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Thiermedicinische Rundschau ete.
1890. No. 23.
trikel, fortgepflanzie Meningitis cerebrospinalis,
grosse verkalkte Drüsen in dem Lungenhilus, eine grosse in kreidigen Brei umwandelte Supraclavi- culardrüse, Pseudotuberculose der Lungen und der Pleura vorgefunden wurden. In der Wand des Abscesses im Exsudate der Rückenmarkspia wurden isolirte, gruppirte und bis zu Büscheln vereinigte pilzliche Organismen nachgewiesen, die an ihrer eigenthümlichen Fadenbildung und Schein- verzweigung als Cladothrix erkannt wurden. Ganz gleiche Cladothrixfäden in noch viel reichlicherer Menge fanden sich in den frischesten Bildungen der Abscesswand, die in Form miliarer Zellherde von der Abscesswand in die benachbarte Gehirn- substanz ragten und in den frischen Infiltrationen der Pia des Halsmarkes.
Der Zusammenhang der gedachten Verände-
rungen im Gehirn und am Halsmarke mit den
vorgefundenen Cladothrixfäden war unzweifelhaft.
Da sich solche, wenn gleich auch als Stücke und
Leichen derselben, in den vorhin bezeichneten Drüsen nachweisen liessen, und die Veränderungen dieser ebenfalls als durch Cladothrix hervorgerufen
erachtet werden mussten, so war der Schluss ge-
rechtfertigt, dass die Cladothrixaffection der Drüsen als die primäre und die Affection im Gehirn und am Rückenmark als metastatische Veränderung
erachtet werden konnte, analog den Fällen, wo von primärer Drüsentuberculose aus sich meta- statische Tuberculose in entfernten Organen ent- wickeln kann.
Bei Darstellung der Cladothrixfäden in den
angeführten Veränderungen mittels der üblichen
Färbemethoden, wurde man der Figenthümlich- keit gewahr, dass sich der Inhalt der Fäden nicht gleichmässig, sondern stückweise färbte. Die einzelnen gefärbten Stücke glichen Körnchen und Stäbchen von sehr verschiedener Länge. Aber schon die ausserordentlich verschiedenen Dimen- sionen dieser gefärbten Gebilde liess die Ver- muthung, dass es sich um Coccen oder Bacterien handeln könnte, sofort von der Hand weisen. Es gelang aus dem Eiter des Gehirnabscesses und dem Exsudate der Rückenmarkspia die lado- thrix rein zu zůchten durch das Plattenverfahren, wobei Zuckerfleischpeptonagar als Nährlösung in Anwendung gebracht wurde. Auf Platten wuchs die Cladothrix aus in Form sehr charakteristischer Colonien, die die Form höchst zierlicher Sterne annahmen. An den älteren Colonien konnte ein dichtes aus einem Gewirre verzweigter Fäden be- stehendes Centrum und eine periphere Zone sehr
gewiesen werden.
So rein gezüchtete Colonien wurden nun auf die verschiedenen Nährböden übertragen, näm- lich auft Zucker-Agar, gewöhnlichen Agar, Blut⸗
gleichmässig gefärbt erscheinen, spricht dafür,
serum, auch auf Gelatine, auf Kartoffeln und in Bouillon, worauf sich für jede der Nährlösungen und Nährböden ebenso charakteristische Culturen heranzüchten liessen.
Aus diesem Qulturverfahren ergab sich auch, dass die Cladothrix ein entschieden aerober Mikro- organismus ist, der besonders gut, bei erhöhter Temperatur, bei Brütwärme, die die Körpertem- peratur erreicht, wächst und im Innern der Nähr- massen überhaupt nicht aufkommt. Längs Impf- stichen wächst nichts und nur am Eingange des Stichcanales giebt sich das charakteristische Ober- flächenwachsthum zu erkennen.
Die mikroscopische Untersuchung der Qulturen giebt immer gleiche Resultate, mag dieselbe an ihnen von diesem oder jenem Nährboden vorge- nommen werden. Am längsten und schönsten sind die Fäden und ihre Verzweigungen an frischen Culturen. Je älter die Qulturen, desto kürzer sind die Fäden und an diesen erkennt man die Zusammensetzung derselben aus verschiedenen langen Zellen, von denen die apicalen manchmal die Grösse und Form von coccengleichen Ele- menten annehmen, die doch nur würfelförmige 0,2 b grosse Zellchen darstellen. Ausserdem wer- den zwischen den langen und kurzen verzweigten Fäden unverzweigte kurze und längere Fäden und die gedachten würfelförmigen aber isolirten Gebilde geschen, von denen die Ersteren eine gleitende, die Letzteren eine sehr lebhafte wir- belnde Eigenbewegung besitzen.
Das Wachsthum und die Fortpflanzung unserer Cladothrix wurden mittels zweckentsprechender Methoden, vorzüglich an solchen den Bouillon- culturen entnommenen Samen studirt. Das Wachs- thum erfolgt von den einfachen länglichen und den würfelförmigen Zellen aus, indem dieselben in die Länge wachsen, sich bald zu zwei bis zu vier gruppiren und schon sehr bald die Schein- zweige bilden. Die basalen Enden sind gegen einander, die apicalen gegen die Peripherie ge- richtet. Durch fortgesetzte Verlängerung und Ver- zweigung bildet sich ein Sternchen. Solche Stern- chen vereinigen sich zu grösseren Sternen. die dann den auf den Platten gewachsenen Colonien gleichen.
Die Fortpflanzung erfolgt dadurch, dass die apicalen Zellen die Zellfäden verlassen, frei wer- den und in der oben gedachten Weise fortwachsen.
Die Zusammensetzung der Fäden aus Zellen von 4— 8 b Länge und würfelförmigen Elementen
von 0,2 b Kante, lässt sich namentlich an Haemo- deutlich unterscheidbarer, verzweigter Fäden nach-
toxylin- Fosinprãparaten erkennen, wogegen die Anwendung der Anilinfarben die Darstellung der Scheiden der Cladothrixfäden ermöglicht. Dass bei dieser Methode die Zellen in der Scheide nicht


