15. Septem ber.
Thiermedicinische Rundschau ete.
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der Sinn für echt akademisches Leben nicht verloren ge- gangen ist. Nach dem einstimmigen Urtheil der zahlreichen Festgäste gebührt dem von den Militärrossarzteleven ver- anstalteten Festeommers der erste Platz unter den studen- tischen Festlichkeiten jener Tage.
Dem Festcommers folgte am 31. Juli im Architekten- hause ein Frühschoppen.
Von dem studentischen Festeomité der thierärztlichen
eingetroffenen Theilnehmer im Architektenhause vorgesehen.
Die etwa 900 Mark betragenden Kosten derselben sollen aus dem Ueberschuss für das Gerlach-Denkmal bestritten werden.
Da die Zeit der Enthüllungsfeier für das Gerlach- Denkmal inzwischen herangekommen war, so musste die Sitzung geschlossen werden.
— Per X. internationale medicinische Congress
war nach der letzten Zusammenstellung der Zahl der Mit-⸗ Hochschule war am 30. Juli abends eine Begrüssung der
Fheilnehmern besucht.
Am 31. Juli abends fand dann der grosse Fest-
commers in der„Philharmonie“ statt, der im Wesent- lichen von anderen grossen Biercommersen sich nicht unter-
schied und dem auch vor Allem jede für den gegebenen
Anlass erforderliche Weihe fehlte, wie sie bei den Militär- rossarzteleven in so erhebender Weise sich geltend machte. Das Hoch auf den Kaiser wurde von Herrn Dr. Klee aus- gebracht, während Herr cand. Marks die Festrede hielt. Herr cand. Sauer begrüsste die erschienenen Professoren, was der Rector Prof. Schütz mit einem Hoch auf die Studentenschaft erwiderte. Auch der Ehrengäste, des thierärztlichen Standes und der Damen wurde gedacht.
Am 1. August bildete die grosse Festfahrt der Stu- direnden den Schluss der akademischen Feierlichkeiten. Aehnlich wie bei der Hochschulfeier wurde der Zug durch einen Herold eröffnet, dem das Musikcorps der 2. Garde- Artillerie theils in der Tracht der Seydlitz'schen Kürassire, theils in der Tracht der Ansbach-Bayreuther Dragoner folgte. Ein zweites Musikeorps war in altdeutscher Lands- knechtentracht erschienen. Die farbentragenden und nicht farbentragenden Studirenden, die Turnvereine, Gesang- vereine hatten sich in verschiedenen Gruppen dem Zuge angeschlossen, der im Ganzen aus 120 Wagen bestand. Im Kronprinzenzelt beschloss ein Frühschoppen auch diesen Theil der Feierlichkeit.
— Sitzung der Centralvertretung der thierärzt- lichen Vereine Preussens in Berlin).
Die Sitzung fand am 30. Juli vormittags statt. Der
Vorsitzende Prof Pütz macht zunächst einige Mittheilungen
über die Thätigkeit des Vorstandes seit der letzten Ver- sammlung. Bezüglich der Stellung der Militärthierärzte hatten der Vorsitzende und dessen Stellvertreter eine Audienz bei dem Herrn Kriegsminister von Verdy gehabt, in welcher Se. Excellenz thunlichste Berücksichtigung der Wünsche zusagte. Bezüglich der Gestattung des Tragens von Civilkleidern seitens der Militärrossarzteleven war in- zwischen ein diesbezüglicher Erlass ergangen. Die Ver- sammlung beschloss aus diesem Anlass durch ihren Vor- stand dem Herrn Kriegminister Dank aussprechen zu lassen.
Bezüglich Erhöhung des Ranges der Kreisthierärzte und Erlass einer neuen Taxe konnte mitgetheilt werden, dass beide Angelegenheiten in dem betreffenden Ministerium für Landwirthschaft in Erwägung genommen sind und gleichzeitig mit der damit in Zusammenhang stehenden Er- höhung der Gehaltsverhältnisse der Beamten überhaupt und Erlass einer Taxe für Aerzte zur Ausführung kommen sollen.
Die Beiträge für das Gerlach-Penkmal sind, wie der Vorsitzende weiter mittheilte, in einer solchen Höhe ein- gegangen, dass aus dem vorhandenen Ueberschuss noch eine Ausschmückung des Platzes und Anfertigung eines Gitters um das Denkmal erfolgen konnte.
Aus Anlass der Säcularfeier war vom Vorstande be- schlossen worden, den Glückwünsch aller preussischen thierärztlichen Vereine in einer Votivtafel zu überreichen.
¹) Da uns oftcielle Mittheilungen über den Inhalt der Verhandlungen nicht zugegangen sind, können wir nur An- gaben bringen, die politischen Zeitungen und mündlichen Mittheilungen entnommen sind. Der Herausgeber.
glieder und Theilnehmer von 5737 Mitgliedern und 143 Von Amerika waren 746, von Russ- land 429, von Grossbritannien und Irland 358, von Oester- reich-Ungarn 262 Mitglieder betheiligt Auch 14 Aerztinnen nahmen am Congresse theil. Von Phierärzten betheiligten sich am Congresse die Herren Veterinärassessor Beiss- wänger aus Stuttgart, Professor Dr. Ellenberger aus Dresden, Prof. Dr. Schütz aus Berlin und Privatdocent Dr. Schneide- mühl aus Kiel.
— Anlässlich der Erhebung der königlich-säch-
sischen Thierarzneischule zur Hochschnle hatten, wie
nachträglich bekannt wird, auch drei Vertreter des Aus- schusses der Studirenden die hohe Ehre, Sr. Majestät dem Könige den Dank der gesammten Studentenschaft dar- bringen zu dürfen.
— Bezüglich der Anstellung von Schlachthaus- thierärzten sind vor einiger Zeit behördliche Erlasse er- gangen, die, wenn auch zunächst nur für einen bestimmten Bezirk von unmittelbarer Wirkung, doch auch für weitere Kreise Interesse haben. Nach einer Entscheidung des Herrn Oberpräsidenten von Westfalen sind die Schlachthausverwalterstellen nicht solche, welche den Mili- täranwärtern bedingt oder unbedingt vorzubehalten sind, da für Anstellung des Schlachthausverwalters in den meisten Fällen eine besondere wissenschaftliche Qualificeation, ins- besondere diejenige eines approbirten Thierarztes erforder- lich ist. Nach einer anderen Verfügung der königl. Re- gierung zu Arnsberg ist der Schlachthausverwalter Ge- meindebeamter und deshalb pensionsberechtigt und auf Lebenszeit anzustellen.
— Bekanntlich wird seitens einzelner Apotheker ein
sehr grosser Handel mit zusammengesetzten Thierheilmitteln
getrieben. Die Recepte dazu holen sie häufig aus alten Büchern über Thierheilkunde Bisher ist dagegen wenig geschehen. Um so auffälliger ist eine uns zugegangene Anzeige der„alten Apotheke in Plauen i. V.“, in der wörtlich zu lesen ist:„Hauptdepot der von der Apotheke der königlichen thierärztlichen Hochschule zu Presden gefertigten Specialitäten, wie: Drusenpulver, Fluid, Kolik- pillen, Koliktropfen, Hufsalbe u. s. w.“ Obwohl die thier- ärztliche Hochschule mit der mit ihr in Verbindung stehenden Apotheke an sich nichts zu thun hat, glauben wir doch, dass, falls nicht überhaupt eine missbräuchliche Bezeichnung in obiger Anzeige vorliegt, seitens der Hoch- schule in Dresden Schritte gethan werden, um ähnliche Anzeigen zu verhindern. Wir haben von dem Vorkommniss hier Vermerk genommen, weil es sich bereits um eine öffentliche, durch jene Anzeige sehr verbreitete Angelegen- heit handelt.
— Bei Vornahme von Sectionen bei Thieren, die unter milzbrandverdächtigen oder rotzverdächtigen Erschei- nungen gestorben sind, ist nach den ergangenen Bestim- mungen besonders erforderlich, die betheiligten Hilfs- mannschaften, welche von der Polizeibehörde zu stellen sind, auf die nöthige Vorsicht aufmerksam zu machen.
PEine Unterlassung dieser Vorsichtsmassregel kann bei Er- krankung der betreffenden Hilfspersonen an einer der ge- nannten Krankheiten den betreffenden beamteten Thierarzt bezw. den Vertreter der Polizeibehörde leicht in die Lage bringen, wegen fahrlässiger Körperverletzung oder fahr- lässiger Tödtung unter Anklage gestellt zu werden Ein jüngst in der Provin? Sachsen vorgekommener Fall, wo 48*


