also eine nochmalige Erhöhung der Fleischpreise be- deuten. Die Vorwürfe agrar politischer Bestrebungen sind ebenso unstichhaltig; die Grenzbewohner haben der Regierung keine Vorwürfe zu machen, und der Schmuggel trägt nicht zur Verschleppung der Seuchen bei. Es wird demgemäss folgende Resolution vorgeschlagen.„Die Wanderversammlung bayerischer Thierärzte erklärt: Die an der deutschen Ostgrenze von Seite des Reichs ergriffe- nen Vieheinfuhrs- und Viehverkehrsbeschränkung sind nicht nur zur Verhinderung der Finschleppung der Rinderpest, sondern auch zur Hintanhaltung der Einschleppung und Weiterverbreitung anderer höchst schädigender Thierseuchen; insbesondere der Lungenseuche, der Maul- und Klauen- seuche vom veterinär-ärztlichen Standpunkt aus umsomehr
im vollen Umfang aufrecht zu halten, als der Seuchenaus- weis unserer östlich direct angrenzenden Nachbarländer fortdauernde Gefährdung unseres deutschen Viehstandes unzweifelhaft darlegt.“— Kreisthierarzt Auer-München und Bezirksthierarzt Gotteswinter-Regensburg bitten um wöglichst einstimmige Annahme dieser Resulution.— Die- selbe wird einstimmig angenommen.— Damit sind die Berathungsgegenstände erschöpft.— Landesthierarzt Zeilinger fordert die Versammlung auf, zum Pank für die treffliche Leitung der Versammlung durch den Herrn Hofrath Hahn sich von den Sitzen zu erheben.(Geschieht.)
— Studentische Festlichkeiten aus Anlass der Säcularfeier in Berlin. Am Abend des 30. Juli hatten die Militär-Ross-
arzt-Eleven in der Tonhalle einen Festcommers ver-
anstaltot, der, ohne dass vorher mehr als die Ankündigung des Commerses in die Oeffentlichkeit gedrungen war, die Erwartungen aller Theilnehmer weit übertraf.
Bald nach 7 Uhr fanden sich bereits die ersten Fest- theilnehmer in dem festlich geschmückten Saale ein, dessen Wände mit den umkränzten Bildnissen der Professoren Naumann, Gerlach, Gurlt, Spinola, Erdmann, Gerlach, Hartwig, Köhne, Roloff und Hoffmeister geschmückt waren. Unter den Ehrengästen und Festtheil- nehmern bemerkte man Major von Keller, Rittmeister Frei- herr von Hollen, Premier-Lieutenant von Winterfeld, ferner die Herren Dr. Beyer-Wien, Berdez-Bern, Dr. Dammann-Hannover, Dr. Ellenberger-Dresden, Dr. Esser-Göttingen, Fricker-Stuttgart, Dr. Lustig- Hannover, Lüpke-Stuttgart, Dr. Pütz-Halle, Dr. Pusch- Dresden, Dr. Lydtin-Karlsruhe, Dr. Siedamgrotzky- Dresden, Dr. Wittmack-Berlin, das Lehrercollegium der thierärztlichen Hochschule zu Berlin, zahlreiche Corpsross- ärzte und Oberrossärzte, sowie Departemehts- und Kreis- Thierärzte. Auf den Galerien hatte ein stattlicher Damen- flor Platz genommen.
Das Präsidium war in den Händen der Herren Drägert, Müggenburg und Schröder. Nach Eröffnung des Com- merses gedachte zunächst Herr stud. Müggenburg in vor- treff lichen Worten des Kaisers.
Bald darauf erhob sich Herr Drägert um in schön durchdachter Rede ein Bild von der Entwickelung der An- stalt vom Jahre 1790 bis zur Gegenwart zu geben. Am Ende der Rede hob sich der Vorhang auf der Bühne, wo ein vortrefflich dargestelltes lebendes Bild, eine Hul- digung für die Alma mater sichtbar wurde: Ein Genius reicht der Wissenschaft den Lorbeer, während Studirende in Wichs und Eleven und Rossärzte in den verschiedenen Uniformen aus dem letzten Jahrhundert sich um den ersten Theil des Bildes malerisch gruppirt hatten.
Es braucht wohl kaum hervorgehoben zu werden, welch stürmischer Beifall den darstellenden Personen zu Theil wurde.
Dann wechselten Lieder mit den üblichen mehr officiellen Ansprachen, von denen die auf die Docenten von Herrn Schröder, auf die Gäste von Herrn Schiel, auf die Damen von Herrn Plates, auf die Gastgeber von Herrn Dr. Klee hervorgehoben sein mögen. Im Namen der alten Herren bedankte sich Herr Corpsrossarzt Lusenski, wäh- rend Herr Dr. Dieckerhoff im Namen der Pocenten sprach.
Als dann die sog. Fidelitas eintrat, war noch für eine weitere schöne Ueberraschung gesorgt. Zunächst kam der lustige Einakter„Kurmärker und Pikarde“ und später „Dr. Kranich's Sprechstunde zur Aufführung. Der réiche Beifall, welcher hierbei von der fröhlich gestimmten Fest- versammlung den Darstellern zu Theil wurde, war ein wohl verdienter. Unsere jungen Collegen vom Militär haben hier gezeigt, dass sie noch eine gesunde Auffassung von studen- tischem Leben haben und dass ihnen unter der Uniform


