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Thiermedicinische Rundschau ete.
1890. No. 23.
erkennung sich erweisen werden und ersuche seine Com- militonen, nach studentischer Sitte einen Salamander auf die Hochschule und deren Gönner zu reiben.
Nunmehr betrat Herr Hofrath Hahn die Redner- tribüne, wo sich bereits sämmtliche studentische Depu- tationen um die enthüllte neue Hochschulfahne gruppirt hatten, um in einer Ansprache das neue Hochschulbanner den Studirenden zu übergeben. Herr Hofrath Hahn wies auf die Bedeutung der Fahne hin, die, von den Thierärzten des Landes gestiftet, allzeit das Symbol der Zusammen- gehörigkeit sein solle und deren Inschrift:„Nunguam retrorsum, impavidi progrediamur“) stets der Mahn- ruf sein solle für die Studirenden der alma mater. Möge es sich jeder zur Pflicht und Ehre halten, die Fahne rein und frei von jedem Makel zu erhalten, möge durch sie der Wunsch der bayrischen Thierärzte zum Ausdruck ge- langen dass ein gemeinsames Band uns alle umschliesse und Freundschaft und Collegialität stets“ im Kreise der Thierärzte blühen und gedeihen mögen.
Als Zeichen der Anerkennung und des Interesses an dem Blühen und Gedeihen der Hochschule und ihrer Jünger sowie auch in dankparer Erinnerung an frühere Lehrer derselben wurden nun drei kostbare Fahnenbänder an dem Banner der Hochschule befestigt. Das eine Band war von den Frauen und Töchtern der Professoren der Hochschule, ein zweites von der Tochter eines früheren Professors(Niclas), ein drittes war von den beiden Töchtern des Professors Dr. Friedberger gestiſtet worden.
Herr cand. met. vet. Hirschbold dankte hiersuf unter dem jubelnden Beifall seiner Commilitonen den
payrischen Phierärzten für das schöne Geschenk sowie
den liebenswürdigen Stifterinnen der werthvollen Fahnen- bänder für ihre Zuneigung und Interesse. Mit Absingen des von Herrn cand. med. vet. Durber Mitglied der Vandalia) verfassten Bannerliedes, dessen letzter Vers folgenden Wortlaut hatte, war der schöne und erhebende Akt der Fahnenweihe beendet. „Kühn voran, wenn wir ermüden,
Führe uns in stolzer Pracht,
Führe uns zum Geistesfrieden,
Führe uns zur Geistesschlacht!
Und nun greifet zum Pokale,
Hebt ihn hoch und jubelt laut:
„Theu're Farben, Euch für alle
Zeiten sei mein Herz vertraut.“
Lautlose Stille trat im Saale ein, als sich bald nach- her der Vorsitzende erhob, um Herrn Staatsminister Frei- herrn von Feilitsch das Wort zu einer Ansprache zu ertheilen. In warmen Worten zollte Excellenz von Feilitsch dem Stande der Thierärzte als dewjenigen Anerkennung, der wie wenig andere berufen ist, den Wohlstand des Landes zu fördern und zu erhalten. In diesem Streben vereine sich das der Königlichen Staatsregierung. Diese werde stets die Hand dazu bieten, dass der Wahlspruch auf dem Banner der Hochschule„nunquam retrorsum, impavidi progrediamur“ möglichst geschützt und verwirklicht werde. Mit stürmischem Beifall wurde das von dem Herrn Staatsminister auf die Hochschule und ihren Lehrkörper ausgebrachte Hoch von der Festversammlung begleitet. Bald darauf erhob sich Herr Cultusminister Dr. von Müller, um zunächst auch seinerseits für die ihm zu Theil gewordene Einladung herzlich zu danken. Die studirende Jugend, führte der Herr Minister aus, habe grosse Freiheiten aber auch grosse Pflichten, die sie nie aus dem Auge verlieren müsse. Jeder Einzelne müsse sich stets als einen Theil eines grossen Ganzen petrachten, durch das allein er er-
¹) Diese Inschriſt, welche bekanntlich der vom Unter- zeichneten verfassten Schrift„Das thierärztliche Unterrichts- wesen Deutschlands“ als Motto vorgesetzt war, befand sich auch auf der ersten Seite des Festprogramms. Sch.
folgreich im Leben wirken und nützen könne. Das Fach- studium schliesse ein grossss Band um alle Berufsange- gehörigen und ermögliche es dem Einzelnen, wirksam den Ringkampf des Lebens zu bestehen. Mit dem Wunsche, dass der studirenden Jugend der jungen Hochschule eine glückliche Zukunft beschieden sein möge, brachte der Herr Redner derselben ein dreifaches Hoch aus, das mit nicht eudenwollendem Jubel begleitet wurde.— Erst nach längerer Zeit hatte die tiefe Begeisterung, welche die An- sprachen der Herren Staatsminister in der Versammlung hervorgerufen hatten, sich soweit gelegt, dass es Herrn Professor Fröhner gelang, in humoristischen Worten seinen Lehrer und Freund Professor Friedberger zu feiern. Später erhob sich der Unterzeichnete, um auf eines der hochbedeutsamsten Ereignisse des Festcommerses, der An- wesenheit zweier Staatsmintster und ihrer denkwürdigen Ansprachen erinnernd hinzuweisen auf die Bedeutung des echt studentischen und wahren Idealismus für das ganze spätere Leben des Finzelnen und für seine Mitwirkung bei den Bestrebungen des Standes Ohne jene schon in der Studienzeit erworbene Begeisterung für grosse Bestre- bungen wäre Manches im thierärztlichen Stande später nicht erreicht worden. Redner endete seine mit grossem Beifall aufgenommene Rede mit einem Salamander auf das deutsche Studententhum
Auch der Damenwelt wurde nicht vergessen und Herr cand. med. vet. Müller entledigte sich des Dankes an dieselben für ihr Erscheinen und langes Ausharren beim Feste in ebenso liebenswürdiger wie gewandter Art. Ohne die Blüthen und Blumen derselben, führte er aus, würde es oft an jeder Harmonie fehlen, wären die Männer oft knopflos, stets kopflos, ziellos, flanirend, restaurations- frequentirend. im Alter des Greises verlassene Waisen.
Es war spät geworden, als die Fidelitas begann und Herr Hellmuth noch immer wacker seines Amtes waltete. Manche Rede wurde noch gehalten, manch schönes Lied erklang noch ehe die letzten Theilnehmer dieses schönen Abends den Heimweg antraten.
Den Schluss der Feierlichkeiten bildete dann der Aus- flug auf dem Starnberger See nach Tutzing, von dem man nur sagen kann, dass er zu einem akademischen Fest in des Wortes schönster Bedeutung sich gestaltete.
Gegen 10 ½ Uhr versammelte sich die mehrere hundert Köpfe starke Festversammlung am Bahnhof, um in einer Stim- mung, wie sie nur die vorangegangenen Tage erzeugen konnte, nach Starnberg zu fahren. Hier war in dem Wittelsbacher Hofe bereits für die Aufnahme der Gäste gesorgt. Diese be- grüsste bald nach ihrem Eintreffen Herr Landstallmeister a. D. Deisinger aus Ansbach, welcher gerade zur Erholung in in jenem Orte weilte. Als dann die sehr heiteren Aus- flüger durch Speise und Trank sich gestärkt, wurde gegen 2 ½ Uhr auf dem prachtvoll eingerichteten neuen Salon- dampfer„Luitpold“ die Rundfahrt um den herrlichen Starn- berger-See angetreten. Manchmal zog dabei wohl durch den Geist einzelner Theilnehmer der Fahrt der Gedanke „0, Augenblick, verweile doch, es ist ja hier so schön.“ Gegen drei Uhr legte der Dampfer in Tutzing an, wo unter Vorantritt der Musik die Festtheilnehmer nach dem festlich geschmückten Tutzinger-Keller aufbrachen. Hier entwickelte sich nun bald ein Leben, wie es nur heitere Studenten und freudig gestimmte Mitmenschen miteinander hervor- bringen können. Fs war ein akademisches Sommerfest, wie es schöner kaum verlaufen konnte. Schneller, als man wünschte kam der Abend und die Abfahrtszeit herein. Ein Extrazug brachte die Festgesellschaft wieder nach München. Manch letzter Händedruck wurde gewechselt, ehe man sich, vielleicht auf Nimmerwiedersehn, trennte—
So sind die Festtage inchen vorübergegangen. Abhold jedes niederen Egoi jener kleinlichen Partei- politik und unangenehmen behums sahen wir in München Lehrer, Studiren“ prakiische Thierärzte sich


