1. Septemher.
Thiermedicinische Rundschau etc. 271
So habe sich die Influenza durchaus nicht als die harmlose Krankheit erwiesen, wie zu Beginn der Epidemie angenommen worden war. Es habe sich vielmehr gezeigt, dass schwere Complicationen sehr häufig seien, und dass schon vorher Kranke oder Geschwächte erheblich geschädigt werden können.
Nach Besprechung der Diagnose der In- fluenza, für welche der icterischen Verfärbung der Sclera und der Milzvergrösserung eine gewisse Bedeutung beigemessen wurde, berührt der Vor- tragende noch kurz die Therapie und schliesst mit der Bemerkung, dass die in dieser Pandemie an vielen Orten gemachten Beobachtungen über
Verschontbleiben der vom Verkehr Abgeschlosse-
nen einen Fingerzeig abgeben, in welcher Weise
zur Zeit einer Epidemie Solche, die durch die Influenza sehr gefährdet würden. vor der Krank- heit behütet werden könnten.
Futsprechend einem von 17 Mitgliedern ein- prachten und von der Versammlung angenom- wenen Antrage findet über diesen Vortrag keine Discussion statt.
Tagesgeschichte.
Centenarfeier und Hochschulfeier in München. (Schluss.)
Den Reigen der Trinksprüche beim Festessen eröffnete der Director der Hochschule Herr Hofrath Hahn, indem er in längerer, warm empfundener Rede der Huid und Gnade gedachte, mit der das bayrische Könighaus stets der Bestrebungen des thierärztlichen Standes sich ange- nommen und gerade heute diesen und die thierärztliche
lichen wissenschaftlichen Leistungen der Lehrer und Schüler der bayrischen Thierarzneischule sei dieselbe schon lange eine ächte Hochschule gewesen.— In ebenso humoristi- schen wie herzlichen Worten gedachte dann Professor Dr. Hutyra aus Budapest der gastlichen Feststadt München. Damit endete der Hauptfesttag, der nicht minder würdig vorbereitet wie ehrenvoll für den thierärztlichen Stand ver- laufen war. Die bayrischen Collegen haben ein Recht, mit Genugthuung auf denselben zurückzublicken.
Die akademische Weihe sollte das Fest jedoch erst durch einen von den Studirenden der Hochschule ver- anstalteten Festecommers erhalten, welcher am 29. Juli Abends in den zu diesem Zwecke vortrefflich geschmückten Sälen des Katholischen Casino stattfand. Während die Säulen des Saales mit grünen Laubgewinden umrankt waren, zierten die Gallerien die Wappenschilder der Studentenverbindungen mit Fahnen und Guirlanden. Den Glanzpunkt der Ausschmückung bildete jedoch die Bühne. Rings von grossen Zierbäumen eingerahmt, war in der Mitte unter einem Baldachin die Büste des Prinz-Regenten aufgestellt. Den Vordergrund der Bühne zierten die statt- lichen Banner der thierärztlichen Hochschule zu Stuttgart und die der freischlagenden Verbindung Cimbria. Zwischen diesen befand sich die von den Thierärzten Bayerns der nunmehrigen Hochschule gestiftete neue noch verhüllte Fahne.
Die Betheiligung an dem Commerse von Seiten d gegenwärtigen und früheren Schüler der Hochschule u der geladenen Gäste war eine so starke, dass schon se lange vor Beginn desselben alle Räume des Saales bi auf den letzten Platz gefüllt waren; selbst auf der Gallerie
hatte sehr früh ein stattlicher Damenflor Platz genommen. Die zahlreichen studentischen Deputationen von Berlin,
Wissenschaft ganz besonders geehrt habe. Begeistert
stimmte die Festversammlung in das am Ende der Rede auf den Prinz-Regenten Luitpold ausgebrachte Hoch ein. Bald darauf erhob sich Herr Professor Feser, um
die zahlreich erschienenen Ehrengäste zu begrüssen und
für ihr Erscheinen zu danken. Namens derselben ant- wortete Herr Cultusminister Dr. von Müller, um gleich- zeitig auszusprechen, dass die thierärztliche Hochschule
die ihr gewordene Auszeichnung durch ihre Leistungen
voll und ganz verdient habe Er sei überzeugt, die Hoch- schule werde sich ihrer Stellung stets würdig und verdient erweisen. Professor Pütz gedachte der beiden anwesenden Universitätsprofessoren Dr. von Voit und Dr. Bollinger, denen der thierärztliche Stand für ihr Wirken stets zu besonderem Panke verpflichtet sei. In einer ebenso fein durchdachten wie für die thierärztliche Wissenschaft ehren- vollen Weise dankte Obermedicinalrath Prof. Dr. von Voit
für die ihm und seinem Collegen zu Theil gewordene An- vollendeter Rede der Gäste, Gönner und Schützer der
erkennung. Die Hemmnisse, so führte er aus, welche
Menschen- und Thiermediein bisher trennten, seien längst geſallen. Gemeinsame wissenschaftliche Ziele hätten sie
längst vereinigt und was die der Mänchener Anstalt zu Theil gewordene Auszeichnung betrifft, so freue er sich derselben ganz besonders. Er hätte früher oft Lehrer an Hochschulen gekannt, die weit entfernt gewesen seien, ächte Hochschullehrer zu sein, dagegen oft Lehrer an Schulen gesehen, die noch keine Hochschulen waren und doch ächte Hochschullehrer waren. Bezüglich der Münchener Thierarzneischule brauche er wohl nur an den unvergesslichen Franck zu erinnern. Durch die vorzüg-
Stuttgart, Dresden und Hannover machten mit ihrem studentischen Wichs im Verein mit den Corporationen der Münchener Hochschule(freie Studentenverbindung Vandalia und Landsmannschaft Normannia) das Bild im Saale be- sonders bunt und echt studentisch.
Bald nach 8 Uhr waren sämmtliche Ehrengäste er- schienen, unter diesen die Herren Staatsminister Freiherr von Feilitzsch und Dr. von Müller, Landesthierarzt Regierungsrath Göring, Regierungsrath Bumm, sämmt- liche Professoren und Assistenten der Hochschule, Polizei- director Freiherr von Welter, Obermedieinalrath Dr. von Bollinger, Professor Dr. Osokor aus Wien, Professor Dr. Johne aus Dresden, Professor Fröhner aus Berlin, Privatdocent Dr. Schneidemühl aus Kiel u. 8. w. u s. w. Das Präsidium des Commerses führte bis zum Schlusse desselben in ganz vortreff licher Weise der Senior der freischlagenden Verbindung Vandalia Herr cand. med. vet. Hellmuth, unterstützt von den Herren Backmund, Hirschbold und Schneider.
Nachdem das erste allgemeine Lied„Sind wir vereint zur guten Stunde“ gesungen war, erhob sich Herr Hell- muth, um in schwungvollen Worten ein Hoch auf Se. Königl. Hoheit den Prinzen Luitpold auszubringen. Bald nachdem der stürmische Beifall, welcher den Worten des Redners gefolgt war, sich gelegt hatte, erhob sich Herr Hellmuth von Neuem, um in wohldurchdachter und form-
neuen Hochschule zu gedenken. Freudiger Gedanke und frohes Bewusstsein, führte er aus, bewege alle bei dieser hundertjährigen Stiftungsfeier, welche zu einem schönen Feste sich gestaltet habe und von dem alle Theilnehmer eine schöne Prinnerung mit nach Hause nehmen möchten. Ganz besonders freudig bewegt seien die Studirenden durch Einfügung ihrer Bildungstätte in die Reihe der Hoch- schulen. Die Studirenden werden stets zu beweisen be- strebt sein, dass sie würdig seien, als Hochschüler geachtet zu werden. Er(Redner) wolle an dieser Stelle das Gelübde niederlegen, dass sie würdig der ihnen erwiesenen An-


