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Thiermedicinische Rundschau ete.
1890. No. 22.
Schlachten verkauft werden können, ihr Werth dem Besitzer von dem Vereine ersetzt wird—, werden die durch die erwähnten thierärztlichen Untersuchungen(doch nur jährlich zwei für jeden Bestand) erwachsenden Kosten nach den Bestim- mungen von§ 16 dieses Gesetzes berechnet und dem betreffenden Verein aus der Staatskasse zurück- erstattet. Dies geschieht jedoch nur unter der Voraussetzung, dass die Statuten des Vereins die Genehmigung des Ministers des Innern erhalten haben, und der Verein sich den Vorschriften unterwirft, welche von genanntem Minister zu dem Zweck gegeben werden. dass den in den Statuten festgesetzten Bestimmungen nachgekom- men wird.“
Verf. erinnert schliesslich an eine schon früher von ihn entwickelte Ansicht, dass nach seiner Meinung die Uebertragung der Ansteckung von Menschen auf das Thier nur ausnahmsweise statt- findet. Da die Krankheit, wie die Lungenseuche nach Holland, deren allmähliche Ausrottung ge- glückt scheint, nach Dänemark eingeführt ist, so wird es auch gelingen, meint der Verf., sie aus- zurotten. Allerdings werden für den Vernichtungs- kampf in der ersten Zeit grosse Summen aus der Staatskasse nothwendig sein, um Ersatz für das getödtete Vieh zu leisten und ferner ein tüchtiger Stab von Thierärzten, die bezahlt werden, um den Kampf zu leiten. Im Augenblick solle man jedenfalls mit dem Kampfe beginnen und nicht mehr erreichen wollen, als zu erreichen mög- lich ist.
Mittheilungen aus Vereinen und Versammlungen.
— Auszug aus dem Bericht über die Verhand- lungen der zweiundzwanzigsten Sitzung des thier- äirztlichen Vereins in Westpreussen.
2. Kalbefieber. Metritis septica.
Dasselbe entsteht bei Kühen innerhalb 3 Tagen nach dem Gebären. Für die Aetiologie sind 2 Momente erheblich, nämlich: 1. die Vulnerabilität und 2. die Infection.
Durch anhaltende manuelle oder operative Hilfe- leistungen innerhalb der Gebärmutter erleidet die Gebär- mutter eine starke Reizung, und es kann dies in ähnlicher Weise die Entwicklung der septischen Form des Kalbefiebers begünstigen, wie wir dies schon beim Puerperalfieber im Allgemeinen besprochen haben. Die Gebärmutter erkrankt zuletzt phlegmonös und die Thiere zeigen grosse Schmerzen, gebehrden sich auch manches Mal wie Kolikkranke Pferde, werfen und wälzen sich. Gehen die Thiere ein, so findet man in der Gebärmutter zu Zeiten eine ganz enorme Menge Jauche. Das Fleisch ist alsdann nicht geniessbar. Häufig gesellt sich auch durch Uebergreifen des Processes auf die Bauchhaut Peritonitis hinzu.
Die sogenannte paralytische Form des Kalbefiebers, dessen Ursachen noch ziemlich dunkel sind, führt ebenfalls häufig zum Tode. Es fehlt aber bei der Section die Ent- zünadg der grossen parenchymatösen Organe, auch steigt die Temperatur nicht an, und Schmidt-Mülheim hält
(Schluss.)
das Fleisch solcher Thiere für geniessbar. Ein Thierarzt in der Provinz Hannover(Meyenberg in Grorau) empfahl gegen das paralytische Kalbefieber das Plätten mit einem heissen Plätteisen auf Wolldecken. Es sollte eine wässerige Infiltration des Rückenmarks bestehen, und durch das Plätten sollte das Wasser aus demselben wieder entfernt werden. Eine wunderbare Idee.
Zur Heilung sind in erster Linie Ausspülungen und Desinfection des Uterus erſorderlich. Bei der paralytischen Form, welche nach leichten Geburten auftritt, tappen wir noch hinsichtlich der Therapie im Dunkeln, doch scheint es als wenn auf rasche Darmentleerungen zu halten ist. Aether, innerlich verabreicht, wird indicirt, doch stirbt das Thier, so ist das Fleisch nicht geniessbar. Früher wurde eine Abkochung von Krähenaugen als Heilmittel sehr ge- rühmt. Dass bei dieser Form vielleicht doch auch eine Infection mitspricht, vermuthe ich aus Folgendem: In der Brauerei zu Rosenberg trat das Kalbefieber sehr häufig auf, meistens in der paralytischen Form. Auf mein An- rathen füttert der Besitzer seine Kühe vier Wochen vor dem Gebären schlecht, und gleich nach der Geburt des Jungen spülte derselbe den Uterus der Kuh mit Carbol- wasser oder Sublimatlösung— gewöhnlich mit 1 zu 1000— aus, und es ist seit Jahren bei den fetten Thieren kein Fall von Kalbefieber mehr vorgekommen.
3. Morbus maculosus(Faulfieber, Pferdetyphus).
Die Krankheit tritt als Folgeleiden nach Druse, bei Rotz, nach Lungenentzündung, Brandmauke und nach jauchigen Processen in der Subcutis auf.
Es muss angenommen werden, dass ihre Ausbildung in allen Fällen aus primären localen Zerfallsheerden ent- steht, wenn dieselben auch, weil häufig im Innern gelegen, nicht immer nachzuweisen sind. Das Leiden besteht somit ebenfalls in einer septicaemischen Erkrankung. Die sonstige Natur des Giftes, ob Mikroorganismen oder ein chemisches Gift, ist nicht bekannt, das ſetztere jedoch wahrscheinlich. Das Gift hat eine specifische Affinität zu den Wandungen der Capillaren, es macht sie mürbe, daher die häufigen Rupturen derselben, und Extravasation des Bluts in die Gewebe Im Darm kommt es ebenfalls zur Bildung von Extravasaten, welche, wenn sie grösser sind, manchmal nach dem Darmlumen hin durchbrechen. Bei den Schwellungen, wie sie sich am Kopf, den Beinen und am Unterbauch einstellen, entsteht häufig Mortification der Haut. Bei der Krankheit kommt es auch zu Infiltrationen und Schwellungen der Nasenschleimhaut, der Submucosa des Kehlkopfes, sogar zu brandiger Zerstörung der Nasen- und Rachen- schleimhaut, in Folge dessen zu Schwerathmen, Schluck- pneumonie und Erstickung. Auch findet man Infar ete in den Lungen von Faustgrösse und darüber.
Waschungen mit adstringirenden Mitteln und innerlich Salzsäure, ferner Inhalation von Dämpfen einer 3 bis 5 pro- centigen Carbolsäurelösung sind angezeigt.
Wird nur eine geringe Menge Virus produeirt oder resorbirt, so erfolgt Stilſstand, später Genesung, um- gekehrt Tod.
4. aeute Kreuzrhehe(Lumbago).
Nach ihrem ganzen Entwickelungsgange gestaltet sich die Kreuzrhehe als eine toxische Krankheit. Pass dieselbe vorwiegend schwere Pferde(die sogenannten kalten Schläge). und hiervon die fettesten Thiere ergreift, und zwar meistens nach einem oder einigen Tagen Ruhe, ist bekannt. Es wird bei diesen Thieren zu viel Nährmaterial im Blute und den Geweben aufgespeichert, dass die normale Umsetzung nicht mehr erfolgen kann. Es findet nunmehr ein Zerfall von Eiweisskörpern statt, wobei ein Stoff von giftigen Figenschaften entsteht.
Krankhafte Veränderungen erleiden bei Kreuzrhehe die Scelettmuskulatur(hauptsächlich Lenden-, Darmbein-


