15. August.

Thiermedicinische Rundschau etc.

muskel, die Muskeln des Beckens und des Oberschenkels), alsdann das Blut, die Nieren und das Knochenmark.

Die Muskeln(welche genannt wurden) zeigen körnige Trübung, und es geht die Querstreifung verſoren. Das Blut zeigt eine nur dünne Fibrinschicht, das Serum ist, anstatt gelblich, schwach röthlich. An den Nieren entsteht eine parenchimatöse Entzündung mit Blutung, daher der alte Name:schwarze Harnwinde, alsdann Schwellung und Erweichung. Das Knochenmark, namentlich im Ober-

schenkel und an den Lendenwirbeln, wird von einer

multiplen blutigen Infiltration und schmerzhafter Reizung betroffen, woher hauptsächlich das Unvermögen der Pferde stammt, sich zu erheben.

Leber und Herz werden ebenfalls afficirt, merkwürdiger- weise am wenigsten die Milz.

In Finkenstein lagen am 3. Weihnachts- oder Oster-

feiertage stets 3 bis 4 Pferde, der Percheron-Kreuzung an-

gehörig, auf der Strecke, selbst bei leichten Arbeiten, 2 B. auf der Hintour zum Walde, vor leeren Wagen. Die Pferde preussischer Abstammung erkrankten nicht. Jetzt werden sämmtliche Percheron-Kreuzungs-Producte jeden

Feiertag eine Stunde hindurch geritten und es ist seither

kein Fall von Lumbago mehr vorgekommen.

5. Malignes Oedem.

Dasselbe tritt bei Pferden, z B. nach Castrationen, auch beim Menschen auf, Rinder sind dagegen immun Ursache ist ein Spaltpilz, Felcher grosse Aehnlichkeit mit dem Milzbrandbacilſus hät. Jedoch sind zwischen beiden folgende Unterschiede.

Der Oedembacillus hat abgestumpfte Enden, der Milz- brandbacillus abgestutzte. Per erstere gedeiht bei Zutritt von Luft gar nicht, wohl aber der letztere. Die Oedem- bacillen haben etwas Eigenbewegung, die Milzbrandbacillen nicht. Die Sporen werden bei Oedembacillen in den einzeln liegenden Stäbchen gebildet, bei Milzbrandbacterien in den laugen Fäden. Beim malignen Oedem werden sulzige Massen nicht gebildet, wie beim Milabrand. Künstlich kann man malignes Oedem hervorrufen durch Lösung von Gartenerde in Wasser und Einspritzen des Filtrats unter die Haut. Pas maligne Oedem macht Luftblasen wie der Bausch- brand, das Product stinkt nach altem Käse, bei Rausch- brand nicht.

6. Rauschbrand.

Eine namentlich in Süddeutschland, im Elsass und der Schweiz häufig vorkommende, meist tödtlich verlaufende Seuche des Rindviehs, mit Oedembildung und Gasentwick- lung in der Unterhaut. Schafe und Ziegen werden nur sporadisch ergriffen. Früher nannte man die Krankheit die emphysematische Form des Milzbrandes. Der Rausch- brand hat in Krankheitsverlauf und Obductionsbefund grosse Aenlichkeit mit dem malignen Oedem, auch die Bacillen beider Krankheiten sind sehr ähnlich. Jedoch bestchen zwischen ihnen folgende Verschiedenheiten Das Rindvich ist das geborene Rauschbrandthier, gegen Bacillen des malignen Oedems ist es immun.

Die Rauschbrandstäbchen wachsen niemals zu längeren Fäden aus, wie die Oedembacillen. Bei Rauschbrand ent- wickelt sich die Spore an einem Ende, bei Oedem auch in der Mitte. Bei Rauschbrand sind die Bacillen viel leb- hafter bewegt, als beim Oedem, auch bilden sie schon im lebenden Gewebe Sporen, bei jetzterem im abgestorbenen, resp. im Cadaver. Pferde verenden nach malignem Oedem, an Rauschbrand erkranken sie spontan nicht, nach Impfung bleibt der Pffect örtlich. Rauschbrandvirus ist an be⸗ stimmte Oertlichkeiten gebunden, Oedemvirus nicht. Impfung mit Rauschbrandvirus verleiht Schutzkraft, Impfung mit Oedembacillen nicht.

Die Schutzimpfungen gegen Rauschbrand goben nächst der Pockenimpfung die weitaus

Rauschbrandbacillen gehen auch auf den Foetus über,

günstigsten Resultate.

stellen.

ähnlich wie bei Rotz, Milzbrand, malignem philis und Tuberculose, Oedempacillen nicht.

Nach Beendigung des Vortrages spricht der Vorsitzende Herrn Krukow für den ebenso ſehrreichen als auch inter- essanten Vortrag den Pank der Versamwlung aus.

Als nächster Versammlungsort wird Elping im Juni 1891 bestimmt und dabei in Aussicht genommen., die Versammlung gemeinschaftlich mit dem Nachbarverein Ostpreussischer Thierärzte abzuhalten.

Es nahmen an der Versammlung Theil 19 Mitglieder und 4 Gäste.

Schluss der Sitzung 2 ¼½ Uhr.

Nach der Sitzung fand ein gemeinschaftliches Essen statt, an welchem sich sämmtliche anwesende Mitglieder und Gäste betheiligten und welches die Theilnehmer in heiterer Stimmung bis zur Abreise zusammen hielt.

Oedem, Sy-

Kleine Mittheilungen.

Ueber die Schädlichkeit der Buchelölkuchen berichten die Bezirksthierärzte Kammerer und Vaeth: In einem Falle(Kammerer) hatte ein 1 ½ jähriges Fersel 3 Liter Rückstände von Buchelölkuchen in gepulvertem Zustande ins Getränk erhalten. Schon nach zwei Stunden stellten sich Vergiftungserscheinungen ein(Vnruhe, Stöhnen., Schwankender Gang, schneller und drahtförmiger Puls u 8. Ww.). Nach zwei Tagen hatte sich das Thier erholt. In einem zweiten Falle(Vaeth) waren während 8 Tagen Oelkuchen, die zum grössten Theil aus Bucheckern bestanden, in tãg- lichen Mengen von 68 Pfund an Kühe verfüttert worden. Nach 8 10 Tagen erkrankten die Thiere. Durchfall, Mattigkeit, Abgang dunklen Urins trat ein. Die Milch bekam schon nach 4 Tagen einen bitteren Geschmack. Eine Woche nach Aufgabe der Oelkuchenfütterung stellte sich Besserung bei den Thieren ein.

Tagesgeschichte.

Centenarfeier und Hochschulfeier in München.¹)

Die Feierlichkeiten, welche in der Zeit vom 27. pis 30. Juli in München stattfanden, gestalteten sich nach mehrfacher Richtung zu Kundgebungen von weit über die thierärztlichen Kreise Bayerns, ja Deutschlands hinaus- gehender Bedeutung, so dass es unsere Pflicht erscheint, den Inhalt derselben und aller mit den Feierlichkeiten in Be⸗ zichung gewesener Begebenheiten etwas ausführlicher wiederzugeben. Es werden sowohl die gegenwärtige Gene- ration der Thierärzte, welche den Feierlichkeiten nicht beiwohnen konnte, wie auch alle späteren Thierärzte auf diese Weise Kenntniss von den Vorgängen erhalten, welche sich an einem der bedeutendsten Wendepunkte der Ent- wickelung des thierärztlichen Standes und des thierärzt- lichen Unterrichtswesens zu obiger Zeit in Mänchen ab- gespielt haben.

Bei der sehr sorgfältig getroffenen Vorbereitung für die Centenarfeier in München war vorauszuschen, dass dieselbe eine gelungene werden würde. Dass dieselbe aber in so grossartig schöner Weise sich entwickeln und ver- laufen würde, wie geschehen, hat wohl Niemand geahnt, selbst wenn auch als sicher angenommen wurde, dass gelegentlich derselben die bisherige Thierarzneischule zur Hochschule erhoben werden würde Schon der Be- grüssungsabend im Café Roth am 27. Juli liess erkennen,

¹) Wegen des nothwendig gewordenen grösseren Be- richtes über die Feierlichkeiten zu München und Berlin sind wir genöthigt, andere Manuscripte zunächst zurückzu-

D. Red. 44