282 Thiermedicinische Rundschau etc.
1890. No. 24.
ehrung bekundete, von der man allerseits in thier- ärztlichen Kreisen für dieselben erfüllt ist.“
Mögen denn die Feierlichkeiten zu Berlin und Mänchen in erhöhtem Masse dazu beitragen, der thierärztlichen Wissenschaft und dem thierärzt- lichen Stande weitere Anerkennung zu verschaffen und die bisherige zu befestigen.
Arzneimittellehre. Zur Wirkung des Saccharins. Von Fr. Jessen. (Arch. f. Hyg. 1890, Hft. 10.)
Auf Veranlassung von Prof. Lehmann hat Verfasser die allgemeinen Figenschaften des Saccharins, ferner die Frage, ob dasselbe beim Gebrauch schädlich sei und ob es antibakterielle und antifermentative Eigenschaften besitzt, studirt. Er verwandte das„leicht lösliche Saccharin“, das Natronsalz der Anhydroorthosulfaminbenzöesäure, von dem sich 1 Theil in 1,826 Theilen Wasser löst, während das reine Saccharin 2,59 Theile erfordert. Das letztere ist 360 mal süsser als der Bohr- und 300 mal süsser als der Rüben- zucker; das leichtlösliche Saccharin ist 304 mal süsser als Rohr- und 253 mal süsser als der Rübenzucker; letzteres reagirt neutral. Die beste Reaction ist die mittels des Geschmacksinnes,
Infectionskrankheiten.
Erfahrungen über die bakterientödtende Wirkung der Anilinfarben. Von Dr. Jul. Fessler, Assistent der chirurgischen Universitäts-Klinik München.(Münch. med Wochenschr. No. 25, 1890.
Angeregt durch Mittheilungen ¹) Stillings über diesen Gegenstand machte ich vor mehreren Wochen theoretische und practische Versuche mit wässrigen Lösungen des Methylvioletts, deren Resultate in mancher Hinsicht interessant sind:
Frische Kopfwunden wurden mit einer solchen Farblösung in der Concentration 1: 10000 leicht ausgewaschen, dann mit hydrophiler Gaze, die mit der gleichen Lösung angefeuchtet war, und Bruns'scher Watte verbunden; sie heilten in 4 bis 8 Tagen unter vollkommen trockenem Schorf ohne jede Reuetion.—
Bei einem jungen Manne, der schon früher eine Ne- krose des rechten Oberschenkelknochens gehabt hatte und unter leichtem Fieber und Schmerz in derselben Körper- gegend eine neue entzündliche Schwellung der Weichtheile bekam, wurde dieselbe fluctirende Geschwulst in einer Länge von 20 em eröffnet; an Stelle von Carbol und Sub- limat wurde obige Lösung für Instrumente, Hände, Irri- gation, Verband verwendet. Nach Spaltung der Weichtheile entleerte sich etwa ein Quart blutigseröser Flüssigkeit, die Staphylocoecen enthielt, aus einer faustgrossen mit fungösen Massen austapezirten Höhle, der Knochen war überall mit
derbem Gewebe überdeckt; das fungöse Gewebe, in dem
wobei die eine Verbindung noch in einer Ver- dünnung von 1: 90 000, das Natronsalz in einer
solchen von 1: 76 000 nachweisbar ist. Man extrahirt die getrocknete saccharinhaltige Substanz mit Aether, verjagt letzteren und nimmt mit Wasser auf. Schmeckt die Lösung süss, nachdem der Zucker auf bekannte Weise ausgeschlossen ist, so ist die Substanz saccharinhaltig.— Weder bei kräftigen Männern noch bei Kindern konnten während eines dreimonatlichen Gebrauches von 0,1— 0,2 g pro Tag irgend welche Andeutungen von schädlichen Folgen bemerkt werden. Auch bei einmaligen Gaben von 5 g traten weder beim Menschen, noch beim Thier nachtheilige Wir- kungen ein.
Die Ausnutzung der Nahrungsmittel, speciell der Milch, wird selbst durch grosse Dosen des leichtlöslichen Saccharin(„Saccharin solubile*) nicht beeinflusst; ebenso ist es ohne Finfluss auf die Verzuckerung der Stärke, aber von geringer verzögernder Wirkung auf die Peptonisirung des Fiweisses und theilt daher diese Figenschaften mit dem Zucker.
Durch das Saccharin purum wurden die Gärungs- und Fäulnisspilze in ihrer Lebens- thätigkeit mässig gehemmt, auf pathogene Pilze wurde kein Einfluss constatirt. Das leichtlösliche Saccharin wirkte nur auf die Milchsäurebacillen schwach hemmend ein.
sich mehrere linsengrosse necrotische Knochensplitter fanden, wurde durch scharfen Löffel enſfernt und die Höhle mit Knopfnaht geschlossen, der oberste Wundwinkel aber durch einen Streifen Silk offen erhalten. Der Verband bestand aus der Methylviolettgaze wie oben.
Nach vier Tagen trat allerdings am obersten Wund- winkel Eiterung auf, die aber, ohne Fieber, so geringfügig blieb, dass die Vereinigung der genähten Haut gar nicht gestört wurde und der Kranke nach 12 Tagen das Bett verlassen konnte.
Eiternde bis zum Knochen gehende Kopf- wunden mit gequetschten, missfarbenen Rändern (durch stumpfe Gewalt einige Tage früher ver- ursacht und nur nothdürftig oder gar nicht anti- septisch verbunden), wurden in mehreren Fällen auf bezeichnete Art ausgewaschen und unter Einlage eines Methylviolett-Gazestreifens in die Tiefe der Wunde, verbunden; immer trat fieber- lose Heilung ein in kurzer Zeit: einige Male ohne Reaction unter trockenem Schorf, in der Mehr- zahl aber unter geringfügiger, dicker Eiterung mit reichlicher Granulation; die Secretion war immer gering, so dass der Verband 5—8 Tage liegen bleiben konnte. Durch weiter unten er- wähnte Versuche mit Pilzculturen und Methyl- violett, die gleichzeitig im pathologischen Institut ausgeführt wurden, kam ich zu der Ansicht, dass die antiseptische Wirkung des Methylvioletts ge-
¹) Anilinfarbstoffe als Antiseptica und ihre Anwendung in der Praxis. Dr. J. Stilling, Professor an der Univer- sität Strassburg. Verlag von Carl Trübner, Strass- burg, 1890.


