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viehpreise sowie die Fleischpreise bleiben sehr hoch. Der Vichhandel mit Nutzvieh und der Schweinehandel waren recht lebhaft.
Viehseuchen in anderen Ländern des deutschen Reiches.
Baden. Juni 1890. Milzbrand 11 und Rausch- brand 10 Fälle; Maul- und Klauenseuche: 10 Be- stände mit 137 Rindern und 2 Schweinen; Bläschen- ausschlag: 38 Bestände mit 233 Rindern und Räude: 12 Bestände mit 709 Schafen.
Pfalz. Inni 1890. Milzbrand und Rotz je 1 Fall; Bläschenausschlag 11 und Influenza der Pferde 2 Fälle; Maul- und Klauenseuche: in 1 Gehöft.
Württemberg. Juni 1890. Milzbrand 23, Rausch- brand 3, Rotz 3, Maul- und Klauenseuche 705, Bläschenausschlag 47 und Schafräude 531 Fälle.
Hessen. Juni 1890. Milzbrand 4 Fälle; an Maul- und Klauenseuche sind in 39 Gehöften 178 Rinder, 82 Schweine, 264 Schafe und 2 Ziegen erkrankt; Bläs- chenausschlag in 2 und Schafräude in 10 Ortschaften.
Vichseuchen im Auslande.
Schweiz. Juli 1890. Rauschbrand 85 brand 31, Rothlauf 98 und Lungenseuche 2 Fälle; an Maul- und Klauenseuche sind in 33 Stallungen und 19 Weiden 1794 Stück Rindvieh erkrankt
Oesterreich-Ungarn. Vom 15. Juni zum 15. Juli 1890. Lungenseuche in 54, Rotz in 30, Beschäl- seuche in 13, Maul- und Klauenseuche in 289, Schafpocken in 2, Milzbrand in 3, Rauschbrand in 4, Rothlauf in 59, Pferderäude in 8 und Schaf- räude in 24 Ortschaften.
Italien. Vom 2. Juni zum 6. Juli 1890. Milz- brand 175, Rauschbrand 13, Rotz 21, Schafräude 37, Rothlauf 385, Schafpocken 100, Lungenseuche 5, Maul- und Klauenseuche 573 und Tollwuth 5 Fälle.
Rinderpest.
In Afrika, in Wituland, soll die Rinderpest ver- heerend aufgetreten sein.
Schweineseuche.
In Grossbritannien Von Ende März pis 14. Juni 1. J. sind 1119 neue Ausbrüche dieser Seuche constatirt worden; erkrankt sind 6359 Schweine. Von diesen wurden 2771 getödtet, 2595 gingen ein, 297 genasen und 696 waren beim Berichtsschluss noch am Leben. Der Landesthierarzt, F. Imlin.
Tagesgeschichte.
— Gelegentlich der Feierlichkeiten in München fand daselbst auch eine Wanderversammlung bayerischer Thierärzte statt, über deren Berathungen wir Nachfolgen- des mittheilen:
Hofrath Hahn eröffnete die Sitzung mit einer kernigen Ansprache, worin er betonte, dass in richtiger Erkenntniss des Umstandes, dass zur Jubelfeier der Centralthierarznei- schule die 3 Factoren theilzunehmen haben, die Lehrer, die Schüler und die aus der Schule Hervorgegangenen, die 8 thierärztlichen Kreisvereine sich vereinbart haben, eine Wanderversammlung aus Anlass der Centenarſeier einzu- berufen. Die Vorbereitungen hat der Münchener thierärz- liche Verein übernommen und es ist ihm gelungen, alle aus der Schule Hervorgegangenen zu laden, mit Ausnahme derjenigen, welche an anderen Schulen ihr Apsolutorium machen mussten.— Hierauf wurde zur Wahl des Prä. Sidiums geschritten und gewählt: zum Ehrenpräsidenten der älteste anwesende College Bezirksthierarzt Gottese
Thiermedieinische Rundschau etc.
1890. No. 24.
winter aus Regensburg, zum Präsidenten Hofrath Director Hahn und zu Beisitzern die Herren des Localcomités.— In der Tagesordnung erstattete zunächst Bezirksthierarzt Maisel aus Gerolzhofen Bericht über das Thema: die Fort- bildung der Thierärzte. Derselbe führte u. a. aus: 8o nothwendig eine angemessene Vorbildung— als welche nur die Universitätsreife gelten kann— für das thierärzt- liche Fachstudium ist, ebenso unerlässlich muss diesem die eifrige Fortbildung folgen um jederzeit Anspruch auf die Nigenscheft der Berufstüchtigkeit machen zu können, ja sie ist sogar noch wichtiger als erstere. Während eine mangel- hafte Vorbildung bei guten Talenten durch nachträglichen Fleiss in vielen Punkten ergänzt werden kann— wofür uns sehr hervorragende Fachgenossen den Beweis geliefert haben—, finden wir kein Beispiel davon, dass Männer mit vollendeter Vorbildung, welche aber den Fortschritten der Wissenschaft nicht gefolgt sind, beachtenswerthe Leistungen aufzuweisen haben. Die rastlosen Fortschritte der Naturwissenschaften und speciell der Medicin ver- grösserten und veränderten das medicinische Arbeitsfeld sowohl hinsichtlich des Studiums als der practischen Thätig- keit So wesentlich, dass jeder Fachgenosse, der jene auch nur kurze Zeit aus den Augen verlor, den Eindruck der Berufsentfremdung empfinden musste, sobald er sich ihnen gegenübergestellt sicht. Solche Begegnungen sind aber ganz unvermeidlich; unsere Kundschaft ist in Folge ihrer eigenen Fortbildung auch nicht mehr so pescheiden in den Ansprüchen, welche sie an den Thierarzt stellt, dem sie ihr Vertrauen schenken soll, wie vor zwanzig und mehr Jahren. Wer jetzt noch eine Wunde ebenso wie vor diesem Zeitraume behandeln, oder eine Impfung ohne antiseptische, bezw. aseptische Kautelen ausführen wollte, würde schon bei einem aufmerksamen Zeitungsleser sein Renommé in Gefahr bringen und sich das Prädicat eines zurückgebliebe- neu Thierarztes zuziehen. Das Uebersehen von Parasiten, soweit sie bereits bekannt, aber mit blossem Auge nicht zu erkennen sind, würden gebildete Landwirthe nicht damit entschuldigen lassen, dass ihre Entdeckung hinter der Studienzeit des betreffenden Thierarztes liegt und ganz all- gemein wird eine vollkommene Vertrautheit mit vielen anderen. geringfügigeren Neuerungen, z. B. der Anwendung der Anästhesie, der subeutanen und intratrachealen Injes- tionen ohne Weiteres vorausgesetzt, weil deren Aneignung im Wege der Fortbildung als selbstverständlich gilt. Der thierärztliche Sachverständige, der sein äutachten vor Gericht nicht bloss diesem, sondern auch den betheiligten Fachgenossen gegenüber vertreten muss, kann sich nicht darauf berufen, dass zu seiner Zeit die heutige Unter- suchungsmethode, die Anwendung des Mikroscops, des Augenspiegels und dergleichen noch nicht gelehrt und geübt worden ist; hat er wesentliche Lücken in seinen Kennt- nissen nicht durch eigenen Fleiss ausgefüllt, so muss er sich unter Umständen den beschämenden Vorwurf gefallen
lassen, dass seine Expertise keinen Werth hat, weil sie dem
Standpunkte der Wissenschaft nicht entspricht. Eine ver-
säumte Fortbildung würde aber nicht bloss diese, mehr privaten Verhältnisse sehr ungünstig beeinflussen, sondern
könnte gegebenen Falles auch die Stellung eines amtlichen
Thierarztes wesentlich erschüttern, wenn sie wiederholt zu
unrichtigen Constatirungen geführt hätte,— und endlich
auch den Bestrebungen für Hebung der Standesinteressen
ein nachdrückliches Hinderniss entgegenstellen, insofern
derartige Erscheinungen zahlreich wären. Niemand wird
verkeunen, dass es für ältere Collegen zuweilen Schwierig-
keiten hat, sich mit der rastlos vorschreitenden Wissen-
schaft auf dem Laufenden zu erhalten und deshalb Mancher
zaudernd pausirt; ich glaube aber auch annehmen zu
dürfen, dass dies oftmals nicht aus Scheu vor der Mühe
geschieht, sondern vielleicht eingedenk des Rückert'schen
Verses:„Gar vieles lernt man, um es wieder zu vergessen“;
aber nicht eingedenk des darauffolgenden Ausspruches:


