15. September.

PThiermedicinische Rundschau etc.

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Um an dem Ziel zu steh'n, muss man die Bahn durch- messen; oder auch in der bescheidenen Meinung, bei allem Fleisse den Zweck doch noch erreichen zu können. Dieser entschuldbaren Zaghaftigkeit möchte ich die Ver- sicherung entgegenhalten, dass billigerweise nicht verlangt werden wird, dass wir Veteranen jedesmal den ganzen Pro- cess verfolgen, aus dem sich ein wissenschaftlicher Lehr-

satz oder eine practische Errungenschaft erwickelt, sondern

nur gefordert wird, die Wege der Forschung und deren Ergebnisse, soweit sie anerkannt sind, kennen zu lernen und zu verwerthen. Dieses Ziel dürfte aber wohl jedem Collegen, der Anhänglichkeit an seinen Beruf hat, durch Benutzung der Literatur erreichbar sein und selbst das Gebiet der Bacteriologie wird, soweit die Linie ihres prac- tischen Nutzens gezogen ist, gangbar erscheinen. Freilich bietet in diesem Zweige die Unterweisung eines Geübten eine grosse Prleichterung, die Jeder nach Möglichkeit be-

nutzen sollte und wozu ja auch die hiesige Lehranstalt

durch Einrichtung eines Uebungscurses in anerkennens- werther Weize die bilfreiche Hand bietet. Ausserdem ist auch der persönliche Verkehr mit strebsamen Fachgenossen im weiteren Sinne ein ebenso angenehmes als wirksames Mittel zur Fortbildung.Es giebt Keinen, der nicht in irgend etwas der Lehrer des Anderen sein könnte, sagt Gratian. uns beschäftigenden Vorkommnisse, welche ausser ihrer Mannigfaltigkeit an sich, auch nach Ort und Zeit ihres Auftretens sowie nach der Individualität der betreffenden Thiere interessante Verschiedenheiten zeigen, erweitert

unsere Kenntniss, berichtigt oder bestätigt und vertieft

unser Urtheil. Der Besuch von Thierausstellungen infor- mirt uns am besten über die Bewegungen, welche sich in dieser Richtung des landwirthschaftlichen Betriebes geltend machen und befähigt uns, ebensowohl aus den thatsäch- lichen Wahrnehmungen dieser Art greif bare Zielpunkte für die Zuchtbestrebungen in unserer Wirkungssphäre aufzu- stellen, als mit Hinweis auf die massgeblichen Verhältnisse, unter denen bevorzugte Züchtungsergebnisse entstanden sind, auch die Wege anzugeben, auf welchen sie in den unserer Influenz zugängigen Kreisen erreichbar sind und giebt dem Urtheile über Zuchterfolge einen höheren Massstab. Zu den Mitteln der Fortbildung dürfte Aufzeichnung wichtiger Befunde bei der Untersuchung kranker und todter Thiere zu rechnen sein; solehe Notirungen aus einem grösseren Zeitraume, verglichen mit den gleich- artigen Darstellungen in der Literatur, führen zu einer klaren Auffassung der Beobachtungen und schützen davor, aus vereinzelten, dem Gedächtnisse anvertrauten Erfahrungen generalisirte Folgerungen zu machen, die nicht vollkommen zutreffend sind. Auf diesem Wege gesammelte Materialien würden dann, durch die Fachzeitschriften veröffentlicht, auch einem grösseren Kreise von Collegen zu Gute kommen und für die theoretische Fachwissenschaft nützlich werden Die Fortbildung der Fachwissenschaftszweige in academischer Richtung kommt zwar den Lehranstalten zu, diese sind jedoch für einige von jenen in Ermangelung aus- reichender Beobachtungsgelegenheit auf die entsprechende Mitwirkung der Practiker angewiesen, der wir uns nicht entziehen dürfen, und falls es sich um belangreiche Be- funde bei Sectionen handelt, am besten dadurch bethätigen, dass wir die bezüglichen Objecte der Lehranstalt zugehen lassen. Auch wenn wir uns deren sichere Beurtheilung zutrauen, ist doch eine Bestätigung unserer Ansicht nicht ohne Bedeutung, sicherlich befriedigend, eine Berich- tigung aber von grossem Werthe. Correferent war: Docent an der thierärztlichen Hochschule Schlampp. Obwohl, führte Redner aus, die Zukunft an die Thierärzte sehr hohe Anforderungen stellt, haben wir keine Ursache, kleinmüthig und verzweifelt zu sein; denn wir müssen auch uns be- fleissigen in die medicinische Wissenschaft einzudringen, sie zu verwerthen und sie zu vermehren. Wenn wir ein

Der Austausch von Wahrnehmungéen über die

endlich auch die

wenig auf die Geschichte der veterinärärztlichen Wissen- schaft zurückgehen, so ist der Anfang derselben in der Mitte und zu Ende des vorigen Jahrhunderts zu suchen. Alles verlangte damals nach rationeller Wirthschaft, Land und Regierung verlangten gleichmässig nach durchgebil- deten, ihrer Aufgabe gewachsenen Thierärzten. Ueber die Beschaffung derselben herrschten die verschiedensten An- sichten; die einen meinten die Landchirurgen, die anderen PLandwirthe, welche Vorstände landwirthschaftlicher Schulen seien, hätten die Befähigung hierzu. Uebergehen wir dieses Vorbereitungsstadium und kommen zur heutigen Vor- bildung der Thierärzte, so müssen wir sagen, dass die

heutige Vorbildung eine ungenügende ist Die Thierheil- kunde ist genau so eine Wissenschaft wie die Medicin, die Naturwissenschaften, die Forstwissenschaft. Deswegen ist auch für die Thierheilkunde das Absolutorium eines Gym- nasiums Erforderniss zu diesem Studium. Dass dies bis heute noch nicht der Fall war, hatte seinen Grund in Opportunitäts-Erwägungen. Man fürchtete einmal, dass

der Andrang zum Studium geringer, also der Bedarf an Thierärzten nicht mehr gedeckt werden könnte, dass die Privatpraxis ihren Mann nicht ernähre und dass die be- amteten Thierärzte pragmatisch werden müssten. Diese letztere Sorge gehört der Zukunft an; es wäre einer wohl- wollenden Gesetzgebung zu empfehlen, darauf Rücksicht zu nehmen Wohl wird das Erforderniss des Reifezeugnisses eines humanistischen oder Realgymnasiums für die nächste

Zeit auf Grund der autoritativen Erklärung im preussischen

Abgeordnetenhaus vom 30. Januar d. J. nicht zu erwarten

sein. Andererseits aber ist es den Bundesregierungen über-

lassen geblieben, dass Maass von Vordurchbildung, welches sie von den thierärztlichen Beamten verlangen, selbst zu

bestimmen. Auf diesem Gebiete lässt sich etwas erreichen,

aber nur allmählich, genau so, wie es bei der Reorganisa- tion der Forstwissenschaft der Fall war. Als Mittel zur besseren Fortbildung der Collegen macht nun Redner ver- schiedene Vorschläge; als erstes zieht er die Schaffung von wissenschaftlichen Lesezirkeln in kleinerem Kreise an; ferner ist das Studium der an die Centralstelle erstatteten Jahresberichte sehr belehrend, da Auszüge aus den Be- richten und Gutachten aller Vereine darin veröffentlicht werden. Die Sammelforschungen, worin klinische Streit- fragen insbesondere auf die Tagesordnung gesetzt und be- antwortet werden, haben hohen Werth. Das beste Mittel jedoch ist die Hebung des thierärztlichen Vereinswesens, das gleichzeitig ein feiner Regulator zur Wahrung der thier- ärztlichen Standesehre ist. Dazu genügen aber nicht die Kreis- vereine mit ihren jährlichen Generalversammlungen, sondern es müssen Gauverbände zu engerem collegialen Anschluss gegründet werden, wie solche in Schwaben und Mittel- franken bereits bestehen. Dies bringt aber naturgemäss den innigeren Anschluss an die Humanärzte mit sich, der ganz besonders fruchtbringend wirkt, ein Moment, der auch zu einer ausgiebigeren Benutzung der vorhandenen Lehrmittel insbesondere in klinischer Pathologie, Anatomie und Bakteriologie führt. Das muss aber zur Gründung von Seuchenversuchsstationen gelangen lassen, wie eine solche bereits hierorts besteht. Bei dieser Gelegenheit tritt der Vortragende dem weitverbreiteten Irrthum entgegen, als ob geimpfte Seuchen nicht dasselbe Bild bieten, wie die natürlichen. Das sei nicht der Fall. Auch der Besuch von Feriencursen biete Gelegenheit zu neuer wissenschaft- licher Anregung. Das sind die Mittel und Wege, welche die Thierärzte zu ihrer Fortbildung einschlagen müssen, eingedenk des nun an der thierärztlichen Hochschule prangen- den Wahlspruches: nunquam retrorsum; impavidi progre- diamur! In der hieran sich schliessenden kurzen Pr- örterung stellt Bezirksthierarzt Drechsler-München den Antrag auf Gründung einer von den bayerischen Thierärzten herausgegebenen wissenschaftlichen Centralbibliothek, da die beamteten Thierärzte mit den Humanärzten, den Natur-

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