1. September.
Thiermedicinische Rundschau ete.
dass sie den Verkehr der Haut mit der Aussen-
welt beeinflussen, speciell die Perspiration und Secretion. Unna arbeitete in Gemeinschaft mit Mielck, zunächst experimentell über den ein- facheren Vorgang, die Perspiration. Als Modell für diese Verdunstungsversuche dienten Glas- trichter, welche mit der ganzen nur von Fett und Federn befreiten Haut von Hühnern bespannt waren und mit graduirten Röhren commueirten, an denen man die Mengen des durch die Häute verdunsteten Wasserdampfes leicht ablesen konnte. Wenn mittels desselben auch nicht über die Quan- tität der Perspiration der lebendigen Haut Auf- schlüsse erhalten werden können, so genügt das Modell doch vollkommen, um den Einfluss der in der Dermatotherapie gebräuchlichen Deckmittel, durch Vergleichung verschiedener Trichter zu er- mitteln. Dieselben werden den gleichen äusseren Verdunstungsbedingungen ausgesetzt, während einige mit den betreffenden Mitteln bedeckt, an- dere frei sind.
Die Fette setzen in den Unna'schen Ver- suchen die Wasserverdunstung in regelmässiger Weise herab und zwar Lanolin in höherem Grade als die Glycerinfette, obwohl Lanolin mit Wasser in hohem Grade mischbar ist. Ebenso verhält sich Glycerin, welches ja auch mit Wasser in jedem Verhältnisse mischbar ist und doch dem Wasserdampf ein merkliches Hinderniss entgegensetzt. Die Dunstdichtigkeit des Vase- lins ist von ähnlicher Stärke wie die des Lano- lins. Den reinsten Gegensatz zu den Fetten da- gegen bildet die Gelatine; eine dünne Gela- tinedecke, vermehrtdie Wasserverdunstung von der Haut. Diese Thatsache liefert die Er- klärung für die längst gemachte klinische Wahr- nehmung, dass ein am ganzen Körper Einge- leimter beständig mehr oder minder friert. Fin ähnlicher Gegensatz wie zwischen den Fetten und der Gelatine findet sich zwischen den sonst so ähnlichen firnissartigen Decken von Kautschuk und Guttapercha einerseits, Collodium anderer- seits. Während die ersteren die Verdunstung und zwar Kautschuk vielmehr als Guttapercha herabsetzen, steigern dünne Collodiumhäut- chen die Verdunstung der von ihnen bedeck- ten Haut.
Die beiden Stoffe, Gelatine und Collodium, welche das paradoxe Verhalten zeigen, die Wasser- verdunstung zu vermehren, haben das Gemein- same, dass sie sich beim Fintrocknen spontan contrahiren. Da sie aber bei der Eintrocknung auf der Haut an dieser Contraction gehindert sind, so muss sich dabei ihre normale Struetur ändern, sie müssen porösere Körper werden. Unna ist nun geneigt die positive Steigerung der
Collodium auf die Veränderung zurückzuführen. welche die natürliche Dunsthülle der Haut durch Auitragung poröser Körper erfährt.
Die starke Hemmung, welche die Verdunstung durch das Vorhandensein von Fetten erleidet. erklärt auch zu einem Theil die enormen Schwan- kungen der Zahlen, welche die Physiologen pis- her für die natürliche Wasserverdunstung der lebendigen Haut gefunden haben. Auf die wech- selnde Finfettung der Hornschicht ist dabei bis- her kein Gewicht gelegt worden, wie der Vor- tragende des Näheren an der grundlegenden Arbeit von Erismann nachweist. Deshalb sind aber auch die Thesen des Letzteren, obwohl sie in die neueren Lehrbücher übergegangen sind, nicht haltbar, nach denen die Verdunstung von der lebenden Haut nicht sowohl ein physikalischer Process als das Resultat der Lebensthätigkeit der Knäueldrüsen sei. Man muss dem gegenüber vielmehr auf die alte Anschauung von Krause zurückgehen, welcher den rein physikalischen Process der insensiblen Verdunstung trennte von dem physiologischen Process der sensiblen Schweiss- bildung. Die letztere beginnt erst auf der Höhe einer gesteigerten Perspiratio insensibilis und nach Ueberwindung eines gewissen Widerstandes sie tritt nicht ein(bei manchen Thieren und Men- schen), wo der letztere nicht überwunden wird. Es besteht also keinesfalls ein unmerklicher Ueber- gang der Perspiratio insensibilis in Schweiss. Die erstere findet an der normalen Haut niemals ein absolutes Hinderniss.
Zum Schlusse weist Unna auf die praktischen Folgerungen hin, welche die innere Medicin aus diesen physiologischen Versuchen zichen kann. Die Fetteinreibung erhält dem Körper Wärme und treibt grosse Wassermengen der Niere zu. Um- gekehrt entzieht die künstliche Entfettung der Haut dem Körper durch vermehrte Verdunstung Wärme und entlastet die Niere. Ebenso nur auf längere Zeit hinaus, wirkt die Einleimung des Körpers. Unna empfiehlt daher die Entfettung der Haut mit nachfolgender Einleimung zu versuchen, erstens zur Herabsetzung des Fiebers und zweitens zur Entlastung der Niere bei Entzündungen dieses Organs.
Pathologische Anatomie und Pathogenese.
Ueber eine pathogene Cladothrix und eine durch sie hervorgerufene Pseudotuberculose. von Eppinger-Graz.(Congress für innere Mediein.)
Die Grundlage zu diesem Thema ergab sich in der Section eines 52 jährigen Glasschleifers, bei welcher ein chronischer Abscess der rechten
Perspiration durch Bedeckung mit Gelatine resp. Grosshirnhemisphäre mit Durchbruch in den Ven-


